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In einer dunklen Nächte

Quirinus Kühlmann (1651-1689)


 

 

In einer dunklen Nächte

 

Als Liebesangst beflammend mich durchwerkt,

 

O Fall vom Glücksgeschlechte!

 

Entkam ich, allen unbemerkt,

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Da schon mein Haus die Still und Ruh verstärkt.

 

 

 

Im Dunkeln, doch satt sicher,

 

Die Treppen war’n geheim und ich verkleidt,

 

O Fall vor Glückesbücher!

 

Das Finstre gab Verhohlenheit,

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Da schon mein Haus gestillt zu dieser Zeit.

 

 

 

In jener Nacht voll Segen,

 

In dem geheim, da keiner mich erblickt,

 

Noch ich sah was bewegen,

 

Da alles Licht und Alls entrückt,

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Ohn das im Herz auslodernd mich beglückt:

 

 

 

O lebend Liebesflamme,

 

Du lieblichst triffst den tiefsten Seelengrund!

 

Nun bäumst du sanft im Stamme!

 

Ei, Lieber, mach das Ende kund!

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Reiß das Geweb im süßen Anlaufsrund!

 

 

 

O lieblichzartes Brennen!

 

O sanfte Hand! O überzarter Griff!

 

Er schmeckt ein ewig Kennen,

 

Löst alle Schuld, die mir nachlief!

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Du tötst den Tod, durchlebst ihn ewigtief.

 

 

 

O feur’ge Lampenfeuer!

 

In deren Glanz die tiefsten Sinngrüft licht!

 

Vor dunkle Nachtgeheuer,

 

Nun voll gewohnter Prachtgesicht!

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Ihr Hitzlicht strahlt dem Liebsten gleicher Pflicht.

 

 

 

Wie sanftmutvoller Liebe

 

Erwachst du mir, Geheimster, auf dem Schoß?

 

Welch süß’ste Atemtriebe?

 

Voll Guts und Ehr, die sinnenlos!

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Entzündst du so? Ich sink auf dich, mir bloß.

 

(Auszug aus dem "62. Kühlpsalm", zit. n. Lahnstein 1974, S. 36)

 

 
   
   Arbeitsanregungen:

Interpretieren Sie das Gedicht von Quirinus Kühlmann (1651-1689)

  1. Geben Sie den Inhalt des Gedichtes wieder.
  2. Zeigen Sie, welche sprachlich-stilistischen Mittel der Autor zur Gestaltung der Aussage des Gedichtes  verwendet.
  3. Zeigen Sie, welche Elemente barocken Denkens in dem Gedicht zum Ausdruck gebracht werden.

  

 
  
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