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Barock 1600 - 1720

Barocklyrik als geübtes Handwerk

Max Wehrli (1962)


Das Verständnis barocker Lyrik scheitert immer wieder daran, dass der Sinn barocker Form verkannt wird. Die klassische Lyrik des Deutschen, d.h. Goethes und der Romantik, bietet das Gedicht als Aussprache inneren Lebens und die Form als lebendige Oberfläche individuellen Bekenntnisses. Seit dem 18. Jahrhundert muss sich die Barockdichtung immer wieder den Vorwurf des Schwulstes gefallen lassen, wird sie als tote Rhetorik, als das Produkt einer oft närrischen Regelpoetik bezeichnet. In der Tat: barocke Dichtung beginnt bei der Form, sie ist geübtes Handwerk, dekoratives, repräsentatives Hantieren mit oft konventionellen Bestandteilen. Sie ist spielerisch, ja oft schauspielerisch und marktschreierisch. Verfolgt man den 'Ursprung' eines Gedichts, so stößt man nicht auf ein 'Erlebnis' (bzw. ein solches ist nicht zu belegen), sondern auf ein literarisches Vorbild. Barocke Lyrik ist mit wenigen Ausnahmen unheilbar rhetorisch und man verfehlt ihr Wesen, wenn sich nur an die schlichten Gebildes des Kirchenliedes oder des Spruches hält.
  

(aus: Max Wehrli 1962, zit. n. Braak 1979, S.13f..)
     

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Wie begründet der Autor die rhetorische Grundhaltung barocker Lyrik?
  2. Zeigen Sie an verschiedenen Beispielen diese rhetorische Grundhaltung auf (s. Textauswahl)
     
 
                      
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