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Figurencharakterisierung

Überblick


Eine der wichtigsten Aspekte der Figurengestaltung im epischen Text ist die Art und Weise, mir welchen Eigenheiten eine Figur ausgestattet ist. Dabei geht es bei der Figurencharakterisierung um mehr als ausdrückliche Charaktereigenschaften im strengen Sinne, sondern um sämtliche Merkmale, die eine Figur zu der machen, die sie im Rahmen eines Erzähltextes darstellt. Der Begriff Charakter umfasst ist daher weiter gefasst als das, was man üblicherweise unter Charaktereigenschaften versteht. Er steht für das Gefüge ererbter oder erworbener Eigenschaften und Verhaltensweisen, die ihn als von anderen unterschiedliches Individuum erscheinen lassen. In der Alltagssprache spricht man dabei häufig auch von der Persönlichkeit eines Menschen.
Lange war auch die Charakterologie ein anerkanntes Teilgebiet der Psychologie. Dabei ging man davon aus, dass jedes Individuum eine in seinem Wesen verankerte unveränderliche Eigenart besitzt, das seinen Charakter ausmacht. Heutzutage sind solche Überlegungen überholt, auch wenn die Frage nach der Einzigartigkeit der Persönlichkeit und ihrer charakteristischen Verhaltensmuster die Persönlichkeitspsychologie noch immer beschäftigt. (vgl. Zimbardo/Gerrig 2004, S.601ff.)

In der Literaturwissenschaft wird der Begriff Charakter in Abgrenzung vom Begriff des Typus verwendet. Die Gestaltung einer Figur in einem epischen Text kann einen Charakter oder einen Typus hervorbringen.

Charakter Typus
Individualisierte Figur in einem epischen oder dramatischen Text
  • weist eine Vielzahl von Merkmalen in physischer, psychischer und sozialer Hinsicht auf

  • Merkmale können auch widersprüchlich sein

Beispiele: Maria Stuart, Konsul Buddenbrook, Nathan der Weise
 

Nicht-individualisierte Figur in einem epischen oder dramatischen Text
  • gr. typos = Abbild, Muster, Schlag

  • weist nur die Merkmale auf, die ihn einer bestimmten Gruppe zugehörig erscheinen lassen

Beispiele: Der Geizige, der Gelehrte, der Schürzenjäger, der Morgenmuffel
 

Techniken und Ebenen zur Figurencharakterisierung im epischen Text

Zur Figurencharakterisierung kommen im epischen Text zwei verschiedene Techniken in Frage, die wiederum zwei verschiedenen Ebenen zugeordnet werden können.

Direktes und indirektes Charakterisieren

Weit verbreitet ist auch die Unterscheidung von direktem und indirektem Charakterisieren. Insbesondere bei der literarischen Charakteristik als schulische Schreibform der Textinterpretation wird mit diesen beiden Kriterien gearbeitet, die aber nicht immer streng voneinander abzuheben sind.

  • Direktes Charakterisieren
    Die Figur wird vom Erzähler, anderen Figuren des Textes oder von sich selbst mit Beschreibungen und Kommentaren direkt charakterisiert.

  • Indirektes Charakterisieren
    Die Figur charakterisiert sich durch ihr erzähltes Verhalten und durch ihre wörtliche Rede indirekt selbst.

 

                        
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