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Rezeptionsästhetisches Modell

Unbestimmtheitsstellen


Schon aus »Roman Ingardens (1893-1970) im Jahre 1931 erschienen Werk »Das literarische Kunstwerk« stammt die Kategorie der Unbestimmtheitsstelle, von der »Wolfgang Iser bei seiner Konstanzer Antrittsvorstellung im Jahre 1969 den Leserbezug des literarischen Werkes ableitet. Roman Ingardens Theorie der Werkerfassung in Konkretisation und Rekonstruktion stellt aber einen eigenen von der Phänomenologie Edmund Husserls bestimmten Ansatz dar, der nur in manchem gemeinsame Grundzüge mit der Konstanzer Schule der Rezeptionsästhetik besitzt.
  • Unbestimmtheitsstellen ergeben sich nach Ingarden aus der Aspekthaftigkeit intentionaler Gegenstände, zu denen literarische Texte zählen. In diesen kommen keine wirklichen, sondern nur vorgestellte (intentionale) Objekte zur Darstellung.

  • Diese Objekte können nur in einzelnen Aspekten dargestellt werden,  werden unter bestimmten Perspektiven entfaltet und bleiben damit im Vergleich zu realen Objekten "lückenhaft". Anders gesagt: Die dargestellten Objekte (Gegenstände, Figuren, Geschehnisse usw.) sind in einem Text niemals allseitig bestimmt, sondern immer nur teilbestimmt.

  • Die Stellen, an denen das "Fehlen von etwas" festgestellt werden kann, bezeichnet man als "Unbestimmtheitsstellen". 

  • Unbestimmtheitsstellen bringen den Leser in eine "aktive" Rolle bei der Herstellung der Sinnbildung, in dem sie ausgehend von suggestiven Textstrukturen zur Schließung dieser Lücken anhalten können (Komplettierungsnotwendigkeit). 

  • Erst durch die Konkretisationsleistungen des aufnehmenden Bewusstsein des Lesers entfaltet der literarische Text seine Wirkung.
    Unbestimmtheitsstellen sind nicht die "Lücke im Schema, die der Leser mechanisch ausfüllt", sondern "Ausgangspunkt für eine produktive Tätigkeit" (Zima 1995, S.255)

  • Literarische Texte können aufgefasst werden als Partituren, "die ohne die bedeutungsprozierende Interpretation des Lesers ohne Sinn bleiben müssen" (Lensch 2000, S.30)

 

 

     
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