Neben dem dekonstruktivistisch fundierten •
Ansatz von Julia Kristeva
ist es vor allem die »Diskursanalyse
»Michel Foucaults
(1926-1984), die die »poststrukturalistische
Auffassung von Intertextualität begründet und weiterentwickelt hat.
Dabei
steht der • Diskursbegriff
im Zentrum, den Foucault in seinen Schriften selbst
freilich "bewusst uneinheitlich verwendet hat" (Köppe/Winko
(2008, S.99), indem er "eine weite, unklare und eine engere,
wissensoziologische Begriffsverwendung" (ebd.)
vorgab.
Titzmann
(1991, S.406, zit. n.
ebd.,
S.101) hat als kleinsten gemeinsamen Nenner für den mittlerweile inflationär
verwendeten Begriff "Diskurs" folgende Definition formuliert, die wir hier
in der Fassung von
Köppe/Winko
(2008, S.101) wiedergeben:
"Unter »Diskurs« wird ein »System des Denkens
und Argumentierens« verstanden, das durch einen gemeinsamen
»Redegegenstand«, durch »Regularitäten der Rede« und durch »Relationen zu
anderen Diskursen« bestimmt ist."
Daraus folgt, so
Köppe/Winko
(2008, S.101), dass Diskurse "also keine Einzeltexte oder Textgruppen
(sind), sondern Komplexe, die sich aus Aussagen und den Bedingungen und
Regeln ihrer Produktion und Rezeption in einem bestimmten Zeitraum
zusammensetzen." Ob ein Text zu einem Diskurs gehört oder nicht, hängt dabei
davon ab, ob er die Regeln des Diskurses befolgt und "zum spezifischen Thema
des Diskurses Wissenselemente" beiträgt. (Baasner
2005, S,137)
Diskursanalytisch gesehen sind Texte "»Knotenpunkte« im Netz
verschiedener Diskurse" (Köppe/Winko
(2008, S.102), die keine festen Grenzen haben und nicht auf eine
außertextliche Wirklichkeit verweisen, "sondern auf Sprache, mithin auf
andere Texte und Diskurse" (ebd.),
die allein den (intertextuellen) Kontext darstellen, den die
Diskursanalyse berücksichtigt. Literarische Texte haben in einem Diskurs
"nichts spezifisch Literarisches, sondern sind beliebige Texte, die sich
einem Thema widmen." (Baasner
2005, S.143)
Entsprechend geht es bei der Diskursanalyse auch nicht
darum, quasi über die Hintertüre "durch Einbettung in einen geeigneten
Kontext »die Bedeutung« eines Textes interpretativ zu erschließen." (Köppe/Winko
2008, S.104)
Stattdessen ordnet die literaturwissenschaftliche
Diskursanalyse "die Inhalte literarischer Texte in thematisch verbundene
Kontexte ein und bestimmt so ihre Abhängigkeit oder ihre Abgrenzung von
vorhandenen Diskursen". (Baasner
2005, S.146)
Indem Texte bzw. "Textpassagen durch die Identifikation relevanter Diskurse
in einen erhellenden historischen Bezug gestellt werden und Verbindungen
aufgezeigt, die zwischen Figuren, Bildern oder Handlungselementen in einem
oder mehreren literarischen Texten und zeitgenössischen diskursiven
Einheiten bestehen" (ebd.),
lässt sich "z. B. die Abhängigkeit der literarischen Texte von bestimmten
zeitgenössischen Diskursen belegen." (ebd.)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
17.02.2025