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Erweiterte Argumentation

Gegenargumentation

Stoßrichtung, Einwände und kritische Fragen


Der Begriff Gegenargumentation kann zweierlei bedeuten. Es könnte damit jeder beliebige Beitrag zu einer argumentativen Auseinandersetzung über ein bestimmtes Thema gemeint sein, der von der jeweiligen Gegenseite vorgebracht wird. Enger gefasst kann man unter einer Gegenargumentation aber auch eine umfassend oder teilweise gegensätzliche Argumentation verstehen, die mehr oder weniger direkt Bezug zu einer anderen Argumentation steht.

Fasst man den Begriff der Gegenargumentation im engeren Sinne auf, lässt sich der Bezug, man könnte dies auch die Stoßrichtung der Gegenargumentation nennen, unter dem Blickwinkel des allgemeinen Argumentationsschemas der erweiterten Argumentation betrachten und analysieren

Die grundsätzlich ablehnende, antithetische Gegenargumentation

Wird die in der vorangehenden Argumentation aufgestellte These bestritten, indem man eine direkte Gegenthese, auch Antithese genannt, aufstellt, dann beschreitet man den Weg einer antithetischen (Gegen-) Argumentation.
Dabei werden – je nach Bedarf – alle anderen Elemente der erweiterten Argumentation (Argument, Beleg/Beweis, Beispiel, ggf. Schlussfolgerung) für diese Art der Gegenargumentation ausgeführt.

Mit der antithetischen (Gegen-)Argumentation bestreitet man also eine zuvor (von der Gegenseite) aufgestellte Behauptung einschließlich ihrer untergeordneten Glieder grundsätzlich und versagt ihre jegliche Zustimmung.

Beispiel:

  • Die Klimaerwärmung ist hauptsächlich von den Menschen verursacht.

  • Die Klimaerwärmung ist hauptsächlich auf natürliche Klimaschwankungen zurückzuführen.

Die Argumentation, die zu jeder der beiden in einem antithetischen Verhältnis zueinander stehenden Behauptungen geführt wird, muss inhaltlich nicht auf die von der Gegenseite vorgebrachte Argumentation eingehen, um ihren antithetischen Charakter herauszustreichen. Der argumentative Bezug von Argumentation und Gegenargumentation muss also nicht unbedingt explizit ausgedrückt werden.
Wer die Argumentation seines Gegenübers widerlegen will, kann also mit seiner eigenständigen (Gegen-)Argumentation im Grundsätzlichen ganz anders und in eine andere Richtung argumentieren. Dabei geht man davon aus, dass die eigene (Gegen-)Argumentation schlichtweg überzeugender ist.

Andere Möglichkeiten und Formen der Gegenargumentation

Darüber hinaus gibt es aber noch andere Möglichkeiten, um die Argumentation eines anderen zu kritisieren, zu erschüttern oder im besten Fall zu widerlegen. Hier geht es also darum, die Schwachstellen einer Argumentation Die Stoßrichtung dieser Mittel zielt im Modell der erweiterten Argumentation auf die Argumente, Beweise und Belege, die Beispiele oder die aus der Argumentation gezogene Schlussfolgerung der kritisierten Argumentation. Der Geltungsanspruch der Ausgangsthese wird damit in ihrer Schlüssigkeit selbst in Frage gestellt, indem die Relevanz und Gültigkeit der nachfolgenden Glieder der Argumentation bestritten werden.

Natürlich ist nicht jede Gegenargumentation, die sich auf eines der Glieder einer erweiterten Argumentation gleich schlafkräftig. Wenn jemand ein fragwürdiges Beispiel zur Stützung seiner Argumentation heranzieht, ist die sonstige Argumentation schließlich nicht hinfällig. Wem es aber gelingt, die Untauglichkeit oder Unwahrheit eines herangezogenen Beispiels aufzuzeigen, der kann, je nach Situation, in der die argumentative Auseinandersetzung stattfindet, aber unter Umständen die Akzeptanz der gegnerischen Argumentation deutlich herabsetzen.

Kritische Fragen sind, wenn sie nicht als Technik des unfairen Argumentierens Gefahr laufen sollen, die eigene Glaubwürdigkeit herabzusetzen, ein geeignetes Mittel, eine gegnerische Argumentation auf ihre Plausibilität zu überprüfen und an bestimmten Punkten anzugreifen.(→14 x Unfaires Argumentieren) Sie sind keine destruktiven Fragen, die inhaltlich keinen Bezug zur Argumentation aufweisen, und taktisch nur dazu dienen sollen, den jeweils Gefragten in eine gesprächsstrategisch ungünstige Verteidigungshaltung zu bringen. Welche kritische Frage zur Überprüfung welcher Argumentation in Frage kommt, ist dabei sehr unterschiedlich und hängt auch von der logischen Form der Argumentation selbst ab.

Für die Praxis der Argumentation, z.B. im mündlich geführten Diskussion, aber auch im Zusammenhang mit schriftlichen Erörterungen (z. B. Texterörterung) ist es wichtig, zu erkennen, welches Element einer vorangegangenen Argumentation bei der Gegenargumentation aufgegriffen wird, wo also die jeweilige Gegenargumentation ansetzt.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.07.2015

     
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