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Traditionelle Parabel: Textauswahl

Eine Parabel

»Matthias Claudius (1740-1815)

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
Literatur Autorinnen und Autoren Literarische Gattungen Erzählende Texte Strukturen erzählender Texte Formen erzählender Texte Überblick Traditionelle Epik und moderne Montageepik Fabel ▪  Gleichnis Kurzgeschichte Parabel ▪ Quickie: So interpretiert man eine Parabel Häufig gestellte Fragen Didaktische und methodische Aspekte Überblick Typen der ParabelÜberblickBild- und Sachbereich: Von der traditionellen zur modernen Parabel [ Traditionelle Parabel Überblick Allgemeine Merkmale Idealistische Überhöhung der Parabel Themen Erzähler und Leser Bild- und Sachbereich Textauswahl Bausteine ] Moderne Parabel Abgrenzung von anderen Textsorten Sprachliche Gestaltungsmerkmale Schulische Interpretation von Parabeln Textauswahl Bausteine Dramatische Texte Lyrische Texte Literarische Zweckformen Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schreibformen  Operatoren im Fach Deutsch
 

Bausteine 

Eine Parabel
»Matthias Claudius (1740-1815)

Es war eine Zeit, wo die Menschen sich mit dem, was die Natur brachte, behelfen und von Eicheln und anderer harter und schlechter Kost leben mussten. Da kam ein Mann, mit Namen Osiris1, von Ferne her und sprach zu ihnen: "Es gibt eine bessere Kost für den Menschen und eine Kunst, sie immer reichlich zu schaffen; und ich komme, euch das Geheimnis zu lehren."

Und er lehrte sie das Geheimnis und richtete einen Acker vor ihren Augen zu und sagte: "Seht, das müsst ihr tun! Und das Übrige tun die Einflüsse des Himmels!"

Die Saat ging auf und wuchs und brachte Frucht, und die Menschen waren des sehr verwundert und erfreut und bauten den Acker fleißig und mit großem Nutzen. In der Folge fanden einige von ihnen den Bau zu simpel, und sie mochten die Beschwerlichkeit der freien Luft und Jahreszeiten nicht ertragen. "Kommt", sprachen sie, "lasst uns den Acker regelrecht und nach der Kunst mit Wand und Mauern einfassen und ein Gewölbe darüber machen und denn2 darunter mit Anstand und mit aller Bequemlichkeit den Ackerbau treiben; die Einflüsse des Himmels werden so nötig nicht sein, und überdem sieht sie kein Mensch." "Aber", sagten andere, "Osiris ließ den Himmel offen und sagte: 'Das müsst ihr tun, und das Übrige tun die Einflüsse des Himmels!'" "Das tat er nur", antworteten sie, "den Ackerbau in Gang zu bringen; auch kann man noch den Himmel an dem Gewölbe malen." Sie fassten darauf den Acker regelrecht und nach der Kunst mit Wand und Mauern ein, machten ein Gewölbe darüber und malten den Himmel daran. - Und die Saat wollte nicht wachsen! Und sie bauten und pflügten und düngten und ackerten hin und her. - Und die Saat wollte nicht wachsen! Und sie ackerten hin und her.

Und viele von denen, die umherstanden und ihnen zusahen, spotteten über sie! Und am Ende auch über den Osiris und sein Geheimnis.

 

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Dieses Werk (Eine Parabel, von Matthias Claudius, das durch Gert Egle gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

1 »Osiris:  »altägyptischer »Gott des »Jenseits (Totengott), der »Wiedergeburt und des »Nils. Der zugehörige »Osirismythos gilt als übertragener Mythos auf die Natur, ohne dass der »Fruchtbarkeitsgott Osiris aber auch selbst als »Vegetationsgott wirkt, wie dies in dem Text von Claudius zum Ausdruck kommt; der Osiriskult verbreitete sich später auch in der gesamten »hellenistischen Welt

2 denn = dann

Bausteine 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 03.11.2020

     
   
   Arbeitsanregungen:

Interpretieren Sie diese Parabel.

  • Untersuchen Sie den Bildbereich der Parabel und arbeiten Sie dabei die Motive von Osiris und den Bauern heraus. Warum werden am Ende nicht nur diejenigen, die das Gewölbe errichtet haben, sondern auch Osiris und sein Geheimnis zum Gespött der Leute?
  • Auf welchen außertextlichen Sachbereich lässt sich das Erzählte oder einzelne seiner Elemente übertragen?
  • Vergleichen Sie diese Parabel hinsichtlich ihrer Merkmale mit dem Prototypen / der Parabel ...
  • Hat diese Parabel und ihre Bedeutung auch heute noch eine Botschaft, die für Sie persönlich oder die Gesellschaft als Ganzes von Relevanz sein könnte?

 

 
 
 

 
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