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Jakobinismus (1789-1796)

Was heißt Freiheit?

Friedrich Lehne* (um 1792)


Wohl mir, ich bin ein freier Mann,
Nur den Gesetzen untertan.
Drum tu ich keinem Menschen je
Was ich nicht will, dass mir gescheh.
Nur bin ich jedes Menschen Feind,
Der's mit der Menschheit übel meint.
Willkommen, wer es sagen kann
Wohl mir! Ich bin ein freier Mann.

Mich stört kein Fürst, noch Fürstenknecht
Mein häuslich Glück, mein Menschenrecht.
Kein Pfaff, kein Schranze hudelt mich
Und tränkt von meinem Schweiße sich.
Ich, sei er auch noch so reich,
Ist er nur bieder, jedem gleich.

Zu oft nur tragen Übermut
Und Eigennutz den Freiheitshut;
Und mancher Bube, reif zum Rad,
Entweiht den Namen Demokrat.
Von Menschenrecht und Bürgerpflicht
Schreit mancher Aff und kennt sie nicht.
Doch wer von Freiheit schreien kann,
Ist darum noch kein freier Mann.

Wohl mir! Ich bin ein freier Mann,
Nur den Gesetzen untertan.
Trotz jedem Schuft und jedem Tor'n
Und sei er noch so hochgebor'n.
Und sei er Bischof oder Graf
Und sei er König oder Sklav.
Wohl mir! Dass ich es sagen kann,
Ich bin und bleib ein freier Mann.

(in: Walter Grab (Hg.), Freyheit oder Mordt und Todt, 1979, S.82f.)
 


Dieses Gedicht stammt von dem Mainzer Jakobiner Wilhelm Lehne und ist ca. 1792 entstanden. (Vgl. Walter Grab (Hg.), Freyheit oder Mordt und Todt, 1979, S.86f.)

   Arbeitsanregungen: 

Interpretieren Sie das Gedicht.

  1. Fassen Sie den Inhalt des Gedichts zusammen.
  2. Beschreiben Sie die äußere Form des Gedichtes.
  3. Arbeiten Sie heraus, welche Aussage das Gedicht gestaltet.
  4. Ordnen Sie das Gedicht in die Literaturepoche des Jakobinismus ein.

  

     
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