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Argumentationsmodell von Stephen Toulmin

Die Stützung der Schlussregel


Wenn man annehmen muss, dass die Grundstruktur der Argumentation des Argumentationsmodells von Stephen Toulmin nicht hinreichend überzeugen kann, muss man weitere Aussagen heranziehen.
  • Wenn das vorgebrachte Argument nicht hinreichend überzeugen kann: Dann ist es vielleicht erforderlich, weitere Argumente unter Beibehaltung der implizierten oder nur teilweise abgeänderten Schlussregel zu finden. Weitere Argumente untermauern damit die schon gezogene Schlussfolgerung bzw. die These und fügen der vorhandenen Begründung weitere hinzu. Diese Argumente bilden bei gleicher Schlussregel eine lineare Argumentationskette. Dies wäre zum Beispiel der Fall, wenn man im Falle des benutzten Beispiels folgende weiteren Argumente verwenden würde:
     
    • Stefan hat sehr gute Noten.

    • Stefan hat einen Durchschnitt von 14 Notenpunkten.

    • Stefan ist außerordentlich fleißig.

    •  …

Diese Argumente gliedern das Argument "Stefan ist ein guter Schüler" auf und können unter Anwendung derselben Schlussregel die besagte Schlussfolgerung legitimieren. Zugleich stehen sie aber auch in einer argumentativen Beziehung zum ursprünglichen Argument nach dem Muster: Stefan hat sehr gute Noten. Deshalb ist er ein guter Schüler. Schlussregel: Wer sehr gute Noten hat, ist auch ein guter Schüler.

  • Während man also in diesem Fall weitere Argumente auf der Basis einer implizierten Schlussregel sucht und anführt, muss man bei der möglichen Anfechtung der Schlussregel anders verfahren.

Sollen mögliche Einwände und Anfechtungen gegen die Schlussregel abgewehrt werden, muss man diese stützen.

Aussagen, die zur Stützung der Schlussregel herangezogen werden, sollen bewirken,

  • dass die verwendete Schlussregel auf den von ihr beanspruchten Bereich von Argumentationen des gleichen Typs angewendet werden kann und diese Anwendung zulässig ist
  • dass die Anwendung der Schlussregel für den vorliegenden Fall zulässig ist.

Im Allgemeinen stehen zur Stützung von Schlussregeln folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Gesetze

  • Normen

  • Regeln

  • Prinzipien

  • Allgemeine Tatsachen

  • Anerkannte Bestimmungen

  • Anerkannte Erfahrungen

  • Bedürfnisse

  • Taxonomische Klassifikationen

  •  …

Diese Möglichkeiten stehen natürlich nicht für jeden Gegenstand von Argumentationen zur Verfügung. Man muss daher immer wieder die so genannte "Veränderlichkeit oder Bereichsabhängigkeit der Stützung" (Toulmin 1997, S. 95) beachten.

Im vorliegenden Beispiel wird mit dem Vergleichssatz "wie Statistiken über den Zusammenhang von schulischer Leistung und Berufschancen belegen“ die Stützung der Schlussregel vorgenommen:

« Stefan wird es vermutlich weit bringen, denn er ist ein guter Schüler. Wenn seine Leistungen bis zum Abitur nicht nachlassen, hat er beste Startchancen für seinen weiteren beruflichen Werdegang, wie Statistiken über den Zusammenhang von schulischer Leistung und Berufschancen belegen. »

Das Argumentationsschema wird bei Verwendung einer Stützung der Schlussregel wie folgt ergänzt:
 

Streit ohne Ende als Praxis der Argumentation?

Die Praxis einer argumentativen Auseinandersetzung sieht nach Toulmin so aus:

"Es kann sein, dass die Schlussregeln ohne Angriff zugestanden werden und dass ihre Stützung stillschweigend vorausgesetzt bleibt. In der Tat können wir kaum mit dem Argumentieren anfangen, wenn wir für alle vorgebrachten Schlussregeln nach einer Stützung verlangten und niemals eine ohne Angriff durchgehen ließen. Schulz bringt eine Argumentation vor, die die Schlussregel (SR1) benützt, und Schmitt greift diese Schlussregel an. Schulz ist verpflichtet, als Hilfssatz eine weitere Argumentation mit der Absicht anzuführen, die Annehmbarkeit der Schlussregel zu begründen. Aber beim Beweis benützt er eine zweite Schlussregel SR2. Schmitt greift wiederum die Stützung dieser Schlussregel an, und so geht das Spiel weiter. Einige Schlussregeln müssen provisorisch ohne weiteren Angriff akzeptiert werden, falls das betreffende Gebiet der Argumentation zugänglich sein soll.“ (Toulmin 1997, S.97)

Vgl.

Kurzfassung der Skizzen zum Download: Stefan wird es im Berufsleben weit bringen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.08.2017

      
  Toulmin ] Kritische Argumentation ]  
 

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