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Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA)

Die Rolle der sozialen Akteure

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Fachbereich Deutsch
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Aus dem Werkzeugkasten der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA)
Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse

Abgesehen von den gesellschaftlich vorgestanzten Deutungsschemata werden Deutungen und Strukturierungen, die Zusammenhänge zwischen Aussagen herstellen, von sozialen Akteuren erzeugt und vorgebracht. Die • Wissenssoziologische Diskursanalyse (WDA) betont dabei ihre Rolle stärker als »Michel Foucault (1926-1984) (vgl. Keller 2013, S.434)

Die sozialen Akteure folgen dabei im Allgemeinen den Regeln der von einem • Diskurs zur Verfügung gestellten • diskursiven Praktiken, ohne das ihnen dies immer bewusst ist. Aber natürlich kann dies auch nach und mit reiflicher Überlegung stattfinden. (vgl. Keller 2019, S.47) Diese sozialen Akteure melden sich als Sprecher in Diskursen zu Wort oder werden durch ebenfalls im Diskurs selbst konstitutierte Subjektpositionen angesprochen. (vgl. Keller 2013, S.434)

Von zentraler Bedeutung ist auch die Annahme der WDA, die auf »Margaret Meads (1901-1978) »Symbolischen Interaktionismus zurückgeht, dass die Beteiligung von individuellen und/oder kollektiven Akteuren bei der Bedeutungszuschreibung bzw. Sinnkonstitution zwar "sozial reguliert, aber nicht  determiniert (ist)" (ebd., S.43) Wir haben, so die These, also auch in konkreten Situationen eine "Wahl", auch wenn diese mit positiven oder negativen Sanktionen verbunden ist. Je nach Situation sind dabei die "Freiheitsgrade des Deutens und Handelns" (ebd.) und der Deutungszuschreibung unterschiedlich bemessen. Und natürlich fallen solche Wahlmöglichkeiten in autoritären Gesellschaften anders aus als in pluralistisch verfassten Demokratien.

Da Diskursanalysen vor allem mit Texten arbeiten, ist die WDA auch nicht grundsätzlich anti-hermeneutisch aufgestellt, da das Verstehen von Texten immer auch ein Interpretationsprozess ist. Im Rahmen ihrer sozialwissenschaftlichen Hermeneutik geht die WDA daher auch • analytisch und interpretativ vor.

Die WDA analysiert nicht nur verschiedene Konzepte (z. B. • Diskurs, • diskursive Praktiken, Sprecherposition, • Diskurskoalition, Subjektposition, Subjektivierungsweise, • Dispositiv etc.), mit denen die Entwicklung und der Verlauf von Diskursen untersucht werden kann, sondern erfasst auch die • Wissensebene von Diskursen (z. B. • Deutungsmuster, • Klassifikationen, • Phänomenstrukturen, • narrative Strukturen) mit besonderen Analysekonzepten und -strategien.

Sprecherinnen und Sprecher und Akteure sind für die WDA zweierlei, weil Akteure im Verlauf eines Diskurses oder in unterschiedlichen Situationen jeweils andere Sprecherpositionen zum Thema einnehmen können. Sprecher und Akteure produzieren dabei mit ihren jeweils unterschiedlichen Möglichkeiten als Produzenten Aussagen aller Art, mit denen sie aber auch als Sprecher und Akteure selbst konstituiert werden.

Nicht jeder oder jede kann dabei in jedem Diskurs eine sozial akzeptierte Sprecherposition in einer Diskursarena einnehmen. Dies hängt mit der Art des jeweiligen Diskurses zusammen.

  • In Spezialdiskursen bzw. spezialdiskursiven Kontexten (z. B. Virologie, Astronomie, Literaturwissenschaft) wird in der Regel erwartet, dass der jeweilige Sprecher seine Kompetenz mit dem Erwerb von dafür vorgesehenen Qualifikationen nachweisen kann (z. B. Berufsausbildung, Studium etc.).

  • In öffentlichen Diskursen hingegen sind meistens besondere Expertisen nötig (so kann z. B. gewöhnlich nur ein ehemaliger Skispringer oder eine ehemalige Biatlethin die Rolle eines Experten oder einer Expertin bei einer entsprechenden Fernsehübertragung der jeweiligen Sportart sein). Ebenso kann jemand, der als Person über »symbolisches Kapital im Sinne »Pierre Bourdieus (1930-2002) verfügt, weil er/sie sich besonders gut ausdrücken, bestimmte Bildungsabschlüsse oder mehrjährige  Berufserfahrung vorweisen kann, ein E-Auto oder einen Sportwagen fährt und dazu bestimmte Markenkleidung trägt oder als Star oder Sternchen in verschiedenen medialen Formaten (Bachelorette, Influencer etc.) darin Akteur*in und Sprecher*in werden.

Akteure handeln aber nicht nur selbst in einem Diskurs, sondern sie werden auch selbst als Subjektpositionen angesprochen bzw. "angerufen", die einen Diskurs prägen und strukturieren. In diskursiven Konflikten, wenn z. B. die Meinungen über ein Thema wie die Migration sehr auseinander gehen, strukturieren die Subjektpositionen den Diskurs z. B .in einer Entgegensetzung von "Wir" vs. die "Anderen“ und machen damit Angebote, mit denen sich Menschen identifizieren können oder liefern ihnen Schablonen, die sie zum Aufbau ihrer Identität nutzen.

Aber auch Modellsubjekte, die im Diskurs als Subjektfiguren oder Subjektivierungmuster erst konstituiert werden, geben in diskursiven Konflikten an, was man tun oder lassen sollte. Sie appellieren explizit und implizit z. B. daran, dass man umweltbewusst leben und handeln sollte, welche Umweltsünden wir als • Subjekte tunlichst vermeiden sollten. Anders ausgedrückt: Sie verdeutlichen, wie wir uns selbst als umweltbewusstes (pazifistisches, feministisches, ja auch rassistisches oder demokratiefeindliches) Subjekt konstituieren können (• Subjektivierung). Allerdings darf man den Einfluss der Modellsubjekte (Subjektfiguren, Subjektivierungmuster) nicht überschätzen, sondern stets vor Augen haben, dass die "tatsächlichen Subjektivierungsweisen" Keller 2019, S. 48, Hervorh. d. Verf.) des Einzelnen einen komplexeren Vorgang darstellt, der "ganz unterschiedliche empirische Gestalten annehmen (kann), bis hin zur Ablehnung oder zu überraschenden Kombinationen." (ebd.)

Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang auch Adressierungen von "implizierten Akteuren" (ebd., Hervorh. d. Verf.), mit deren nicht-ausdrücklichen "Anrufung", aber in "in deren Namen", "in deren Sinn", oder in "deren Vermächtnis" ebenso wie. "zu deren Wohl" Subjektpositionen konstituiert werden, die einen Diskurs strukturieren. (vgl. ebd.)

Auch wenn Diskurse im Allgemeinen festlegen, was gesagt werden kann, und was nicht, die zulässigen Äußerungen also in einem bestimmten Sagbarkeitsfeld einhegen will, heißt dies nach Ansicht der WDA nicht, dass sie damit "die tatsächliche Sinnarbeit und Sinnpraxis sozialer Akteure" (ebd., S.47) vollkommen im Griff haben, kontrollieren und reglementieren können. Die Akteure besitzen vielmehr auch eine Handlungsmächtigkeit und -fähigkeit, mit der sie die ihren Alltag konstituierenden Dinge interpretieren und ihnen damit Bedeutung zuschreiben, um ihr Alltagsleben mit seinen vielfältigen Situationen zu meistern, selbst wenn sie dabei "im Kreuzfeuer von vielfältigen und heterogenen, sogar widersprüchlichen Diskursen stehen." (ebd.)

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Aus dem Werkzeugkasten der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA)

Akteure

Deutungsmuster

Diskursarena

Diskursbegriff

Diskursfelder

Diskurskoalition

diskursive Praktiken

diskursiver Wandel

Dispositive

Dispositive der Diskursproduktion

Dispositive zur problembezogenen Weltintervention

Klassifikationen

implizite Akteure

Modellpraktiken

narrative Strukturen

Phänomenstrukturen

Plot

Spezialdiskurse

Sprecherinnen/Sprecher

Sprecherpositionen

story lines

Subjektfiguren

Subjektpositionen

Subjektivierungmuster

tatsächliche Subjektivierungsweisen

Aus dem Werkzeugkasten der Diskursanalyse (Foucault)

Allianzdispositiv der Souveränitätsmacht

Alltags- und bildungssprachlicher Diskursbegriff

Akteure

Analyse von Dispositiven

Archäologische Methode zur Analyse der Wissensordnungen (Episteme)

Archäologisches Vorgehen

Archiv

Aussage(n)

Aussagensystem

Ausschlussmechanismen

Autor

Biopolitik

Biomacht

Diskursbegriff

Diskursexterne Ausschlussprozeduren

Diskursive Praktiken

Diskursiver Wandel

Diskursive Ereignisse

Diskursive Formation

Diskursspezifisches Wissen

Diskurs über Geschlechterbinarität

Dispositiv

Dispositivanalyse

Dispositive der Macht

Dispositiv vom "guten" Amerikaner

Disziplinarmacht und Disziplinargesellschaft

Einzeltextanalyse

Episteme

Genealogie
Gesagtes und Ungesagtes

Gesetzesmacht

Gouvernementalität

Grunddimensionen des diskursiven Regelsystems

Hermeneutischer Zirkel

Horizontverschmelzung

Juridisch-diskursive Machtkonzepte

Klassifikationen

Kontrollgesellschaft

Materialität von Aussagen

Macht-Wissens-Komplexe

Macht und Herrschaft

Medialiät der Diskurse

Normalisierungsmacht

Oberfläche

Polymorphe Techniken der Macht

Praxen

Produktive Seite der Macht

Repressionshypothese

richtiges/falsches Bewusstsein

Sagbarkeitsregeln

Schicht des konstitutiven historischen Wissens

Schwelle der Epistomologisierung

Souveränitätsmacht

Wissen und Ideologie

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.08.2026

  

 
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