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Typen des Ich-Romans

Überblick


Man kann vier verschiedene Typen des Ich-Romans unterscheiden.

Typus des Ich-Romans

Merkmale

Beispiele

Memoiren-Roman
  • Gestus des auktorialen Erzählens:
    • Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: Abenteuerlicher Simplicissimus (1669)
    • Daniel Defoe: Moll Flanders (1772)
    • Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit (1811-1833)
    • Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (1954)
    • Peter Weiss, Abschied von den Eltern, Fluchtpunkt (1961/62)
  • Gestus personalen Erzählens
    • Mark Twain, Huckleberry Finns Abenteuer (1884)
    • Günter Grass, Die Blechtrommel (1954)
Biographischer Roman
  • zeitliche Retrospektive
  • Zweischichtenerzählung: Schreibgegenwart des Erzählers, der mit persönlichen Urteilen und Wertungen und/oder historisch-politischen Kommentaren eingreift - primäres Erzählgeschehen aus dem Leben der Figur
  • allmählicher Abbau der epischen Distanz zwischen eigentlicher Erzählhandlung und Schreibgegenwart des Erzählers
  • Verschiebung des point of view von dem in der Vergangenheit kaum präsenten erlebenden Ich des Erzählers hin zur "biographierten" anderen Person
  • erzählendes Ich in der Rolle eines sich erinnernden Augenzeugen (besonders glaubwürdiger Gewährsmann)
  • erzählendes Ich in einer Randstellung innerhalb des erzählten Geschehens
  • Thomas Mann: Doktor Faustus. Das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn erzählt von einem Freunde (1947)
  • Hans Henry Jahnn: Die Niederschrift des Gustav Anias Horn, nachdem er neunundvierzig Jahre alt geworden war (1949)
Detektiv-Erzählung
  • ohne ausgeprägte zeitliche Retrospektive
  • Erzähler als eine Art Stellvertreter der Leser in der Erzählung, als Perspektivfigur, vor allem als Informationsfilter
  • erzählendes Ich in einer Randstellung innerhalb des erzählten Geschehens.
  • Edgar Allen Poe: Der Doppelmord in der Rue Morgue (1843)
  • Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot (1888)
  • Arthur Conan Doyle (1892): Die Abenteuer des Sherlock Holmes (1892)
Brief- oder Tagebuch-Roman
  • zeitliche Retrospektive nur eine untergeordnete Rolle
  • Point of view kann wechseln zwischen dem erzählenden Ich als Hauptfigur oder als Augenzeuge; auch  Kombination möglich
  • Monoperspektivische (Brieffolge eines Verfassers) oder multiperspektivische (mehrere Verfasser) Struktur.
  • unmittelbare Wiedergabe von aktuellen Empfindungen und Gedanken
  • Zeitdifferenz zwischen Erleben und Erzählen häufig in der momentanen Befindlichkeit des Ichs aufgehoben
  • Implizite Informationsvergabe an den Leser im Briefwechsel selbst, der eventuell zum Verständnis notwendigen Angaben benötigt.
  • Explizite Informationsvergabe durch die Autorinstanz bzw. durch die Herausgeberfiktion bei Titel, Vor- oder Nachbemerkungen, eingefügten Kommentaren usw. 
  •  minimaler Erzählrahmen (Herausgeberfiktion) ermöglicht die Unmittelbarkeit der Darstellung
  • erzählendes Ich in einer Zentralstellung innerhalb des erzählten Geschehens

(vgl. Vogt 1996, S.73-78)

                    
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.06.2016


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