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Barock 1600 - 1720

Barockes Lebensgefühl als eine Erfahrung der Zeit

Urs Herzog (1979)


Vanitas, Vergänglichkeit ist das Kennwort der Epoche. Während der barocke Absolutismus für die Ewigkeit sich einzurichten anschickt, ist alles verstört von der jähen Flucht der Zeit. [...]
Wenn barockes Lebensgefühl irgend zu bestimmen wäre, dann am ehesten als eine Erfahrung der Zeit, des Vergänglichen, Transitorischen und Nichtigen aller Erscheinung in de Zeit, wie sie in dieser obsessiven Form kein anderes Jahrhundert gemacht hat. Aber auch und eben davon, von diesem stärksten Erlebnis, wird anders als rhetorisch gebrochen nicht geredet. Das Erlebnis erscheint reflektiert und anders nicht. [...]
Barocke Kunst, auch die rhetorisch dichterische, ist nicht kalt. Aber sie ist und bleibt in dem Sinne rhetorisch, als Gefühl und Pathos nicht unvermittelt spontan sich äußern, sondern immer nur geregelt, kunstvoll, diszipliniert und sublimiert ... als man eben "künstlich weint", wie man künstlich lacht, und der "Wiz" spricht und der Verstand angesprochen wird, während ganz anders für lyrische Lyrik das Gefühl letzte Instanz ist. [...]
Als Vers ist der auf Spruch und Widerspruch angelegte "zweischenklichte" Alexandriner der Favorit der Zeit, als Gedichtformen sind es das Epigramm und das Sonett [...] Für das Epigramm, den Zwei- und Vierzeiler, [...] spricht die Kürze, die brevitas der Form als äußerste Zucht des Denkens zur Quintessenz letzter Sätze (paradoxer "Gegensätze).
Das Sonett empfiehlt sich mit seinem Aufbau, der in barocker Theorie und Praxis für eine dialektisch-logische Argumentation als geradezu ideal geeignet angesehen wird. [...] Das Sonett ist eine derart genuin barocke Gedichtform, dass es nur folgerichtig erscheint, wenn es mit dem Ende der Epoche um 1700 fast plötzlich außer Kurs gerät.

(aus:  Herzog 1979, S.100-105, gekürzt)
     

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Erläutern Sie, was nach Ansicht des Autors das barocke Lebensgefühl kennzeichnet.
  2. Zeigen Sie, wie dieses Lebensgefühl in der Barocklyrik verarbeitet wird.
  3. Zeigen Sie dies an verschiedenen Beispielen auf (s. Textauswahl)
     
 
     
 
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