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Erzählerebene

Überblick


Die Charakterisierung einer Figur kann außer auf der Ebene der Figuren auch durch den Erzähler bzw. die Erzählinstanz erfolgen.

Was die Erzählerebene zur Charakterisierung einer Figur beiträgt, kann entweder explizit (=ausdrücklich) oder implizit (= nicht ausdrücklich, mitenthalten) dargeboten werden.

Mittel zur expliziten Figurencharakterisierung durch den Erzähler
 

Mittel zur impliziten Figurencharakterisierung durch den Erzähler
 

  • Beschreibungen
    Auf Außensicht basierende Beschreibungen einer Figur; sie können mit oder ohne kommentierende Einmischungen gestaltet sein;
    Beispiel: Antonia zog ihre breiten, mit ein wenig zuviel rotem Lippenstift nachgezogenen Lippen in die Höhe, als sie bemerkte, wie der hochgewachsene Martin Bach, geradezu betont lässig, auf ihren Tisch zukam.

  • Beziehungen
    Darstellung von Beziehungen einer Figur zu anderen Figuren; Möglichkeit zu Korrespondenz oder Kontrast gegenüber anderen Figuren
    Beispiel: Antonias Vater war schon seit zehn Jahren tot. Sie wuchs bei ihrer allein erziehenden Mutter auf, mit deren wechselnden Lebenspartner sie nie so recht warm wurde.

  • Handlungen
    Darstellung von Handlungen einer Figur
    Beispiel: Antonia wartete in dem Restaurant auf ihren Freund. Sie bestellte sich einen Kaffee und blickte zur Tür.

  • Situationen
    Einordnung einer Figur in einen zeitlichen, räumlichen und kausalen oder finalen (Handlungs-)Zusammenhang  einer "Story"  
    Beispiel: Antonia betrat kurz vor drei Uhr das Restaurant unten am Fluss. Dort wartete sie auf ihren Freund, der sich da mit ihr treffen wollte. Sie bestellte sich einen Kaffee und blickte zur Tür, um ihm schon beim Hereinkommen sein Anliegen von den Augen ablesen zu können.

  • Redeinhalte
    Figurencharakterisierung in Form des Redeberichts oder der indirekten Rede.
    Beispiel: Antonia musste hören, was sie überhaupt nicht erwartet hatte. Er, Martin Bach, wolle überhaupt nichts davon wissen, ihre Beziehung zu beenden. Im Gegenteil, warum ließe sich das Ganze nicht einfach zu einer offenen Dreiecksbeziehung umfunktionieren.

  • Gefühlsinhalte
    Figurencharakterisierung in Form einer pauschalen Wiedergabe von Gefühlen, Eindrücken und Wahrnehmungen einer Figur; keine Wiedergabe von Gedanken der Figur.
    Beispiel: Antonia war sauer. Dennoch hörte sie sich bis zu Ende an, was ihr Freund ihr eröffnete
     

  • Kontrast
    Figurencharakterisierung durch  bestimmte Merkmale von verschiedenen Figuren, die in direktem Gegensatz zueinander stehen (Oppositionen)

  • Korrespondenz
    Figurencharakterisierung dadurch, dass  bestimmte Merkmale von verschiedenen Figuren  gleichartig oder gleichwertig sind (Äquivalenzen).

  • Namengebung
    Lautmalende (onomatopoetische), sprechende, klassifizierende o.ä. Namen
    Beispiel: Der preußisch-pflichtbessene Amtsvorsteher von Wehrhahn in Gerhart Hauptmanns Komödie "Der Biberpelz"

  • Auftreten
    Figurencharakterisierung durch Einordnung und Häufigkeit ihres Vorkommens im "plot" im Vergleich zur Einordnung und Häufigkeit des Vorkommens einer Figur in der "story"
    Beispiel: Eine Figur wird im "plot" schon häufig thematisiert, ehe sie überhaupt in der "story" auftritt.

 

                 
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