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Literarische Gattungen

Überblick

 
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Literarische Gattungen als kognitive Schemata
Die Einteilungen literarischer Werke in ▪ Gattungen ist so beliebt wie umstritten.

So ist der Begriff der literarischen Gattung schon allein deshalb problematisch, weil dabei "ein normativer moderner Literaturbegriff impliziert wird, der für andere Kulturen der Dichtung und für andere historische Kontexte als demjenigen moderner Gesellschaften nicht passt bzw. keine Rolle spielt." (Zymner 2010a, S.3)

Dabei spielen Vorstellungen von Gattungen, die man kognitionspsychologisch auch als mentale Modelle oder Schemata beschreiben kann, im Alltag und der Wissenschaft gleichermaßen eine Rolle.

Überall dort, wo es darum geht, bestimmte Eigenarten, Gemeinsamkeiten oder Funktionen in einer Mehr- bzw. Vielzahl von Erscheinungen zu erfassen und sich in der Vielzahl von Reizen, die auf uns einwirken, zu orientieren, dienen Gattungen bzw. Schemata dazu, die Erscheinungen kognitiv zu verarbeiten. Dies ist in unserem Alltagsleben grundsätzlich nicht anders als in einer wissenschaftlichen Herangehensweise an Welt.

Was die wissenschaftliche Gattungstheorie mit ihrer Bindung "an Kriterien wie Nachprüfbarkeit, empirische Triftigkeit, Widerspruchsfreiheit und Vorläufigkeit" (ebd.) begrifflich-systematisch und explizit zu beschreiben hat, müssen die alltäglichen Gattungstheorien bzw. Gattungsschematas, mit denen wir operieren, nicht leisten.

Sie sind, man hat sie auch Folk-Gattungstheorien genannt, zwar subjektive, aber doch "auch mehr oder weniger sozial verfestigte Annahmen oder Wissensbestände, die die Wahrnehmung und auch der Verständnis von Gattungen bestimmen." (ebd.) Solche impliziten Vorannahmen oder Vorurteile, mit denen jeder Leser / jede Leserin an Texte herangeht, zeigen, dass das eigene Textverstehen nicht voraussetzungslos ist, sondern einer eigenen, meist überhaupt nicht bewussten "subjektiven Theorie" folgt (Köppe/Winko (2008, S.2), selbst wenn deren Elemente auf mal mehr, mal weniger stark sozial verfestigten Schemata beruht, mit denen wir die Texte durch die Brille der Gattungszuschreibung wahrnehmen und kognitiv verarbeiten. (vgl. Zymner 2010a, S.2)

Der moderne Begriff der Gattung

Ausgehend von der »Poetik« des »Aristoteles (384-322 v. Chr.) ziehen sich in der deutschen Literatur  über Christoph Gottsched (1700-1766), Johann Gottfried Herder (1744-1803) und Wilhelm Hegel (1770-1831) bis zur Gegenwart die Versuche hin, mit mehr oder weniger normativen Gattungskonzepten klassifikatorisch Ordnung in die Vielfalt literarischer Formen zu bringen.

Sie lassen sich auf verschiedene Art und Weise einteilen, z. B. als ▪ normative und ▪ nicht-normative Gattungskonzepte oder als ▪ historische Gattungen und ▪ systematische Gattungsbegriffe.

Seit etwa 1960 hat sich dabei die Erkenntnis durchgesetzt, dass Gattungen nicht unabhängig vom Subjekt verstanden werden können, das diese konstruiert. Seitdem werden Gattungen als "offene Systeme" gesehen, die nur als "Bündel von unterschiedlichen formalen, strukturellen und thematischen Kriterien beschrieben werden" können (Peter Wenzel, in: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorie, 5. Aufl. 2013, S. 244)

Dabei ist heutzutage wohl kaum mehr umstritten, "dass dichterische und oder literarische Gattungen am besten als historisch-sozial relative Normen der Kommunikation aufzufassen sind, man könnte auch von Kategorisierungen als Zuschreibungen oder Zuweisungen von Sinn sprechen." (Zymner 2010a, S.3)

Literarische Gattungen werden "gemacht"

Literarische Gattungen sind nicht in "Stein gemeißelt" und auch nicht, wenn sie nicht gerade in der Titelei eines Textes als ein vom Autor gesetztes Signal zur Rezeptionssteuerung eingesetzt werden, dem Text eingeschrieben.

Als Zuschreibungen sind sie stattdessen an das zuschreibende Subjekt gebunden und stellen "konkret physisch bedingte und soziale, institutionalisierende Kategorisierungsvorgänge dar." (ebd.) Für ihr Verständnis ist ihre Subjektgebundenheit, Theorieabhängigkeit und der Konstruktcharakter grundlegend, zeigen die Aspekte doch auf, dass Gattungen "Gemachtes und nichts Gegebenes sind". (ebd., S.4)

Daraus ergibt sich, dass Gattungen stets Konstrukte sind, die in einer bestimmten Gemeinschaft, z. B. der mit der betreffen Gattung vertrauten Leserinnen und Leser oder Kreisen von Fachwissenschaftlern, kursieren und als mehr oder weniger gültig anerkannt und für den Diskurs über Literatur verwendet werden.

Letzten Endes handelt es sich "im Prinzip um Verständigungsprozesse zwischen mehreren Akteuren, in denen Geltungsbedingungen jener Zuschreibungen ausgehandelt oder durchgesetzt und kulturelle Haushalte irgendwie zusammengehöriger Gruppen organisiert werden." (ebd., S.3)

In Thesen (im Anschluss an Zymners (2010a, S.1-5) kann man zusammenfassen:

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 07.12.2019

 
 

 
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