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Lyrische Texte

Grundbegriffe zur Interpretation


  Zur Interpretation von lyrischen Texten (Gedichten) werden folgende Grundbegriffe benötigt.

I. Das Metrum

  1. Metrik = Verslehre
    Lehre von den Versmaßen, vom Rhythmus und dem Strophenbau
  2. Metrum = Versmaß
    »gr. metron = Maß«

Das Versmaß gibt dem Vers ein bestimmtes metrisches Schema und damit einen bestimmten rhythmischen Charakter. Allerdings wird der Rhythmus nur vom Metrum mitbestimmt. Er entsteht außerdem durch den gedanklichen Inhalt eines Verses. Also: ein Gedicht stur im Takt zu sprechen ergibt in der Regel nur ein eintöniges Geleier.

Man unterscheidet die folgenden Versmaße, die sich aus der je verschiedenen Abfolge von betonten und unbetonten Silben, oder anders gesagt, aus der je verschiedenen Abfolge von (Stimm-)Hebungen und (Stimm-)Senkungen ergeben.

  • Die alternierende Abfolge von je einer unbetonten und einer betonten Silbe nennt man Jambus ( xX).
    Beispiele: vereint, genug
  • Die alternierende Abfolge von einer betonten und einer unbetonten Silbe heißt Trochäus (Xx).
    Beispiele: Antwort, Himmel
  • Folgen einer betonten Silbe zwei unbetonte, nennt man dieses Versmaß Daktylus (Xxx)
    Beispiele: himmlischer, Glockenspiel
  • Folgt zwei unbetonten Silben eine betonte, nennt man diesen Versfuß Anapäst (xxX)
    Beispiele: Paradies, Praktikant, Malerei
  1. Metrische Figuren
  • Zäsur: Sinngrenze in einem Vers, die den mechanischen Takt des Metrums zerschneidet oder mitten in den Versfuß fällt.
  • Befindet sich eine Zäsur (immer) nach der dritten Hebung, so nennt man einen derartigen Vers Alexandriner.

II. Die Gesamtform

  1. Strophe
    Die gegliederte Anordnung von Versen nennt man Strophe.
  • Strophen mit je vier Versen heißen Quartett.
  • Strophen mit je drei Versen Terzett.
  1. Reim
  • Reim innerhalb einer Verszeile = Binnenreim
  • Zwei aufeinander folgende Wörter reimen sich: Schlagreim
  • Gleichklang der Endsilben eines Verses = Endreim
     
  • Man unterscheidet die folgenden Reimformen beim Endreim:
    • weibliche (klingende) Reime (zweisilbig mit Betonung auf der vorletzten Silbe) (weibliche Kadenz)
      Beispiele: singen/klingen; sagen/fragen
    • männliche (stumpfe) Reime (einsilbig) (männliche Kadenz)
      Beispiele: Not/Tod; Mut/Gut
  • Es gibt reine und unreine Reime
    • reiner Reim: vollkommene lautliche Übereinstimmung
    • unreiner Reim: unvollkommene lautliche Übereinstimmung
      Beispiele: blüht/flieht;
  • Reimstellung = Abfolge gleich klingender Reime
    • Paarreim ( aa bb cc …)
      Beispiel:  Theodor Fontane: John Maynard
    • Kreuzreim ( ab ab …)
    • umschließender Reim (a bb a …)
    • Schweifreim: (abaacbc) (auch andere möglich)
       
  • Reimschema:
    Die mit kleinen Buchstaben des Alphabets ausgedrückte Reimstellung (aa bb cc ...)
     
  • Enjambement:  Der Satz geht über das Zeilenende hinaus.

3. Die Gedichtform

  • Sonett (zwei Quartette und zwei Terzette, Mittelzäsur, abba, abba, ccd, eed)
 
 
     
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