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Dispositiv

Der Begriff des Dispositivs

« Antihermeneutische ModelleDiskursanalytisches Modell Einzelne Begriffe und Konzepte (Foucault)

 
Fachbereich Deutsch
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Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse

teachSam-Playlist: Michel Foucault und die Macht
Cornelia Mooslechner-Brüll: Diskurs, Macht, Dispositiv (27:38)
Walter Ziegler: Foucault in 60 Minuten (YouTube: 56:36)

Setzt man den Begriff des • Dispositivs in Beziehung zu »Michel Foucaults (1926-1984) Ausführungen über den • Diskurs, die • Macht und das Wissen, dann kann man in der • Dispositivanalyse "eine um Aussagen auf zusätzlichen Ebenen erweiterte Form der Diskursanalyse" (Dreesen/Kumiega/Spieß 2012, S.11) ansehen.

Um sich den Unterschied zwischen • Diskursivem und Nicht-diskursivem, der nicht so einfach zu ziehen ist, zu verdeutlichen, kann man z. B. darauf zurückgreifen, was uns das • "Gefühl des ›Frau- oder Mann-Seins‹“ (Gille 2012, S.174.) vermittelt, ohne das wir es sprachlich ausdrücken müssen.

Ein anderes Beispiel ist das Dispositiv vom "guten Amerikaner", das, wie der amerikanische Soziologe »Erving Goffman (1922-1982) (1975) darlegt, das Zusammenwirken von Gesagtem und Ungesagten in Foucaults Dispositivbegriff gut verdeutlicht: "[…] es (gibt) in einem gewichtigen Sinn nur ein vollständig ungeniertes und akzeptables männliches Wesen in Amerika: ein junger, verheirateter, weißer, städtischer, nordstaatlicher, heterosexueller, protestantischer Vater mit Collegebildung, voll beschäftigt, von gutem Aussehen, normal in Gewicht und Größe und mit Erfolgen im Sport […]. Jeder Mann, der in irgendeinem dieser Punkte versagt, neigt dazu, sich – wenigstens augenblicksweise – für unwert, unvollkommen und inferior zu halten." (Goffmann 1975, S.15, zit. n.  Ziegler 2019, S.62)"

Der Begriff des Dispositivs

Der Begriff des Dispositivs wird im Diskurs über Foucault gebraucht, ohne dass es für diese Verwendung eine gültige Übersetzung aus dem Französischen ins Deutsche gibt.

Im Allgemeinen bedeutet Dispositif in der französischen Sprache etwa eine einzelne Vorrichtung, ein Gerät oder auch eine Apparatur, kann aber auch als ensemble de mesures eine Reihe bzw. ein Ensemble von Maßnahmen bezeichnen ( z. B. Sicherheitsvorrichtungen für eine eine Veranstaltung (dispositif de sécurité (pour un évènement) oder Maßnahmen, die die Verteidigungsbereitschaft ausmachen (dispositive de defénse).

Da diese Vieldeutigkeit des französischen Begriffs durch eine geeignete deutsche Übersetzung offenbar nicht zu erreichen ist, sind die verschiedenen Ansätze der Dispositivanalyse, die sich "um allgemein-theoretische und vor allem methodologische Fragen bezüglich der Operationalisierung des foucaultschen Dispositivbegriffs" (ebd., S.16) kümmern, immer wieder damit beschäftigt, ihr jeweiliges Verständnis des Begriffs zu definieren. Dabei wird immer wieder zwischen • Dispositivanalyse und Analyse von Dispositiven unterschieden.

Walther Ziegler (2019, S.93) hat sich in seiner verständlichen Darstellung des Denkens »Michel Foucaults (1926-1984) dem Begriff von einer alltagssprachlichen Seite genähert. Frei von terminologischen Zwängen der Dispositivanalyse macht er auf die Wortzusammensetzung des Begriffs aufmerksam, die aus ›dis‹ und ›positiv‹ besteht. Die Vorsilbe ›dis‹ verweist wie in anderen Wörtern wie z. B. Disharmonie oder Diskrepanz auf etwas, was nicht zu dem Feststellbaren (= ›positiv‹ in seiner wissenschaftlichen Verwendung) passt.

Foucaults Definition des Dispositivs

Auch Foucault hat den Begriff des Dispositivs in einer vielzitierten • Realdefinition bestimmt, in der er die Elemente angibt, die den Begriff konstituieren.

Ein Dispositiv ist danach

»[...] ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes" umfasst. Und: "Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.« (Foucault 1978, S.119f., Hervorh. d. Verf.)

Die Unterscheidung von Gesagtem und Ungesagtem, die beide ein bestimmtes Dispositiv konstituieren, bedeutet hier, dass es bestimmte Regelungen in diesem Ensemble gibt, die in mehr oder weniger klar explizierter Form vorliegen (z. B. Gesetze oder Verordnungen) und Regelungen, denen wir folgen, ohne dass ihr Vorhandensein letzten Endes ausgesprochen werden muss, weil wir sie internalisiert haben.

In eine verständliche Sprache "übersetzt", ist, so Ziegler (2019, S.61), das Dispositiv "die Gesamtheit aller Vorentscheidungen, innerhalb derer sich unser Leben entfaltet." Es stehe als "das Epizentrum einschränkender und machtvoller Vorgaben"  "wie eine unsichtbare Hand hinter allen sichtbaren und empfundenen Zwängen" und speise sich aus einem "Netzwerk von Institutionen, Traditionen und Wissensformationen" (ebd., S.93)

Oder, "stark vereinfacht kann man sich ein Dispositiv als eine Reihe von sprachlichen wie auch außersprachlichen Maßnahmen vorstellen, mit denen das in den Diskursen gespeicherte ›Macht-Wissen‹ in die ›Wirklichkeit‹ übersetzt wird." (Eggler 22023, S.38, Kindle Edition) Dabei kann das ›Macht-Wissen‹ sich in sozialen, administrativen oder architektonische Maßnahmen niederschlagen, kann z. B. als • Disziplinardispositiv in der Schule die Sitzordnung im Klassenzimmer oder auch die Schuluniform betreffen.

So umfasst, wie Gille (2012, S.169) betont, "Das Dispositiv im Sinne Foucaults umfasst eine große Zahl an höchst heterogenen Elementen, wie Diskurse, Institutionen, wissenschaftliche Aussagen und philosophische Lehrsätze, die netzartig miteinander verwoben sind und grundsätzlich einer strategischen Funktion folgen". Daraus ergäben sich für eine kritische Medienanalyse sich, im Vergleich zu einer reinen Diskursanalyse neue und erweiterte Perspektiven aus einer Dispositivanalyse vor allem im Hinblick auf eine umfassendere Analyse von Macht- und Herrschaftsstrukturen. Sie konzentriere sich auf das Zusammenwirken der heterogenen Elemente und damit auf die strategische Funktion des Dispositivs, die Machtstrukturen errichten, festigen, hinterfragen und verändern könne. Die netzartige, produktive Struktur der Macht, wie sie sich Foucault vorstelle, organisiere die Ausübung der Macht "vor allem durch die diskursive Produktion von Wahrheiten und zeichnet sich durch ihre Positivität und Produktivität aus, die Effekte und Materialitäten erzeugt sowie Wissen hervorbringt (vgl. Bublitz 2003: 59)."

Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse (Foucault)

Allianzdispositiv der Souveränitätsmacht

Alltags- und bildungssprachlicher Diskursbegriff

Akteure

Analyse von Dispositiven

Archäologische Methode zur Analyse der Wissensordnungen (Episteme)

Archäologisches Vorgehen

Archiv

Aussage(n)

Aussagensystem

Ausschlussmechanismen

Autor

Biopolitik

Biomacht

Diskursbegriff

Diskursexterne Ausschlussprozeduren

Diskursive Praktiken

Diskursiver Wandel

Diskursive Ereignisse

Diskursive Formation

Diskursspezifisches Wissen

Diskurs über Geschlechterbinarität

Dispositiv

Dispositivanalyse

Dispositive der Macht

Dispositiv vom "guten" Amerikaner

Disziplinarmacht und Disziplinargesellschaft

Einzeltextanalyse

Episteme

Genealogie
Gesagtes und Ungesagtes

Gesetzesmacht

Gouvernementalität

Grunddimensionen des diskursiven Regelsystems

Hermeneutischer Zirkel

Horizontverschmelzung

Juridisch-diskursive Machtkonzepte

Klassifikationen

Kontrollgesellschaft

Materialität von Aussagen

Macht-Wissens-Komplexe

Macht und Herrschaft

Medialiät der Diskurse

Normalisierungsmacht

Oberfläche

Polymorphe Techniken der Macht

Praxen

Produktive Seite der Macht

Repressionshypothese

richtiges/falsches Bewusstsein

Sagbarkeitsregeln

Schicht des konstitutiven historischen Wissens

Schwelle der Epistomologisierung

Souveränitätsmacht

Wissen und Ideologie

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

  

 
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