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Die neue Rechtschreibung

Die wichtigsten Änderungen

 

Die Reform der deutschen Rechtschreibung wurde am 1. Juli 1996 von politischen Vertretern der deutschsprachigen Staaten und weiterer interessierter Länder in einer gemeinsamen Erklärung beschlossen. Bis zum Ende der Übergangsfrist am 31. Juli 2005 können alte und neue Schreibweisen nebeneinander verwendet werden. In den einzelnen Bundesländern gilt jeweils ein etwas anderer "Fahrplan" zur Einführung der neuen Regeln. In der Übergangszeit wird aber wohl in allen Schulen gelten, dass alte und neue Schreibungen verwendet werden können, ohne dass die eine oder die andere als fehlerhaft gelten.
  1. Laut-Buchstaben-Zuordnung (einschl.Fremdwortschreibung)

  2. Getrennt- und Zusammenschreibung

  3. Schreibung mit Bindestrich

  4. Groß- und Kleinschreibung

  5. Zeichensetzung

  6. Worttrennung am Zeilenende

 

1. Laut-Buchstaben-Zuordnung (einschl. Fremdwortschreibung)

Einzelfälle mit Umlautschreibung
alte Schreibung

neue Schreibung

behende

behände (zu Hand)

belemmert

belämmert (zu Lamm)

Bendel

Bändel (zu Band)

Stengel

Stängel (zu Stange)

aufwendig

aufwendig (zu aufwenden) oder aufwändig (zu Aufwand)

Einzelfälle mit Verdoppelung des Konsonantenbuchstabens nach kurzem Vokal
alte Schreibung

neue Schreibung

Karamel

Karamell

numerieren

nummerieren

plazieren

platzieren

  1.1 Stammprinzip

Dies bedeutet, dass die gleiche Schreibung eines Wortstammes in möglichst allen Wörtern einer Wortfamilie gewährleistet sein soll. Entscheidend ist dabei, ob ein Wort im heutigen Sprachgebrauch zu einer bestimmten Wortfamilie gerechnet wird oder nicht.

1.2 ss für ß nach kurzem Vokal

Das Stammprinzip gilt auch für die Schreibung von ss, das grundsätzlich nach kurzem Vokal geschrieben wird,

z.B. Wasser / wässerig / wässrig oder müssen / er muss; besonders wichtig: aus daß wird dass!

 

1.3 Erhalt der Stammschreibung in Zusammensetzungen

Treffen in Zusammensetzungen drei gleiche Konsonantenbuchstaben zusammen (Ballett + Truppe, Ballett + Tänzer ), werden stets alle geschrieben (Balletttruppe, Balletttänzer). Ebenso bleibt auch bei der Endung -heit ein vorausgehendes -h erhalten (Rohheit zu roh, Zähheit zu zäh).

1.4 Systematisierung von Einzelfällen

  • aus rauh wird rau (wie Adjektive auf - au z.B. blau, grau, genau, schlau)

  • aus Känguruh wird Känguru (wie Gnu, Kakadu usw.)

  • dem zugrundeliegenden Substantiv auf -anz oder -enz entsprechend ist die Schreibung mit -z Hauptform (essenziell); bisherige Schreibung mit -t (essentiell) aber weiterhin Nebenform. (z.B. Potenzial/Potential usw.)

 

1.5 Eindeutschungen für manche Fremdwörter

In der Regel tritt die neue Schreibung als Nebenform zunächst neben die bisherige Schreibung, z.B. Chicorée/Schikoree; Kommuniqé/Kommunikee; Varieté/Varietee.
alt neu alt neu alt neu
Frigidaire Frigidär Katarrh Katarr Negligé Negligee
Necessaire Nessessär Panther Panter Facette Fassette
quadrophon quadrofon Joghurt Jogurt Ketchup Ketschup
Geographie Geografie Spaghetti Spagetti Waggon Wagon
Trekking Trecking Malaise Maläse Thunfisch Tunfisch

2. Getrennt- und Zusammenschreibung

Die "neue" Rechtschreibung im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung geht von der Getrenntschreibung als dem Normalfall aus.
Getrennt geschrieben wird bei Verbindungen von Substantiv und Verb wie Auto fahren / ich fahre Auto, (bisher: radfahren / aber: ich fahre Rad.
alt

neu

radfahren, aber: Auto fahren

Rad fahren

teppichklopfen / Teppich klopfen

Teppich klopfen

haltmachen

Halt machen

Ob ein Wort im konkreten oder übertragenen Sinn gebraucht wird, gilt nicht mehr als Kriterium für die Zusammen- bzw. Getrenntschreibung, stattdessen gilt konsequente Getrenntschreibung.
alt

neu

sitzenbleiben, (in der Schule)
aber:
sitzen bleiben (auf dem Stuhl)

sitzen bleiben

analog dazu auch:
alt

neu

abwärtsgehen (schlechter werden), aber: abwärts gehen (einen Weg)

abwärts gehen

nahegehen aber: nahe gehen

nahe gehen

In folgenden Fällen wird aus Gründen der Analogie zu bereits bestehenden Schreibungen getrennt geschrieben
alt neu

gefangennehmen, aber: getrennt schreiben)

gefangen nehmen

übrigbleiben, aber: artig grüßen

übrig bleiben

Bereinigt wird die Regelung in Verbindungen wie aneinander / auseinander / beieinander + Verb. Hierbei gilt fortan generell Getrenntschreibung, was ohnehin schon für viele, aber nicht für alle Einzelfälle gilt.
alt neu

aneinanderfügen, aber: aneinander denken

aneinander fügen

zueinanderfinden, aber: zueinander passen

zueinander finden

Die Schreibung der Partizipformen richtet sich immer nach der Schreibung der Infinitivformen.
alt neu

nahestehend

nahe stehend

laubtragende / Laub tragende

Laub tragende

Wie schon so viele, wie viele wird jetzt auch so viel, wie viel geschrieben.
alt neu

soviel, wieviel
aber: s
o viele und wie viele

so viel, wie viel
so viele, wie viele

Alle Verbindungen mit irgend werden - wie bisher schon irgendwer und irgendwohin - zusammengeschrieben.
alt neu

irgend etwas

irgendetwas

irgend jemand

irgendjemand

aber: irgendwer, irgendwann

4. Schreibung mit Bindestrich
Mit dem Bindestrich können unübersichtliche Zusammenschreibungen besser lesbar gemacht werden, graphisch bzw. syntaktisch nicht vereinbare Bestandteile als eine Einheit dargestellt und die Aussageabsicht des Schreibers verdeutlicht werden.
alt neu

Ichform, Ichsucht,
aber Ich-Laut

Ichform / Ich-Form

17jährig, 3tonner

17-jährig, 3-Tonner

4silbig

4-silbig

Kaffee-Ersatz

Kaffeeersatz / Kaffee-Ersatz

Für mehrgliederige Anglizismen gelten die gleichen Regeln wie für einheimische Zusammensetzungen.
alt neu

Hair-Stylist

Hairstylist / Hair-Stylist

Sex-Appea

Sexappeal / Sex-Appeal

5. Groß- und Kleinschreibung
Dem Artikelgebrauch kommt bei den Änderungen im Bereich der Groß- und Kleinschreibung entscheidende Bedeutung zu.

Substantive werden in Verbindung mit einer Präposition ( wie auf Grund, in Bezug, mit Bezug) oder einem Verb (z.B. Rad fahren, Tennis spielen) generell groß geschrieben.

alt neu

in bezug auf,
aber:
mit Bezug auf

in Bezug auf

radfahren,
aber:
Auto fahren

Rad fahren

Nur noch in Verbindung mit den Verben sein, bleiben und werden schreibt man Angst, Bange, Gram, Leid, Schuld und Pleite klein (Mir wird angst. Sie sind schuld daran. Aber: Ich habe Angst. Sie hat Schuld daran.)
alt neu

angst (und bange) machen

Angst und Bange machen

schuld geben

Schuld geben

pleite gehen

Pleite gehen

Groß geschrieben werden substantivierte Adjektive als Ordinalzahlen (z.B. der Erste und Letzte, der Nächste), den Indefinitpronomen nahe stehende Zahladjektive (z.B. alles Übrige, nicht das Geringste) sowie Adjektive in festen Wortverbindungen (z.B. im Klaren, im Folgenden, im Nachhinein) oder - bei Verwendung sowohl in wörtlicher als auch in übertragener Bedeutung - im Dunkeln tappen, im Trüben fischen.
alt neu

der, die, das letzte

der, die, das Letzte

der nächste, bitte

der Nächste, bitte

alles übrige

alles Übrige

nicht das geringste

nicht das Geringste

im großen und ganzen

im Großen und Ganzen

im allgemeinen

im Allgemeinen

es ist das beste (=am besten), wenn…

das Beste

auf dem trockenen sitzen

auf dem Trockenen sitzen

den kürzeren ziehen

den Kürzeren ziehen

Bezeichnungen für Tageszeiten werden sollen groß geschrieben werden, wenn sie in Verbindung mit heute, (vor)gestern oder (über)morgen stehen: heute Mittag, gestern Mittag, vorgestern Morgen. Als substantivische Zusammensetzung gilt die Verbindung von Wochentag und Tageszeit: am Sonntagabend (dazu das Adverb: sonntagabends).
alt neu

heute mittag

heute Mittag

gestern abend

gestern Abend

am Sonntag abend

am Sonntagabend

Sonntag abends

sonntagabends

Groß geschrieben werden Farb- und Sprachbezeichnungen in Verbindung mit Präpositionen (z.B. in Rot, bei Grün, auf Französisch, auf Deutsch).
alt neu

auf deutsch
aber:
bei Grün

auf Deutsch

Groß zu schreiben sind Paarformeln mit nicht deklinierten Adjektiven zur Bezeichnung von Personen (z.B. Arm und Reich, Jung und Alt, Groß und Klein).
alt neu

groß und klein

Groß und Klein

jung und alt
aber:
Arm und Reich

Jung und Alt

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Bei Superlativen mit aufs kann groß (aufs Beste, aufs Herzlichste) oder klein (aufs beste, aufs herzlichste) geschrieben werden.
alt neu

aufs beste

aufs beste / aufs Beste

aufs Herzlichste

aufs herzlichste / aufs Herzlichste

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Bei festen Fügungen aus Adjektiv und Substantiv wird das Adjektiv generell klein geschrieben (z.B. das schwarze Brett, die erste Hilfe, der weiße Tod). Groß geschrieben wird aber, wenn es sich um Eigennnamen, d.h. um singuläre Benennungen handelt (z.B. der Stille Ozean). Ebenso groß geschrieben werden Titel (z.B. Regierender Bürgermeister), klassifizierende Bezeichnungen in der Biologie (z.B. Roter Milan), besondere Kalendertage (z.B. Heiliger Abend) und historische Ereignisse (z.B. der Westfälische Friede).
alt neu

das Schwarze Brett

das schwarze Brett

die Erste Hilfe

die erste Hilfe

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Ableitungen von Personennamen, wie z.B. ohmsch, werden generell klein geschrieben, d.h. auch dann, wenn die persönliche Leistung gemeint ist: das ohmsche Gesetz. Der Name wird dann groß geschrieben, wenn seine Grundform betont werden soll. Dann wird die Endung mit einem Apostroph abgesetzt: die Grimm’schen Märchen.
alt neu

das Ohmsche Gesetz
aber:
der ohmsche Widerstand

das Ohmsche Gesetz

Klein geschrieben werden die vertraulichen Anredepronomina du und ihr mit ihren zugehörigen Formen (auch im Brief), während Sie und Ihr als Höflichkeitsanreden samt ihren flektierten Formen weiterhin groß zu schreiben sind.

alt neu

Du, Dein, Dir usw.
Ihr, Euer, Euch usw.
(in der vertraulichen Anrede)

du, dein, dir usw.
ihr, euer, euch usw.

 

6. Zeichensetzung
Mit und und oder verbundene Hauptsätze müssen nicht mehr durch ein Komma abgetrennt werden.
alt neu

Der Schnee schmolz dahin, und bald ließen sich die ersten Blumen sehen, und die Vögel stimmten ihr Lied an.

Der Schnee schmolz dahin und bald ließen sich die ersten Blumen sehen und die Vögel stimmten ihr Lied an.

Bei Infinitiv- oder Partizipgruppen wird ein Komma nur noch dann gesetzt, wenn sie durch eine hinweisende Wortgruppe angekündigt (1) oder wieder aufgenommen werden (2) oder wenn sie aus der üblichen Satzstruktur herausfallen (3).
  1. Darüber, bald zu einem Erfolg zu kommen, dachte sie lange nach.
  2. Bald zu einem Erfolg zu kommen, das war ihr sehnlichster Wunsch.
  3. Sie, um bald zu einem Erfolg zu kommen, schritt alsbald zur Tat.

Wenn die Gliederung des Satzes dadurch verdeutlicht oder ein Missverständnis vermieden werden kann, sollte ein Komma gesetzt werden: Sie begegneten ihrem Trainer(,) und dessen Mannschaft musste lange auf ihn warten. Ich rate(,) ihm(,) zu helfen.

Wenn nach der wörtlichen Rede oder nach der angeführten Textstelle der übergeordnete Satz folgt oder weitergeführt wird, setzt man ein Komma nach dem schließenden Anführungszeichen.

alt neu

"Wie geht es dir?" sprach er ihn an.

"Wie geht es dir?", sprach er ihn an.

"Bleib sofort stehen!" brüllte er.

"Bleib sofort stehen!", brüllte er.

7. Worttrennung am Zeilenende
Bei der Trennung der Wörter wird die bisherige Regel, st stets ungetrennt zu lassen aufgehoben. Wörter wie Wes-te, Kas-ten werden so getrennt wie bisher schon Wes-pe oder Kas-ko.
alt neu

We-ste

Wes-te

Ka-sten

Kas-ten

Das ck wird bei der Trennung nicht mehr durch kk ersetzt.
alt neu

Zuk-ker

Zu-cker

lek-ken

le-cken

Fremdwörter können nach ihrer Herkunftssprache oder nach heimischen Regeln getrennt werden.
alt neu

Si-gnal

Sig-nal

par-allel

par-allel / pa-ral-lel

Die Regelung, wonach ein einzelner Vokalbuchstabe am Wortanfang nicht abgetrennt werden darf, ist aufgehoben. Lesehemmende Trennungen sollte man vermeiden.
alt neu

Ofen (untrennbar)

O-fen

Ufer (untrennbar)

U-fer

      
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