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Unter einer
erweiterten Argumentation wird
hier eine Argumentation verstanden, die in Struktur und Umfang über die einfache Begründung einer Behauptung
(These) durch ein Argument hinausgeht (→einfache Argumentation).
Sie umfasst daher auch Elemente zur
Stützung* des
Argumentes (Beweis, Beispiel) und ggf. aus der
Argumentation gezogene Schlussfolgerungen.

In Anlehnung an ein Modell von
A. Folkers (1977, S.154) lässt sich die erweiterte Argumentation
in folgender Art und Weise als ein allgemeines
Argumentationsschema darstellen:

(nach
A. Folkers (1977, S.154, verändert und ergänzt)
Das Argumentationsmodell folgt einem formal-linearen
Textordnungsmuster zur Strukturierung beim schriftlichen
Argumentieren. Es eignet sich besonders im
Zusammenhang mit schriftlichem Argumentieren, insbesondere bei den Formen
erörternden
Schreibens. Grundsätzlich lässt sich es sich aber für alle
Schreibprozesse verwenden, bei denen die
argumentative Themenentfaltung Gewicht hat, also bestimmte Behauptungen
in einen Begründungszusammenhang gebracht werden. Im schulischen Bereich
betrifft dies natürlich auch eine Reihe anderer
schulischer
Schreibformen mit ihren verschiedenen
Schreibaufgaben bei
untersuchendem Erschließen,
erörterndem
Erschließen etc. Mündliches Argumentieren könnte sich eher am
Fünfsatz-Schema zur Gestaltung
von Redebeiträgen orientieren.
Unter schreibdidaktischem Aspekt betrachtet, kann es
Im Schreibprozessen dieser Art als Strukturschema (Textmusterwissen,
Textstrukturwissen) auf der
Textoberfläche
eine wichtige Steuerungsfunktion auf verschiedenen Stufen des
Schreibprozesses übernehmen. Sein Potential, das haben langjährige
Erfahrungen im Umgang damit ergeben, entfaltet sich vor allem im Bereich der
Formulierungskompetenz,
wo es in im Zuge eines längeren Lernprozesses den Aufbau
literaler Routinen (Feilke und
Augst 1989) fördern kann. Zugleich entlastet das
Argumentationsmodell auch die Phase des Schreibprozesses, der vor und - je
nach gewählter
Schreibstrategie - während des Schreibens mit der Strukturierung von
Wissen zu tun hat. Denn schließlich müssen damit sprachlogische, funktionale
und kategoriale Zuordnungen von Aussagen (Propositionen)
nicht nur auf Kohärenzebene
ausgedrückt, sondern auch auf der Ebene der
Textkohäsion signalisiert
werden. Wer heute Schüleraufsätze liest und korrigieren muss, weiß, dass
Schülerinnen und Schüler heute mehr denn je der herkömmlichen
Schreibstrategie des
einen-Text-zu-einer-Ideee-Schreiben folgen, weil sich das Schreiben in
der Schule lange Zeit zu sehr an der Mündlichkeit orientiert hat. Die
Konsequenz daraus ist häufig, dass sie genauso schreiben, wie sie reden,
genauso schriftlich argumentieren, wie sie dies mündlich tun. Aber genau
diese Schreibstrategie ohne ein entsprechendes Argumentationsschema als
Grundlage ist häufig die Ursache dafür, dass Schülerinnen und Schüler an
Schreibaufgaben dieser Art scheitern: Sie schwafeln drauflos, bringen alles
mögliche vor, weil sie ihren Schreibprozess nicht wirklich steuern und
kontrollieren können. Der Hinweis, ein solches Modell sei zu schematisch,
verfängt unter didaktischen Gesichtspunkten nicht. Schwächere Schüler können
sich daran orientieren, erfahren, dass auch das schriftliche Argumentieren,
wie alles andere Schreiben gelernt werden kann. Der komplexe Schreibprozess
des Argumentierens wird mit diesem Schema zerlegt und damit für
schreibdidaktische Konzepte unterschiedlicher Art geöffnet, z. B. beim →Überarbeiten
von Texten. (→Bausteine). Zudem lässt
sich damit auch mit verschiedenen Schreibstrategien arbeiten. Im Übrigen:
Schreiberinnen und Schreiber mit mehr Schreiberfahrung binden sich
erfahrungsgemäß auf die
Dauer nicht an diese eine Argumentationsstruktur.
Das Argumentationsschema benutzt deshalb ganz
bewusst eine bestimmte Auswahl von Bindewörtern
(Konjunktionen)
wie
"weil", "denn", "wie" und "daher"
um bestimmte Erweiterungsstufen der Argumentation auf der Textoberfläche zu signalisieren
(Kohäsionsmittel,
Konnektive). Dabei
ist die Zuordnung der begründenden (kausalen) Konjunktionen
("weil" und "denn") zu einer der Stufen selbstverständlich willkürlich. Als
Signalwörter erfüllen die Konjunktionen im vorstehenden Schema vor allem den
Zweck, die Elemente einer Argumentation genau zu kennzeichnen und beim
Schreib- bzw. Formulierungsprozess zu helfen. Folgt ein Schreiber diesem
Schema weiß er stets, an welcher Stelle einer Argumentation er sich beim
Schreiben gerade befindet. Zugleich kann er auf eine besonders leichte Weise
erkennen, ob seine Argumentation zu einer These wirklich entfaltet worden
ist. Dass dabei die Klarheit und die
Verständlichkeit einer schriftlichen Argumentation erhöht wird, sei
nur am Rande betont.
Selbstredend ist mit dem Schema nicht intendiert, dass eine umfassende
Schreibaufgabe wie u. B. das Abfassen eines
Erörterungsaufsatzes so
geschehen kann, dass man jede einzelne Argumentation in der gleichen Art und
Weise ausführt. Dies freilich ist eine Frage der sprachlich-stilistischen
Gestaltung mehr als eine Frage des Textmusters.
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* Im
Argumentationsmodell von Stephen Toulmin bezieht sich der Begriff
Stützung immer auf seine Verwendung als
Stützung
der so genannten
Schlussregel.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
13.01.2013
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