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Erzählerebene

Implizite Figurencharakterisierung


Auf der Ebene des Erzählers oder der Erzählinstanz können verschiedene Techniken zur impliziten Figurencharakterisierung verwendet werden.

Wird eine Figur implizit charakterisiert, dann geschieht dies, ohne dass es ausdrücklich formuliert ist. Implizite Charakterisierungen sind quasi mitenhalten, ohne dass etwas direkt gesagt wird. Das unterscheidet die implizite von der expliziten Form der Figurencharakterisierung durch den Erzähler.

Kontrast
Figurencharakterisierung durch  bestimmte Merkmale von verschiedenen Figuren, die in direktem Gegensatz zueinander stehen (Oppositionen)

Stehen die Informationen, die der Leser über eine Figur explizit erhält, in einem nicht ausdrücklich formulierten Kontrast (Gegensatz, Opposition) zu Informationen, die über andere Figuren gegeben werden?

  • Steht die Figur hinsichtlich ihrer äußeren Beschreibung bestimmten Figuren kontrastierend gegenüber?

  • Gibt es Figuren, die unter dem Blickwinkel ihrer sozialen Lage mit der zu charakterisierenden Figur kontrastieren?

  • Gibt es Figuren, deren Handlungen in einem Kontrastverhältnis zu denen der zu charakterisierenden Figur stehen?
     

Antonia zog ihre breiten, mit ein wenig zuviel rotem Lippenstift nachgezogenen Lippen in die Höhe, als sie bemerkte, wie der hochgewachsene Martin Bach, geradezu betont lässig, auf ihren Tisch zukam.
Korrespondenz
Figurencharakterisierung dadurch, dass  bestimmte Merkmale von verschiedenen Figuren  gleichartig oder gleichwertig sind (Äquivalenzen).
 

Sind die Informationen, die der Leser über eine Figur explizit erhält, mit denen über andere in einer bestimmten Weise gleichwertig, gleichartig, d. h. äquivalent?

  • Gleicht das, was über die Figur hinsichtlich ihrer äußeren Beschreibung im Erzählerbericht mitgeteilt wird, dem, was über eine andere Figur gesagt wird?

  • Entsprechen die Angaben zur sozialen Lage der zu charakterisierenden Figur denen anderer Figuren?

  • Sind die Handlungen, die von der zu charakterisierenden Figur vollzogen werden, den Handlungen anderer Figuren gleichwertig?
     

Antonias Vater war schon seit zehn Jahren tot. Sie wuchs bei ihrer allein erziehenden Mutter auf, mit deren wechselnden Lebenspartner sie nie so recht warm wurde.
Namengebung
Lautmalende (onomatopoetische), sprechende, klassifizierende o. ä. Namen

Hat die Figur einen Namen?

  • Besitzt dieser Name einen irgendwie „sprechenden“ oder lautmalenden (=onomatopoetischen) Charakter?

  • Drückt der Name der Figur im Kontext der zeitlichen, räumlichen oder auch sozialen Situierung des Geschehens etwas aus?
     

Der preußisch-pflichtbessene Amtsvorsteher von Wehrhahn in Gerhart Hauptmanns Komödie "Der Biberpelz".

Auftreten
Figurencharakterisierung durch Einordnung und Häufigkeit ihres Vorkommens im "plot" im Vergleich zur Einordnung und Häufigkeit des Vorkommens einer Figur in der "story"
 

Wie häufig kommt die Figur im Laufe der Erzählung überhaupt zur Sprache?

  • Wird über die Figur nur vom Erzähler berichtet oder kommt sie mit eigenen Äußerungen (=Figurenrede) selbst zu Wort?

  • Entspricht der Häufigkeit des Auftretens ein besonderes Gewicht der Figur für das Geschehen?

Eine Figur wird im "plot" schon häufig thematisiert, ehe sie überhaupt in der "story" auftritt.

 

                 
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