Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Jakobinismus (1789-1796)

Plattformen jakobinischer Agitation


Lesegesellschaften, Freimaurerlogen, Publizistik und das Theater stellten die wichtigsten Plattformen zur Verbreitung jakobinischen Gedankenguts dar.

  • In den einigen hundert Lesegesellschaften (Lesezirkel) des deutschsprachigen Raums, die meist schon Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden waren, entwickelte in der Revolutionszeit ein reger politischer Meinungsaustausch. Nicht zu Unrecht sahen viele Obrigkeiten in den Lesegesellschaften der Zeit politische Klubs, in denen radikale Demokraten die Wortführer waren.
  • In den Freimaurerlogen mit ihren meist über Binnengrenzen hinausreichenden Verbindungen, deren Mitglieder die meisten deutschen Jakobiner gewesen waren, konnten die Demokraten das Ideal bürgerlicher Gleichheit leben, was ihnen in der gesellschaftlichen Realität verwehrt war. So stehen diese Freimaurerbünde auch für "ein Zeichen der Schwäche des deutschen Bürgertums, das nicht imstande war, den absolutistischen Staat und die hierarchische Ständeordnung" zu beseitigen. (Walter Grab 1984, S.55)
  • Die Publizistik war das wirksamste Mittel jakobinischer Agitation. Sie hatte vier Aufgaben:

    Das volkstümliche Literaturverständnis und das Prinzip der Parteinahme bilden dabei die Grundlage der publizistischen Praxis der Literaturepoche des Jakobinismus, die sich mit ihren ästhetischen Kategorien klar von dem abstrakten Schönheitsbegriff der Weimarer Klassik abhob. Jakobinische Literatur und Publizistik ist immer operative Literatur als ein Element politischer Praxis.
    Sie weist eine große Gattungsvielfalt auf und reicht von schwer verständlichen staatstheoretischen Werken bis zu satirischen Romanen, Zukunftsutopien, Reisebeschreibungen, Agitationsbroschüren, kritischen Kommentaren zum Zeitgeschehen und allen Formen politischer Gebrauchsliteratur wie Anschlagzettel, Flugblätter u.ä. (vgl. Walter Grab 1984, S.57; Haasis 1988, Bd.1, S.188 (»Haasis, Politische Gebrauchsliteratur)  Inge Stephan 1982, S.170 » Stephan, Die jakobinische Literaturpraxis)

  • Das Theater war angesichts des weit verbreiteten Analphabetismus ein sehr wirksames Mittel zur Aufklärung der unteren Schichten und zur Verbreitung jakobinischer Ideen. Das »Bürger-National-Theater« in Mainz zur Zeit der Mainzer Republik 1792/93 spielte eine ganze Reihe revolutionärer Stücke, die Themen auf die Bühne brachten, mit denen sich die Mainzer Jakobiner auseinander zu setzen hatten.

Neben diesen mehr öffentlichen Plattformen für die jakobinische Agitation darf aber nicht übersehen werden, dass die meisten Jakobiner unter der Verfolgung durch die Obrigkeiten zu leiden hatten.
"Da sich manche Verleger aus Furcht vor der Obrigkeit weigerten, demokratische Schriften herauszugeben, waren die Jakobiner oft genötigt, ihre Schriften illegal zu verbreiten. Eine Reihe von Aufrufen und Revolutionsgedichten liegen nur handschriftlich vor. Zahlreiche Streiter für ein demokratisches Deutschland mussten mit geschlossenem Visier auf den Schauplatz treten und ihre Schriften anonym oder pseudonym und unter Angaben von falschen und fingierten Druckorten erscheinen lassen." (vgl. Walter Grab 1984, S.58f.)
 

Center-Map ] Überblick ] Barock ] Aufklärung ] Sturm und Drang ] Jakobinismus ] Klassik ] Naturalismus ] Textauswahl ]
  

          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de