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Barock 1600 - 1720

Bilderwelt und Emblematik

Urs Herzog (1979)


Das 17. kann ein „emblematisches“ oder allegorisches Jahrhundert insofern heißen, als überall, wo im eigentlichen wie im übertragenen Sinne bildlich gesprochen wird, von einem riesigen Fundus fest vorgeprägter Bilder ausgegangen wird. Und zwar im Bereich des Geistes [...] wie im täglichen Leben, im privaten und im öffentlichen. Wo einer steht und geht im 17. Jahrhundert, wird er mit dieser Bilderwelt vertraut gemacht wie mit einer Sprache, ohne die er gesellschaftlich ausgeschlossen wäre. Die mit solchen Bildern, mit Emblemen und Allegorien, beruflich zu tun haben – die Dichter, Theologen, Redner und Prediger und alle Künstler – können auf die Lexika zurückgreifen, in denen dieser aus vielen Quellen geschöpfte Bilderschatz endlos verzeichnet, systematisiert und damit handlich gemacht erscheint. Anders als in nach-emblematischer Zeit, da zum Begriff ein je eigenes, ungewohntes, wenn nicht überhaupt neues Bild oder Symbol gefunden sein möchte – das gängige altbekannte: die „Rosen“ der Liebe, die „Flammen“ des Herzens, das „Schiff“ des Staates ... ist verpönt -, anders hält sich die barocke Erfindung an das Vorgegebene, bedient sich des ‚mundus symbolicus‘ und aller übrigen Lexika, hält sich an die Regeln, nach denen Emblem und Allegorie zu behandeln sind, und bewährt ihre Güte so, dass sie Altes und Tradiertes neuartig wiederholt, dabei möglichst „witzig“ überraschend.
Emblematik ist im 17. Jahrhundert ein bildersprachliches System, als solches wie eine zweite, eine Fremdsprache lernbar. Vor Fassaden, in barocken Schlössern und Kirchen mit ihren Devisen, Allegorien und emblematischen Programmen stehen wir ratlos. Uns sind das „Hieroglyphen“, nicht mehr zu lesen. Der barocke Betrachter aber war eingeweiht. [...]
Wie das Lesen der Bilder wird erst recht deren dichterischer Gebrauch gelernt und geübt, sei das auf der Schule, sei es, wie Harsdörffer vorschlägt, in Form eines „Gesprächspiels“, zum Beispiel eines solchen: „Ein Teilnehmer der Runde fragt den nächsten nach einer Sache. Dieser muss mit einer Bestimmungsmethapher darauf antworten und den folgenden seinerseits nach einer neuen Sache Frage und so reihum. Es ist ein leichtes Spiel. So fragt der eine: ‚Was ist der Mensch?‘. Der andere antwortet: ‚Ein Spiegel‘ und fragt den nächsten: ‚Was ist der Krieg?‘ und erhält zur Antwort: ‚Ein Wolf‘. [...]
Dass von der Bildlichkeit, die derart zustande kommt, „Stimmung“ und etwas „Seelisches“ ausginge,, erwartet niemand. Der gesuchte Reiz ist ein intellektueller, er liegt in der novitas des Details und im Arrangement der Teile.

(aus: Herzog 1979, S.92-94, gekürzt)
 

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Arbeiten Sie heraus, welchen Stellenwert die Bilderwelt für die Menschen im Barockzeitalter gehabt hat.
  2. Erläutern Sie dabei auch die Aussagen des letzten Satzes.
     
 
     
 
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Kurzbeschreibung
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