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Traditionelle Parabel: Textauswahl

Der Zyklopen-Schutz

»Heinrich Pestalozzi (1746-1827)

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
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Bausteine 

Der Zyklopen-Schutz
»Heinrich Pestalozzi (1746-1827)*

In der Zyklopen-Zeit dachte ein Schwächling: Ich will mich seinem Schutz anbefehlen, er tut mir dann nichts.

Das ist wohlgetan, sagte der Zyklop; nimm jetzt nur diesen Faden in die Hand, und ich will dich daran leiten, wo du links oder rechts gehen musst.

Dieses Mitgehen mit dem einäugigen Grossen erschreckte den Schwächling; er zitterte am ganzen Leib; doch er nahm den Faden in die Hand, aber schon morgens sagte der Zyklop: Dieser Faden könnte brechen, und bot ihm dafür eine Schnur in die Hand.

Wenige Tage darauf sagte ihm der Riese: Der Faden und die Schnur waren nur für die Probezeit, für die Zukunft musst du dieses Schutzseil in die Hand nehmen, und mir schwören, dasselbe weder bei Tage noch bei Nacht aus den Händen fallen zu lassen.

Totenblass schwor jetzt der Mensch, was nicht möglich war, zu halten. Das Seil fiel ihm bald aus den Händen, und er eilte nur nicht, es von dem Boden, auf den es hinfiel, aufzuheben.

Darüber zürnte der Wüterich und sagte: Das ist Untreue und Meineid, dem muss man vorbeugen. Mit dem knüttelte er ihm das Schutzseil um beide Hände. Also gebunden seufzte der Mann: Selig sind die, die er ohne Schutz frisst, und nagte dann einmal eine Nacht durch mit den Zähnen an diesem Schutzseil, und wollte es durchfressen, aber das Ungeheuer erwachte, ehe er los war, und band ihm jetzt das gefürchtete Seil um den kitzligen Hals mit ernster Bedrohung des schrecklichen Zuknüpfens beim ersten Fehler wider den heiligen Schutz.

aus: Sämtliche Werke. Kritische Ausgabe. Begr. v. Arthur Buchenau, Eduard Spranger u. Hans Stettbacher. 31 Bde., Berlin und Zürich 1927-1996 (PSW 111, S.113).

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Dieses Werk (Der Zyklopen-Schutz, von Johann Heinrich Pestalozzi , das durch Gert Egle gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

* Der Text gehört zu einer in der 2. Fassung von 1803 zusammengestellten Sammlung von insgesamt 279 kurzen Geschichten, die den Titel "Fabeln" trägt, später aber unter dem Titel ""Figuren zu meinem ABC-Buch oder zu den Anfangsgründen meines Denkens" . Pestalozzis Fabeln oder Figuren sind manchmal leicht verständlich, können aber einem heutigen Leser auch durchaus fremd bleiben, wenn er seine Sinnkonstruktion nicht auf Kontexte zur Person des Autors und seiner Zeit stützen kann. Ebenso kann der schulmeisterliche Ton, den der Erzähler immer wieder anschlägt, aber auch die vom Autor immer wieder hinzugefügten Erklärungen zu einem Gefühl der Gängelung beim Leser beitragen. Meistens stammen die Stoffe und Themen der Fabeln und Figuren aus dem Tier- und Pflanzenreich, aber sie können auch aus dem bäuerlichen Lebenswelt stammen. "Die einzelnen Geschichten haben fast immer einen gesellschaftspolitischen Hintergrund und kreisen um den Gegensatz zwischen alter und neuer Zeit, um das Verhältnis von Naturzustand und gesellschaftlichem Zustand, um das eigene Selbst, um Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrheit und Unterdrückung." (Kuhlemann, Einführung)
Die Fabeln verfolgen keine aufklärerische didaktische Funktion, richten sich demgemäß auch nicht an Kinder, "sondern belegen zuallererst Pestalozzis anthropologische Position, wonach der Mensch die Vorstellung eines künftigen, sittlich-humanen Menschen zwar als utopische Bestimmung in sich trägt, diese aber - insoweit Utopie - nicht erreichen kann."  (ebd.)

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Dieses Werk (Der Zyklopen-Schutz, von Johann Heinrich Pestalozzi , das durch Gert Egle gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 03.11.2020

 
 

 
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