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Einzelne Dispositive

Das Sexualitätsdispositiv

« Diskursanalytisches Modell Einzelne Begriffe und Konzepte (Foucault) Dispositiv

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
LiteraturAutorinnen und Autoren Literarische Gattungen Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Überblick Hermeneutische Modelle Antihermeneutische Modelle Überblick Dekonstruktivistisches Modell Diskursanalytisches ModellÜberblickAlltags- und bildungssprachlicher Diskursbegriff Diskursanalytischer Textbegriff Die Medialität der Diskurse Einzelne Begriffe und Konzepte (Foucault) Überblick Diskurs Dispositiv Überblick Der Begriff des Dispositivs Strategische Funktion Dispositivanalyse und Analyse von Dispositiven [ Einzelne Dispositive Überblick Panoptisches Dispositiv / Panoptismus Das SexualitätsdispositivDispositiv der Selbstinszenierung in sozialen NetzwerkenDas Disziplinardispositiv der Schule und seine Hilfsdispositive Andere Dispositive ] Macht und Wissen Sozialdisziplinierung und Disziplinargesellschaft Körper und Subjekt   Diskursanalyse in der Praxis Fragen und Antworten (KI) Intertextualität Kontextuelles ModellSonstige Modelle Literatur und Stil Textauswahl Literaturunterricht Schreibformen  Operatoren im Fach Deutsch
 
 

 

Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse (Foucault)

Alltags- und bildungssprachlicher Diskursbegriff

Akteure

Analyse von Dispositiven

Archäologische Methode zur Analyse der Wissensordnungen (Episteme)

Archäologisches Vorgehen

Archiv

Aussage(n)

Aussagensystem

Ausschlussmechanismen

Autor

Biopolitik

Biomacht

Diskursbegriff

Diskursexterne Ausschlussprozeduren

Diskursive Praktiken

Diskursiver Wandel

Diskursive Ereignisse

Diskursive Formation

Diskusspezifisches Wissen

Diskurs über Geschlechterbinarität

Dispositiv

Dispositivanalyse

Dispositive der Macht

Dispositiv vom "guten" Amerikaner

Disziplinarmacht und Disziplinargesellschaft

Einzeltextanalyse

Episteme

Genealogie
Gesagtes und Ungesagtes

Gesetzesmacht

Gouvernementalität

Grunddimensionen des diskursiven Regelsystems

Hermeneutischer Zirkel

Horizontverschmelzung

Juridisch-diskursive Machtkonzepte

Klassifikationen

Kontrollgesellschaft

Materialität von Aussagen

Macht-Wissens-Komplexe

Macht und Herrschaft

Medialiät der Diskurse

Normalisierungsmacht

Oberfläche

Polymorphe Techniken der Macht

Praxen

Produktive Seite der Macht

Repressionshypothese

richtiges/falsches Bewusstsein

Sagbarkeitsregeln

Schicht des konstitutiven historischen Wissens

Schwelle der Epistomologisierung

Souveränitätsmacht

Wissen und Ideologie

Macht hat, wie »Michel Foucaults (1926-1984) sie versteht, nicht per se etwas mit Unterdrückung zu tun, wie er am Beispiel des Diskurses über die Sexualität und an dem  Sexualitätsdispositiv in verschiedenen Zeiten zeigt.

Die allseits beliebte, weil angeblich so evidente • Repressionshypothese, die davon ausgeht, dass seit dem 17. Jahrhundert ein "System der Unterdrückung des Sexes" (Foucault 1983/192012, S.17) stattgefunden habe, das bis in die Gegenwart anhalte, wird als "das Regime von Macht – Wissen – Lust" (ebd., S.18) aufgefasst, "das unserem Diskurs über die menschliche Sexualität unterliegt." (ebd.)

Statt der • Repressionshypothese zu folgen, interessiert »Foucaults, die "»Diskursivisierung des Sexes"«. Dabei geht es ihm um die Frage, "in welchen Formen, durch welche Kanäle und entlang welcher Diskurse die Macht es schafft, bis in die winzigsten und individuellsten Verhaltensweisen vorzudringen, welche Wege es ihr erlauben, die seltenen und unscheinbaren Formen der Lust zu erreichen, und auf welche Weise sie die alltägliche Lust durchdringt und kontrolliert". (ebd.) Dazu müsse man die "»polymorphen Techniken der Macht«" (ebd.) erforschen.

Das Sexualitätsdispositiv ist dabei neben dem Panoptischen Dispositiv / Panoptismus das prägnanteste Beispiel dafür, wie Konstellationen von Macht und Wissen arbeiten und funktionieren. (vgl. Kammler 2014, S.306) Natürlich ist schon der Begriff selbst gewöhnungsbedürftig, aber "stark vereinfacht kann man sich ein Dispositiv als eine Reihe von sprachlichen wie auch außersprachlichen Maßnahmen vorstellen, mit denen das in den Diskursen gespeicherte ›Macht-Wissen‹ in die ›Wirklichkeit‹ übersetzt wird." (Eggler 22023, S.38, Kindle Edition) Dabei kann das ›Macht-Wissen‹ sich in sozialen, administrativen oder architektonische Maßnahmen niederschlagen, kann z. B. als • Disziplinardispositiv in der Schule die Sitzordnung im Klassenzimmer oder auch die Schuluniform betreffen.

Auch Foucault hat den Begriff des Dispositivs in einer vielzitierten • Realdefinition bestimmt, in der er die Elemente angibt, die den Begriff konstituieren.

Ein Dispositiv ist danach

»[...] ein entschieden heterogenes Ensemble, das Diskurse, Institutionen, architekturale Einrichtungen, reglementierende Entscheidungen, Gesetze, administrative Maßnahmen, wissenschaftliche Aussagen, philosophische, moralische oder philanthropische Lehrsätze, kurz: Gesagtes ebenso wohl wie Ungesagtes" umfasst. Und: "Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.« (Foucault 1978, S.119f., Hervorh. d. Verf.)

Die Unterscheidung von Gesagtem und Ungesagtem, die beide ein bestimmtes Dispositiv konstituieren, bedeutet hier, dass es bestimmte Regelungen in diesem Ensemble gibt, die in mehr oder weniger klar explizierter Form vorliegen (z. B. Gesetze oder Verordnungen) und Regelungen, denen wir folgen, ohne dass ihr Vorhandensein letzten Endes ausgesprochen werden muss, weil wir sie internalisiert haben.

Ein Beispiel dafür welche Rolle das herrschende Sexualdispositiv heute spielt, hat Annette S. Gille (2012) am Beispiel der "Konstruktion von sex, gender und desire in Angeboten des Reality-TV" untersucht. In ihrem Fokus steht dabei "vor allem das Zusammenwirken der heterogenen Elemente und somit die strategische Funktion des Dispositivs, die Machtstrukturen errichten, festigen, hinterfragen und verändern kann." Dazu analysiert sie bei den so genannten Dating-Shows, vor allem das Geschlechts- und das Sexualitätsdispositiv. Sie fragt danach,"welche Elemente diese Dispositive im Hinblick auf ihre strategische Funktion beinhalten, wie diese auf spezifische Weise zusammenwirken und Machtstrukturen ausbilden, verwerfen oder modifizieren und inwiefern diese Strukturen sich innerhalb der TV-Angebote für Adoleszente manifestieren." (Dreesen/Kumiega/Spieß 2012S.19f.)

Dabei bezieht sie auch auf nicht- oder nicht mehr diskursive Elemente wie Körperfahrungen "›als Frau‹ oder ›als Mann‹ bzw. das Gefühl des ›Frau-‹ oder ›Mann-Seins‹, die nicht mehr als diskursive Effekte, sondern als unmittelbare Erfahrungen wahrgenommen werden und als solche ›in Fleisch und Blut‹ übergegangen und entsprechend nicht mehr diskursiv verhandelbar sind. Letztlich handelt es sich hierbei jedoch um sedimentierte Diskurse einer diskursiv-performativ konstruierten Geschlechterbinarität, die normativ über eine entsprechende Performanz und beständige Wiederholung der zugrunde liegenden Normen hergestellt werden muss. Die zu erreichende Norm und das zugehörige Ideal sind dabei lediglich Phantasmen, Vorstellungen, zu denen kein Original existiert (vgl. Butler 2003: 155-159). Das ständige Zitieren und Wiederholen der zweigeschlechtlichen Norm ist dabei bereits ein Indiz für die Brüchigkeit des Konstrukts" (Gille 2012, S.174.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.03.2026

    
 

 
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