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Direktes und indirektes Charakterisieren

Überblick


Die Unterscheidung in direktes und indirektes Charakterisieren stellt einen Ansatz zur Analyse der  Figurencharakterisierung im epischen Text dar, der vor allem auf die schulische Praxis im Rahmen der literarischen Charakteristik als schulische Schreibform der Textinterpretation zurückgeht. Diese Unterscheidung ist daher mit der Einteilung der Techniken und Ebenen der Figurencharakterisierung nicht gleichzusetzen.
 

Bei der literarischen Charakteristik als schulische Schreibform der Textinterpretation versteht man, dies ist aber keineswegs allgemein verbindlich, unter dem direkten und indirekten Charakterisieren:

  • Direkt ist, was über die Charaktereigenschaften in intellektueller und psychischer Hinsicht, den sozialen Status und die sozialen Beziehungen usw. in Form von Bewertungen, Kommentaren, Einschätzungen und Urteilen ausdrücklich vorgebracht wird. Dies kann vom Erzähler, anderen Figuren oder einer Figur selbst ausgehen.
    (Beispiel: Paul, der sein ganzes Vermögen leichtfertig verspielt hatte, hatte schon als Junge nicht mit Geld umgehen können. "Du bist ein Verschwender", hatte ihm sein Vater, der in diesem und in anderen Fragen stets zu milde mit ihm war, zwar immer wieder vorgehalten, geändert hatte es an seiner unsäglichen Lust, sich in Sekundenschnelle, wenn möglich, wieder von einmal geschenktem oder erschwindeltem Geld zu trennen, jedoch nichts.)
  • Indirekt ist, was ohne nähere Kommentierung, Bewertung oder Beurteilung über die äußere Erscheinung einer Figur (Kleidung, Figur, Alter usw.) vom Erzähler oder anderen Figuren mitgeteilt wird. Ebenso ist das ganze erzählte Verhalten einer, sofern es kommentarlos erfolgt, als indirekte charakterisierend aufzufassen. Ob eine Figur z. B. etwas sagt oder nicht, etwas so oder so sagt, kann sehr viel über die Figur aussagen, offenbart sie sich doch, kommunikationspsychologisch betrachtet, mit dem, was sie sagt, immer auch etwas über sich. Analog gilt dies natürlich auch für den Beziehungsaspekt der Kommunikation, der sich natürlich auch in nonverbalem Verhalten, in der Körpersprache, niederschlägt. Wenn sich also z. B. eine Figur in feiner Gesellschaft mit Schimpfwörtern hervortut, dann "charakterisiert" sie auf diese Weise möglicherweise eine andere Person, aber mehr noch: Eigentlich charakterisiert sie sich durch ihre verbalen "Ausraster" doch mehr selbst, denn in einer solchen Situation fällt das so Gesagte mit großer Sicherheit auf den Sprecher zurück. (vgl. Figuralstil). Schließlich muss  u. U.  auch das erzählte Verhalten anderer Figuren zur indirekten Charakterisierung gezählt werden, wenn es quasi als Reflex auf die zu charakterisierende Figur zu verstehen ist. (Beispiel: Angst stand in ihren Augen, als sie die Tür zum Büro ihres Vorgesetzten öffnete.)

Mit Hilfe einer tabellarischen Auflistung lassen sich die direkten und indirekten Charakterisierungen einer Figur übersichtlich zusammenstellen (= Charakter-Tabelle)

 

                   
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