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Fabel

Vom Wolf und Lemlin

Martin Luther


»Martin Luther (1483-1546) hat diese Fabel von Aesop ins Deutsche übersetzt: 

Ein Wolff vnd Lemlin kamen on gefehr beide / an einen Bach zu trincken. Der Wolff tranck oben am Bach / das Lemlin aber / fern vnten. Da der Wolff des Lemlins gewar war / lieff er zu jm / vnd sprach / Warumb trübestu mir das Wasser / das ich nicht trincken kan? Das Lemlin antwortet / Wie kan ich dirs Wasser trüben / trinckestu doch vber mir / vnd möchtest es mir wol trüben? Der Wolff sprach / Wie? Fluchstu mir noch dazu? Das Lemlin antwortet / Ich fluche dir nicht. Der Wolff sprach / Ja dein Vater thet mir für sechs Monden auch ein solchs. Du wilt dich Vetern. Das Lemlin antwortet / Bin ich doch da-zumal nicht geborn gewest / wie sol ich meins Vaters entgelten? Der Wolff sprach / So hastu mir aber mein Wiesen vnd Ecker abgenaget vnd verderbet. Das Lemlin antwortet / Wie ist das möglich, hab ich doch noch keine Zeene? Ey sprach der Wolff / vnd wenn du gleich viel ausreden vnd schwetzen kanst / wil ich dennoch heint nicht vngefressen bleiben / vnd würget also das vnschül-dig Lemlin / vnd frass es.

Lere

Der Welt lauff ist / wer Frum sein wil / der mus leiden / solt man eine Sache vom alten Zaun brechen /Denn Gewalt gehet für Recht. Wenn man dem Hunde zu wil / so hat er das Leder gefressen. Wenn der Wolff wil / so ist das Lamb vnrecht

(Martin Luther: Etliche Fabeln aus Esopo von D. M. Luther verdeutscht , in: Fabeln. Heidelberg 1924, S. 3–11, S. 8., http://www.zeno.org/nid/20005346967 )

     
    
   Arbeitsanregungen:
  1. Übertragen Sie die Fabel Luthers in modernes Deutsch.

  2. Vergleichen Sie Luthers Fassung mit der von Lessing.
     

 
     
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