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Traditionelle Parabel

Überblick

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
Literatur Autorinnen und Autoren Literarische Gattungen Erzählende TexteStrukturen erzählender Texte Formen erzählender Texte Überblick Traditionelle Epik und moderne MontageepikFabel ▪ Gleichnis Kurzgeschichte Parabel ▪ Quickie: So interpretiert man eine Parabel Häufig gestellte Fragen Didaktische und methodische Aspekte Überblick Typen der Parabel Überblick ▪ Bild- und Sachbereich:  ▪ Von der traditionellen zur modernen Parabel [Traditionelle Parabel Überblick Allgemeine Merkmale Die didaktische Parabel in der Literaturgeschichte Idealistische Überhöhung der Parabel Themen Erzähler und Leser Bild- und Sachbereich Textauswahl Bausteine ] Moderne Parabel Abgrenzung von anderen Textsorten Sprachliche Gestaltungsmerkmale Schulische Interpretation von Parabeln TextauswahlBausteine Dramatische Texte Lyrische Texte Literarische Zweckformen Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schreibformen  Operatoren im Fach Deutsch
 

Die didaktische Parabel in der Literaturgeschichte
Bausteine 

Traditioneller vs. moderner Parabeltyp

Ein vergleichsweise grobes Raster, aber dennoch für viele Zwecke brauchbar, ist es zur Einteilung von Texten, die zu den ▪ Parabeln gezählt werden, zwei große Hauptgruppen zu bilden, von denen die eine die Gruppe sogenannter traditioneller Parabeln und die andere die Gruppe moderner Parabeln bildet. Für den schulischen Literaturunterricht sind differenziertere Modelle eher nicht angebracht. Dabei verbindet sich mit den Attributen traditionell und modern keine Wertung, wonach jene vielleicht schon den "Mief" des Vergangenen transportiert, während diese die aktuelle Frische der modernen Gegenwart atmet.

Beide Typen haben ▪ einige Gemeinsamkeiten, weisen aber auch ▪ mehr oder weniger stark ausgeprägte Unterschiede auf.

Die traditionelle Parabel hat dabei im Rahmen der gesamten Gattungsgeschichte der Parabel ▪ ihre ganz eigene Geschichte, die zeigt, mit welchen Themen und Strukturen sie ihre didaktische Funktion zu erfüllen suchte. Sie ist bis heute nicht abgeschlossen.

Traditionelle Parabeln haben eine didaktische Funktion

Traditionelle Parabeln verfolgen eine didaktische Funktion und das hat vom Grundsatz her nichts damit zu tun, wann sie von wem und für wen sie verfasst worden sind. Sie sollen z. B. in eine Erzählung verpackt, eine Lehre transportieren, die ein Leser, der die dafür nötigen Voraussetzungen mitbringt, erkennen kann.

Dabei darf man den Begriff der Lehre nicht so eng fassen. Was eine Parabel aussagt, lässt sich nicht wie oft bei der ▪ Fabel auf eine kurze und prägnante, fast formelhafte Lehre bringen, die bei dieser Form gleichnishaften bzw. uneigentlichen Sprechens ja meist am Ende steht. Wenn man im Zusammenhang mit Parabel von ihrer Lehrhaftigkeit oder Lehren spricht, die sie vermitteln will, dann handelt es sich meistens um komplexere Bedeutungszusammenhänge, die in einem bestimmten Bezugsrahmen zu betrachten sind.

 

Erzähler und Leser in der traditionellen Parabel

Damit das didaktische Konzept der traditionellen Parabel aufgehen kann, muss der Autor bzw. der Erzähler des Textes "eine Lehre besitzen oder sich zum mindesten im Besitz einer Lehre glauben". (Brettschneider 1971, S.74)

Und, was eigentlich noch viel wichtiger ist: Diese Lehre muss in Übereinstimmung zu allgemein anerkannten moralischen Grundsätzen und Verhaltensweisen stehen, damit sie beim Leser die beabsichtigte Wirkung entfalten kann. Dementsprechend ist die Parabel auch kulturgebunden. Eine Parabel aus dem europäischen Kulturraum "funktioniert" also nicht im asiatischen.

Die traditionelle Parabel strukturiert das Verhältnis auf der Grundlage einer komplementären Lehrer-Schüler-Beziehung. In ihr begegnen sich nicht zwei gleichrangige Partner in einer symmetrischen Kommunikation, sondern in einer hierarchischen. Salopp gesagt: Einer - der Erzähler - weiß, wo es langgeht, und der andere - der Leser - nimmt ihm dies einfach ab.

Was mit Hilfe einer traditionellen Parabel gelehrt wird, steht also prinzipiell nicht in Frage, ist wie in Stein gemeißelter Sinn, und braucht nicht diskutiert zu werden, sondern nur in einer Erzählung zur Anschauung gebracht werden. (vgl. ebd.) Damit geht die traditionelle Parabel letztlich in ihrer rhetorischen Funktion auf, indem sie für die (weitere) Gültigkeit der von ihr vermittelten Lehre argumentativ eintritt.

Die Lehren, um die es ihr geht, sind auch keine Rezepte oder Antworten auf alltägliche Probleme der Lebenswelt, sondern beziehen sich auf "religiöse Überzeugungen" (Zymner 2006a, S. 307), auf Transzendentes, "das Hohe, das Außerordentliche, das Unerreichbare" ( Goethe in: Wilhelm Meisters Wanderjahre (1812, II. Buch, 1. Kapitel).

Die idealistische Überhöhung der Parabel

Die Vorstellung von der Parabel als Gattung, wie sie "im Anfang des 19. Jahrhunderts etwa von Goethe und Hegel geprägt wurde". (Yun Mi Kim 2012, S.19) hat die Bild-Sachbereichs-Struktur und die Übertragung vom einen in den anderen Bereich in idealistischer Weise überhöht.

So formuliert Goethe, dass das Kennzeichen der Parabel "der Sinn, die Einsicht, der Begriff das Hohe, das Außerordentliche, das Unerreichbare“ sei ( Goethe in: Wilhelm Meisters Wanderjahre (1812, II. Buch, 1. Kapitel). Und auch  Brettschneider (ebd.) betont, dass eine erzählte Geschichte erst dann zur Parabel wird, "wenn sie die erzählte Geschichte zum Fundort einer Lehre oder Einsicht oder Frage überhöht, die über den Fall ins Allgemeine hinausgreift."

Das idealistische Konzept, das die Parabel an das Höhere, Allgemeinere, Universelle oder Absolute koppelt, legt dabei auch die Art und Ziele ihrer Rezeption fest, wonach der Bildbereich der Parabel für einen kompetenten Rezipienten nie mehr als eine Fundgrube für eine höhere Lehre, höherwertigere Einsicht oder allumfassende Frage sein konnte.

Wem diese Art der Rezeption nicht gelingt, wer sich mit dem Handlungssinn der Bildebene zufrieden gibt, ist jedenfalls nicht der Typ von (idealem) Leser, der den Autoren der traditionellen Parabel vorschwebt, dem die Parabel "nichts ohne ihre Auflösung, ohne ihren eigentlichen Sinn" sein kann. (van Rinsum 1986b, S.15)

Bild- und Sachbereich in der traditionellen Parabel

Für die traditionelle Parabel, prototypisch dafür: Lessings (1729-1781) ▪ Ringparabel in seinem Drama ▪ Nathan der Weise (1779), bei der Nathan als Erzähler und Aufklärer des "unwissenden" Sultans Saladin agiert, ist die Doppelstruktur von Bild- und Sachbereich ein grundlegendes Merkmal. Mit ihr kann die Parabel ihre didaktische Funktion erfüllen, eine allgemeine, universell gültige Lehre über "Gott und die Welt" zu vermitteln.

Erst der konstruktive, aber vom Text möglichst genau gelenkte mentale Akt der Übertragung löst damit die kommunikative Funktion der Parabel bei der Rezeption des Textes ein. Das ist auch bei Gleichnissen nicht anders, die in ihrer biblischen Form manchmal als "Urtyp" der Parabel angesehen werden. (vgl. Gleichnis vom verlorenen Sohn)

Weitgehend Übereinstimmung besteht darin, das traditionelle Parabeln eine Doppelstruktur besitzen: Bildbereich und Sachbereich.

  • Der Bildbereich, auch Bildhälfte genannt, ist das, was in dem Text erzählt wird. Sie ist einer alltäglichen Sinngebung zugänglich, weil ihre Elemente und deren Beziehung zueinander der außertextlichen Welt entstammen, auf die sie verweisen. Dabei ordnet sich der Bildbereich dem Sachbereich unter, weil er funktional festgelegt darauf festgelegt ist, das im Sachbereich liegende Allgemeine (Totalitätsbezug) in eine knappe Erzählung "zu verpacken".

  • Als Sachbereich, auch Sachhälfte oder Gedankenbereich genannt, wird das außerhalb des Textes selbst liegende Ganze (Totalität), man könnte es auch die außertextliche Welt nennen, bezeichnet.
    Auf diesen Sachbereich bzw. Elemente daraus, lässt sich das im Bildbereich Erzählte übertragen und dieser Brückenschlag vom Bildbereich in den Sachbereich gilt als der Schlüssel zu einem vertiefteren Verständnis einer Parabel. Auf diesen Sachbereich bzw. Elemente daraus, lässt sich das im Bildbereich Erzählte übertragen und dieser Brückenschlag vom Bildbereich in den Sachbereich gilt als der Schlüssel zu einem vertiefteren Verständnis einer Parabel. Strenggenommen besitzt jedes Element des Bildbereichs eine analoge Entsprechung im Sachbereich, in dem Bereich also, auf den das Erzählte insgesamt verweist.

Die Bild- und Sachbereichs-Struktur legt dabei nahe, dass erst die Übertragung den Sinn der Parabel enthüllt und sie unterstellt in diesem geschlossenen Konzept, dass es einen solchen Sinn in einem kohärenten Weltbild gibt.

Kein oder nur wenig Spielraum für eigene Sichtweisen des Leser und wenig Chancen für den Leser, der die konzeptuelle Basis der vermittelten Lehre nicht teilt. Ein Musterbeispiel dafür ist ▪ Lessings (1729-1781) ▪ Ringparabel in seinem Drama ▪ Nathan der Weise (1779), bei der Nathan als Erzähler und Aufklärer des "unwissenden" Sultans Saladin agiert und letzterer (als Schüler) reagiert, dem gar nichts anderes übrig bleibt, als die vermittelte Lehre zu akzeptieren.

Bausteine 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 05.11.2020

 
 

 
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