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Zeitgestaltung im epischen Text

Die Geschichte Franz Biberkopfs

Alfred Döblin (Romanauszug)


Dieses Buch berichtet von einem ehemaligen Zement- und Transportarbeiter Franz  Biberkopf in Berlin. Er ist aus dem Gefängnis, wo er wegen älterer Vorfälle saß, entlassen und steht nun wieder in Berlin und will anständig sein.
Das gelingt ihm auch anfangs. Dann aber wird er, obwohl es ihm wirtschaftlich leidlich geht, in einen regelrechten Kampf verwickelt mit etwas, was von außen kommt, das unberechenbar ist und wie ein Schicksal aussieht.
Dreimal fährt dies gegen den Mann und stört ihn in seinem Lebensplan. Er rennt gegen ihn mit einem Schwindel und Betrug. Der Mann kann sich wieder aufrappeln, er steht noch fest,.
Es stößt und schlägt ihn mit einer Gemeinheit. Er kann sich schon schwer erheben, er wird schon fast ausgezählt.
Zuletzt torpediert es ihn mir einer ungeheuerlichen äußersten Rohheit.
Damit ist unser guter Mann, der sich bis zuletzt stramm gehalten hat, zur Strecke gebracht. Er gibt die Partie verloren, er weiß nicht weiter und scheint erledigt.
Bevor er aber ein radikales Ende mit sich macht, wird ihm auf eine Weise, die ich hier nicht bezeichne, der Star gestochen. Es wird ihm aufs deutlichste klargemacht, woran alles lag. Und zwar an ihm selbst, man sieht es schon, an seinem Lebensplan, der wie nichts aussah, aber jetzt plötzlich ganz anders aussieht, nicht einfach und nicht fast selbstverständlich, sondern hochmütig und ahnungslos, frech, dabei feige und voller Schwäche.
Das furchtbare Ding, das sein Leben war, bekommt einen Sinn. Es ist eine Gewaltkur mit Franz Biberkopf vollzogen. Wir sehen am Schluss den Mann wieder am Alexanderplatz stehen, sehr verändert, ramponiert, aber doch zurechtgebogen.
Dies zu betrachten und zu hören wird sich für viele lohnen, die wie Franz Biberkopf in einer Menschenhaut wohnen und denen es passiert wie diesem Franz Biberkopf, nämlich vom Leben mehr zu verlangen als das Butterbrot.

(aus: Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz,  München: Deutscher Taschenbuch Verlag , 23. Aufl. 1980, S.7 Romananfang)

             

   Arbeitsanregungen:
Mit diesem "Vorwort" beginnt der Roman »Berlin Alexanderplatz (1929) von »Alfred Döblin (1878-1957).

Arbeiten Sie heraus: Wie und mit welcher Absicht gestaltet der Erzähler diesen Romananfang? (vgl. Ausschnitt)
 

      
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