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Jakobinismus (1789-1796)

Waffenruf an die deutschen Bürger

Friedrich Lehne (1792)


1
Es kämpft für euch des Franken Hand,
Und eure scheut das Schwert?
Scheint euer segensvolles Land
Euch nicht der Rettung wert?
Bedenkt! Wie mancher eitler Mann                            5
Verschwelgte schon sein Mark,
Und wisst! Es macht den Volkstyrann
Des Volkes Kraft nur stark.

2
Wer gab ihm über euch Gewalt?
Ihr gabt ihm sie ja nie;                                              10
Sein Name war drei Sekul'n alt;
Durch das empfing er sie.
Gezeugt in unsrer Mütter Schoß
Hieß er nicht mehr als wir;
Doch er gewann ein Fürstenlos -                              15
Und sein Gewinn ward ihr.

3
Lang trotz er auf den Söldnerschwarm,
Den euer Schweiß genährt,
Dem Vater droht des Sohnes Arm,
Den sein Despot bewehrt.                                       20
Der Sohn, der deine Stütze sein,
Dein Alter pflegen sollt',
Ist, armer Vater, lang nicht dein
Und doch in deinem Sold.

4
O Brüder! Schauet nicht zurück!                              25
Vergesst was euch entehrt!
Gerettet hat euch nun das Glück -
Macht euch des Glückes wert!
Geduldet habt ihr wie das Schaft,
Das man zur Schere zog,                                         30
Geschlummert einen Seelenschlaf,
Da man euch keck betrog.

5
Wacht auf und hört der Wahrheit Ruf!
Seid euren Vätern gleich!
Das Heil, das sich der Franke schuf,                        35
Das teilt er nun mit euch.
Wacht auf! Wacht auf! Der Rettungstag
Brach hell und sonnig an,
Das Laster floh dem Dunkel nach,
Der Tugend ward die Bahn.                                     40

6
Der Sklave nur scheut die Gefahr,
Ihr trotzt der freie Mann;
Wer nie zu wagen willig war,
Sagt, ob der je gewann?
Und waget ihr, da Gottes Hand                               45
So sichtbar euch bedeckt?
Er ist es, euch Rettung sandt',
Der euch zur Freiheit weckt.

7
Vergesst nicht eures Sieges Ziel,
Vergesst des Friedens nicht,                                    50
Den dann, wenn sein Zerstörer fiel,
Die Freiheit euch verspricht.
Einst waren eure Väter frei;
Und ihr wollt es nicht sein?
Sie fluchten stets der Tyrannei;                                 55
Und ihr wollt euch ihr weihn?

8
Ihr seid nicht deutsche Männer mehr,
Des Vaterlands nicht wert,
Trotzt ihr nicht jedem feilen Heer,
Das ein Despot bewehrt.                                         60
Wacht auf! Wacht auf! Die Freiheit winkt!
Seid euren Vätern wert!
Kämpft, bis des Lasters Götze sinkt!
Wacht auf! Und rettet euch!

(in: Walter Grab (Hg.), Freyheit oder Mordt und Todt, 1979, S.79f.)
 


   Arbeitsanregungen: 

Interpretieren Sie das Gedicht.

  1. Fassen Sie den Inhalt des Gedichts zusammen.
  2. Beschreiben Sie die äußere Form des Gedichtes.
  3. Arbeiten Sie heraus, welche Aussage das Gedicht gestaltet.
  4. Ordnen Sie das Gedicht in die Literaturepoche des Jakobinismus ein.

  

     
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