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Jakobinismus (1789-1796)

Das Erwachen der Deutschen

Anonymer Verfasser (1797)


Wo herrschten frechere Despoten?
Wo trug ein Volk so schwer wie wir?
Zu lange, Brüder! beugtet ihr
Den Nacken schimpflichen Geboten.
Voll ist der Frevel großes Buch -
Empor die kettenwunden Hände!
Das Reich der Zwingherrn hat ein Ende,
Das murrend Deutschlands Bürger trug.

Von den Ardennen finstern Gründen
Bis Wien - erzählt der Völker Fluch -
Zeigt der Geschichte blutges Buch,
Ihr Mörderfürsten, eure Sünden.
Ihr tragt der Schatten Anblick nicht,
Des Mordes grässliche Trophäen!
Ihr müsst verzweifeln und vergehen,
Verhüllt im Staub das Angesicht.

Es gaben treue Nationen
Des Volkes Macht in eure Hand;
Auf des Gesetzes Unterpfand
Begründeten sich eure Thronen.
Als Väter nach Vertrag und Pflicht,
Zu leiten nur habt ihr versprochen.
Weh euch! Ihr habt den Bann gebrochen,
Gewürgt habt ihr, geherrschet nicht.

Ihr schwelgtet in der Witwe Schätzen,
Gabt Waisen preis dem Hungertod,
Stahlt unsrer Armen letztes Brot
Und mästetet des Auslands Metzen.
An euren Schlössern fronten wir,
Ihr bautet sie mit unserm Gute,
Ihr kauftet sie mit unsern, Blute,
Ihr Mörder! Mördermäkler ihr!

(in: Walter Grab (Hg.), Freyheit oder Mordt und Todt, 1979, S.82f.)
 


Dieses Gedicht erschien 1797 in der demokratischen Zeitschrift „Die Geißel“.  (Vgl. Walter Grab (Hg.), Freyheit oder Mordt und Todt, 1979, S.82f.)

   Arbeitsanregungen: 

Interpretieren Sie das Gedicht.

  1. Fassen Sie den Inhalt des Gedichts zusammen.
  2. Beschreiben Sie die äußere Form des Gedichtes.
  3. Arbeiten Sie heraus, welche Aussage das Gedicht gestaltet.
  4. Ordnen Sie das Gedicht in die Literaturepoche des Jakobinismus ein.

  

     
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