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Erweiterte Argumentation

Gegen Stammtischparolen und Vorurteile argumentieren

5-Minuten-Argumentationen (Schülerbeispiele)

 
 

Mit kurzen Statements, die innerhalb von maximal 5 Minuten zu formulieren waren, haben Schülerinnen und Schüler einer 11. Klasse die folgenden Gegenargumentationen zu Stammtischparolen formuliert. Diese beinhalten weit verbreitete Vorurteile.

  1. Einzelkinder können nicht so einfühlsam und sozial mitfühlend werden wie Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen.

  2. Bei uns leben einfach schon zu viele Ausländer.

    • Wenn bei uns nicht so viele Ausländer leben würden, gäbe es auch z. B. keine italienischen, spanischen, chinesischen oder griechischen Restaurants. Ich finde Ausländer bereichern unsere Kultur. Was wäre wenn es keine Dönerstände mehr gäbe oder die Deutschen keine Pizza kennen würden? Auch McDonalds kommt aus Amerika! Ausländische Lebensweisen und Religionen kennen zu lernen, trägt zur Allgemeinbildung bei. Auch manche Arbeitsplätze wären nicht belegt, da die Einheimischen sich meist zu schade für Kloputzen, Müllabfuhr wären.

  3. Fußball ist doch eigentlich Männersache!

    • Falsch! Frauen können genau so gut Fußball spielen wie die Männer. Unsere U 19 und Damen-Nationalmannschaft sind Weltmeister geworden. Hingegen die Männer, welche nicht mal ins Finale gekommen sind. Ich finde. die Männer in der Bundesliga und der Nationalmannschaft sind total überbezahlt. Ich spiele selbst Fußball und es regt mich immer wieder aufs Neue auf, wenn sich so etwas höre. Männer, die so etwas behaupten, sind Machos!

  4. Wenn Hitler bloß den Krieg nicht angefangen hätte, dann wäre das Dritte Reich doch gar nicht so schlimm gewesen.

  5. Heutige Jugendliche interessieren sich doch für gar nichts.

    • Meine ich nicht, weil viele Jugendliche in Vereine gehen, Hobbys haben und die Freizeit meistens sinnvoll gestalten. Wir Jugendlichen sind so viel unterwegs, dass man nicht sagen kann, das wir uns für gar nichts interessieren.

  6. Die da oben, machen doch sowieso was sie wollen.

  7. Fernsehen macht dumm.

    • Fernsehen macht auf keinen Fall dumm, da so gut wie jeder Mensch fernsieht und so müsste ja jeder Mensch dumm sein. Im Fernsehen kommen auch Nachrichten und andere wichtige Informationen.

  8. Frau und Technik!

  9. Wer sein Auto aufmotzt, hat meistens einen Minderwertigkeitskomplex.

    • Ich bin dagegen, weil das überhaupt nichts mit seinem Selbstbewusstsein zu tun hat. Man motzt sein Auto auf, weil es einfach für denjenigen schöner aussieht. Ich denke, so wie die Mode für Menschen, z. B. Kleidung, ist für manche einfach Mode, ihre Autos aufzumotzen.

  10. Männer sind doch alle Machos!

    • Männer sind nicht alle Machos, weil es zum Beispiel auch schüchterne Männer gibt! Z. B. ich! Zudem gibt es Männer, die Frauen die Sterne vom Himmel holen und genau deswegen keine Machos sind.

  11. Wer wirklich arbeiten will, findet, wenn er nicht faul ist, auch bei uns Arbeit.

    • Wer schon lange Zeit arbeitslos war, hat es schwer. Noten. Aussehen, Herkunft, soziale Verhältnisse, Führerschein usw. spielen eine große Rolle. Es gibt mehr Arbeitslose, als es Arbeit gibt.

  12. Dicke sind gemütlich.

  13. Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.

    • Ist reiner Schwachsinn, Leute, die hier bei uns in Deutschland leben, ihre Freunde und ihre Familie dahaben, haben das Recht wie auch jeder Deutsche zu arbeiten. Die meisten Deutschen halten sich für zu gut für manch eine Handarbeit, woraufhin manch einer dankbar für diese Arbeit wäre.

  14. Radfahrer fahren meistens rücksichtslos.

  15. AIDS trifft doch meistens nur Homosexuelle.

    • Stimmt nicht, weil auch Heterosexuelle ungeschützt Verkehr haben oder dreckiges Besteck benutzen, sofern sie drogenabhängig sind. Selbst durch Bluttransfusionen kann sich egal welcher Mensch anstecken. Dass meistens nur Homosexuelle sich anstecken würden, ist ein Vorurteil der Gesellschaft und zeigt wieder einmal deutlich, wie unaufgeklärt die Menschheit ist.

  16. Wenn eine Frau bauchfrei und im Minirock zur Arbeit kommt, darf sie sich nicht wundern, wenn sie „angemacht“ wird.

  17. Computerspiele machen gewalttätig.

    • Es gibt auch Computerspiele, die überhaupt gar nichts mit Gewalt zu tun haben. In den meisten PC-Games geht es um Taktik und Strategie. In unserer heutigen Zeit ist alles von PCs abhängig. Es ist von Vorteil, schon früh damit in Kontakt zu kommen.

  18. Männer sind einfach wehleidiger als Frauen.

  19. Politiker sind doch alle korrupt.

  20. Raucher sind die kommunikativeren Menschen.

  21. Man weiß doch nie, was so ein Moslem wirklich denkt.

  22. So schlecht ist die Todesstrafe auch wieder nicht.

  23. Homosexualität ist doch einfach widernatürlich.

    • Das kann gar nicht sein, denn wäre es widernatürlich, dann gäbe es keine Homosexualität. Natürlich ist eben alles, was auf der Welt existiert. Homosexuelle dürfen in manchen Ländern heiraten und Kinder adoptieren, das ist schon Zeichen genug, dass es natürlich ist. Heute - 2004 - sollten wir so weit sein, dies als natürlich anzusehen, weil die Menschen heute offener damit umgehen, bedeutet dies nicht, dass es Homosexualität erst seit dem 19. Jahrhundert gibt. Früher gab es dies auch schon, nur wurde dieses Thema totgeschwiegen. Und nur weil Homosexuelle miteinander keine Kinder bekommen können und damit die Fortpflanzung nicht ankurbeln können, sollte dies kein Argument sein. Heute sind wir mit der Forschung so weit, dass Kinder auch ohne Geschlechtsverkehr entstehen können.

  24. Ausländer sind krimineller als Deutsche.

    • Ich finde nicht, dass alle Ausländer krimineller als Deutsche sind. Erstens merkt man oft an den Nationen, wer kriminell ist. Oft hört man z. B. Russen haben wieder Probleme gemacht. Es gab Messerstechereien. Es gibt halt oft Probleme unter Ausländern bei uns in Deutschland. Es gibt auch viele Deutsche, die kriminell sind nur als ein kleines Beispiel die ganzen Nazis. Wie viele Aufstände gibt es jedes Jahr! Viele Ausländer passen sich auch gut dem Land an und man hört nie etwas von Problemen.

  25. Die Schüler sind doch meistens nur zu faul. Wer lernt, kommt auch mit.

  26. Ein normaler Mensch braucht keinen Psychiater.

    • Das stimmt überhaupt nicht, denn jeder Mensch hat Probleme und braucht Menschen, die einem zuhören und Ratschläge geben. Psychiater sind auch nur Menschen, die sich Probleme anhören und versuchen, Lösungen zu finden, wie man helfen könnte. Eventuell auch Gründe, die zu speziellem Verhalten führen. Wenn jemand ein Kind verliert, braucht er vielleicht einen Psychiater, weil er nicht darüber hinwegkommt.

  27. Abtreibung ist Mord.

    • Das finde ich nicht oder nur eingeschränkt. Bis zu einem bestimmten Entwicklungsstadium kann ich dieses Etwas nicht als Menschen ansehen. Also ist es auch kein Mord. Überhaupt wäre es viel schlimmer, wenn das Kind zur Welt kommt und leidet, weil es nicht geliebt wird oder behindert ist oder mit schlimmen Lebensverhältnissen leben müsste.

  28. Der Mensch ist halt von Natur aus schlecht.

    • Der Mensch ist nicht von Natur aus schlecht, weil sich viele Menschen für gute Sachen einsetzen. Sie sind nicht von Natur aus schlecht, sondern werden durch ihr Umfeld beeinflusst und werden dann vielleicht schlecht.

  29. Frauen werden doch nur dann lesbisch, wenn sie keinen Mann bekommen oder wenn sie eine Enttäuschung durch einen Mann nicht verkraften können.

    • Viele Lesben merken schon im Kindesalter, dass sie kein Interesse an Männern haben. Viele hübsche Frauen sind lesbisch. Man wird nicht lesbisch, sondern ist es im Grunde genommen von vornherein, manche Frauen bemerken es erst später, da sie in eine Gesellschaft hineingeboren werden, in der Homosexualität von vornherein nicht als Lebensweise in Betracht gezogen wird oder aber, weil sie sich dagegen sträuben, da es viele Probleme mit sich bringt, diese Lebensform wirklich zu leben. Diese Aussage machen nur Leute, die keine Ahnung haben, konservativ sind und Angst vor Veränderung haben.

  30. Zur rechten Zeit ein paar hinter die Ohren hat noch niemand geschadet.

  31. Aufreizend oder freizügig angezogene Mädchen und Frauen provozieren geradezu Vergewaltigungen.

  32. Bei uns macht doch jeder, was er will.

  33. Eltern haben doch keine Ahnung.

  34. Frauen sind doch einfach die besseren Menschen.

    • Wenn man in der Geschichte der Erziehung nachschaut, kann erkennen, dass mindestens 85% der bedeutendsten Menschen Männer waren. Frauen sind vielleicht die besseren Menschen! Außerdem gibt es ja das Wort Zicken und nicht Zickler. Stimmungsschwankungen, wenn sie ihre Tage habe. Sehr kompliziert.

  35. Singles wollen keine Verantwortung für andere übernehmen.

    • Meiner Meinung nach hat das Eine nichts mit dem Anderen zu tun. Denn kein Mensch ist gerne allein, weil es teilweise in seiner Natur liegt, einen Partner zu finden. Außerdem gibt es andere Alternativen, wenn man keine Verantwortung für den anderen übernehmen will wie beispielsweise getrennt zu leben oder eine "freie" Beziehung, bei der man mehrere Partner haben kann und zu der auch viele Menschen bereit sind.

  36. Wer was gegen die wachsende Kriminalität erreichen will, muss einfach härter durchgreifen.

  37. Alle Männer wollen nur das Eine.

    • Ich teile diese Meinung nicht, da ich finde, dass man nicht sagen kann, "Männer", weil es gibt auch Frauen, die nur auf das Eine aus sind. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es genügend Männer gibt, die auch wirklich zuhören können, verständnisvoll, romantisch und sensibel sind und nicht jede Gelegenheit ausnutzen, eine Frau ins Bett zu bekommen.

  38. Autofahrer kümmern sich doch überhaupt nicht darum, was mit der Umwelt los ist.

 
  Gegenthese
  Gegenargument(e)
  Beweis
  Beispiel
  Schlussfolgerung

 

 
   Arbeitsanregung
  1. Untersuchen Sie die folgenden 5-Minuten-Argumentationen, mit denen Schülerinnen und Schüler eine Gegenargumentation zu obigen Stammtischparolen und Vorurteilen formuliert habe.

  2. Versuchen Sie die Gegenargumentation in Form der erweiterten Argumentation. (s. obige Tabelle) darzustellen. - Verbessern Sie dazu einzelne Argumentationen.

 

     
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