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Geltungsansprüche

Geltungsansprüche einlösen und überprüfen

Argumentieren

 
FAChbereich Deutsch
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Vernunftorientierte Argumentation
Tatsachenbehauptungen
Geltungsansprüche sichern
7-Punkte-Programm für vernünftiges Argumentieren im Alltag (Kienpointner)
Regeln für vernünftiges Diskutieren (Kienpointner)
Überblick
Redefreiheit
Begründungspflicht
Redliche Bezugnahme auf das Gesagte

Geltungsansprüche rational begründen

Wenn Menschen sich in einer mehr oder weniger gut funktionierenden "Argumentationskultur" (Gethmann 1979, S.43), im Idealfall alle gleichermaßen befähigt, gleichberechtigt und mit den gleichen Möglichkeiten versehen (Regeln vernunftorientierter Argumentation, Kritische Argumentation - Jürgen Habermas) mit Argumenten darüber auseinandersetzen, was zwischen ihnen "strittig" ist, dann geht es im Kern immer um die Frage, ob und wie weit das, was jemand behauptet, Geltung beanspruchen kann.

Solange miteinander gestritten (engl. to argue = streiten) und diskutiert wird, werden zur Behauptung eines bestimmten Standpunktes unterschiedliche Geltungsansprüche erhoben.

  • Damit wird der Anspruch unterstrichen, dass das, was man äußert, nicht nur eine ganz und gar persönliche, für andere völlig unverbindliche subjektive Gewissheit darstellt, sondern auch für die anderen, also intersubjektiv, verbindlich und gültig ist.

  • Dabei erlangt ein Geltungsanspruch erst dann Gültigkeit, wenn es tatsächlich gelingt, den erhobenen Geltungsanspruch auch einzulösen. (vgl. Kopperschmidt 1989, S.16)

Letzten Endes geht es bei der Möglichkeit zur tatsächlichen Einlösung von Geltungsansprüchen stets um die Frage, unter welchen Bedingungen Argumente ▪ überzeugungskräftig werden können. Nach Kopperschmidt (2000, S.62ff.) hängt die Überzeugungskraft eines Arguments der logischen Struktur "p gilt, weil q gilt" von ▪ fünf Bedingungen ab: q muss 1.▪ gültig, 2.▪ geeignet, 3.▪ relevant sein, 4.▪ von einem glaubwürdigen Sprecher vertreten werden, 5. zu dem jeweiligen Argumentationsprofil passen

Regeln für rationales Argumentieren in privaten und öffentlichen Diskussionen

Voraussetzung dafür, dass Geltungsansprüche eingelöst werden können, ist die rationale Gestaltung der Argumentation.

Eemeren/Grootendorst (1992) haben dafür im Rahmen ihrer Pragma-Dialektik zehn Regeln für rationales Argumentieren formuliert, die Kienpointner (1996) auch als Grundlage seines ▪ Konzeptes vernünftigen Diskutierens in privaten und öffentlichen Diskussionen verwendet.

Die zehn Regeln Eemeren/Grootendorst (1992) verdeutlichen, wie "Prozeduren vernünftigen Argumentierens" aussehen sollten.

Sie werden hier in der Übersetzung von Kienpointner (2005, S.13) wiedergegeben:

"

  1. Die Argumentierenden dürfen einander nicht hindern, Standpunkte vorzubringen oder Standpunkte zu bezweifeln.

  2. Wer einen Standpunkt vorbringt, ist verpflichtet, ihn zu verteidigen, wenn er oder sie gebeten wird, das zu tun.

  3. Ein Widerlegungsversuch muss sich auf denjenigen Standpunkt beziehen, der tatsächlich von der Gegenpartei in der Diskussion geäußert worden ist.

  4. Ein Standpunkt darf nur dadurch verteidigt werden, dass man Argumente für den Standpunkt vorbringt.

  5. Eine Person ist verpflichtet, zu den Voraussetzungen (=Prämissen) zu stehen, die er oder sie implizit zum Ausdruck gebracht hat. Umgekehrt dürfen den Kontrahenten nicht Prämissen unterstellt werden, die sich aus deren Äußerungen gar nicht entnehmen lassen.

  6. Eine Prämisse darf nicht fälschlich als gemeinsam akzeptierter Ausgangspunkt hingestellt werden, und umgekehrt darf eine Prämisse, die gemeinsam akzeptiert ist, nicht zurückgewiesen werden.

  7. Ein Standpunkt darf nicht als hinreichend gerechtfertigt angesehen werden, wenn die Rechtfertigung nicht durch ein ▪ plausibles und korrekt angewendetes Argumentationsmuster erfolgt.

  8. Die Argumentationsmuster müssen ▪ logisch gültig sein oder zu logisch gültigen Schlussfolgerungen ergänzt werden können (durch das Explizitmachen impliziter Prämissen).

  9. Wenn die Rechtfertigung eines Standpunktes nach den obigen Regeln korrekt erfolgt ist, muss die Person, die den Standpunkt in Zweifel gezogen hat, ihn nun akzeptieren; wenn die Rechtfertigung nicht gelungen ist, muss die Person, die den Standpunkt vertreten hat, ihn nunmehr zurücknehmen.

  10. Die Formulierung der Argumentationen darf weder ungenau noch mehrdeutig sein, und die am Gespräch Beteiligten müssen gegenseitig ihre Formulierungen so sorgfältig wie möglich interpretieren."

Allerdings stehen der gesellschaftlichen Durchsetzung solcher Regeln grundlegende strukturelle Probleme entgegen.

Die vorstehenden Regeln darüber, wie eine rationale Argumentation zu gestalten und zu überprüfen ist, kann nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, "dass in realen öffentlichen Diskursen in den zeitgenössischen Industriegesellschaften mit kapitalistischer Orientierung die [...] Effizienzrhetorik dominiert, die einseitig am Erfolg ausgerichtet ist." (Kienpointner 2005, S.13)

Das hat zur Folge, dass "die psychologischen Dispositionen und Charakterzüge von Personen, die in einer an Konkurrenz und Durchsetzung eigener Interessen orientierten Gesellschaft aufgewachsen sind" (ebd.) ebenso wie die "gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen von argumentativen Texten" (ebd.) einer rationalen, auf die Klärung "strittige(r), konkurrentielle(r) Wissenselemente durch verbale Interaktion" (Ehlich, Konrad (1993/42010 S.53) zielenden Argumentation, die auf wechselseitiges Überzeugen hin angelegt ist, entgegenstehen.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.12.2023

   
 

 
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