
"Prägnante Beispiele konkreter Konstellationen des
Macht-Wissens sind das Sexualitätsdispositiv (vgl.
WW) oder das
in Überwachen und Strafen untersuchte »panoptische Dispositiv«
(vgl. ÜS, 251–292)." ) (Kammler
2014, S.306)
"Annette S.
Gille (Frankfurt am Main) widmet sich dem Medium Fernsehen
aus sozialwissenschaftlicher Perspektive. In ihrem Beitrag „Von
der Diskurs- zur Dispositivanalyse: Die Konstruktion von sex,
gender und desire in Angeboten des Reality-TV“ geht sie zunächst
theoretisch und dann praktisch an das Dispositiv heran, um
Strategien der netzartigen heterogenen Elementen nachweisen zu
können. Für eine kritische Medienanalyse, so Gille, ergeben sich
aus einer Dispositivanalyse, im Vergleich zu einer reinen
Diskursanalyse, neue und erweiterte Perspektiven: Im Fokus steht
vor allem das Zusammenwirken der heterogenen Elemente und somit
die strategische Funktion des Dispositivs, die Machtstrukturen
errichten, festigen, hinterfragen und verändern kann. In Bezug
auf die Angebote des Reality-TV, speziell der so genannten
Dating-Shows, sind insbesondere zwei Dispositive zu analysieren,
nämlich das Geschlechts- und das Sexualitäts- dispositiv.
Gefragt wird folglich, welche Elemente diese Dispositive im
Hinblick auf ihre strategische Funktion beinhalten, wie diese
auf spezifische Weise zusammenwirken und Machtstrukturen
ausbilden, verwerfen oder modifizieren und inwiefern diese
Strukturen sich innerhalb der TV-Angebote für Adoleszente
manifestieren. Mit diesem Fokus führt Gille eine exemplarische
Analyse des Materials durch." (Dreesen/Kumiega/Spieß
2012S.19f.)
"Nicht oder nicht mehr diskursiv sind hingegen
Körpererfahrungen „als Frau“ oder „als Mann“ bzw. das Gefühl des
„Frau-“ oder „Mann-Seins“, die nicht mehr als diskursive
Effekte, sondern als unmittelbare Erfahrungen wahrgenommen
werden und als solche „in Fleisch und Blut“ übergegangen und
entspre- chend nicht mehr diskursiv verhandelbar sind. Letztlich
handelt es sich hierbei jedoch um sedimentierte Diskurse einer
diskursiv-performativ konstruierten Geschlechterbinarität, die
normativ über eine entsprechende Performanz und beständige
Wiederholung der zugrunde liegenden Normen hergestellt werden
muss. Die zu erreichende Norm und das zugehörige Ideal sind
dabei lediglich Phantasmen, Vorstellungen, zu denen kein
Original existiert (vgl. Butler 2003: 155-159). Das ständige
Zitieren und Wiederholen der zweigeschlechtlichen Norm ist dabei
bereits ein Indiz für die Brüchigkeit des Konstrukts," (Gille
2012, S.174.)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.03.2025