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Personale Erzählsituation

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Personales Erzählen: Die Geschichte aus dem Wahrnehmungshorizont einer Figur
Die personale Erzählsituation weist eine Reihe von charakteristischen Merkmalen auf, die sie von anderen Erzählsituationen unterscheiden. Die ▪ neutrale Erzählperspektive, mit der sie viele Merkmale teilt, kann als Variante der personalen Erzählperspektive aufgefasst werden.

»Personal« bedeutet dabei: aus dem Blickwinkel einer der handelnden Figuren selbst betrachtet 

Personales Erzählen "erzählt" die Geschichte nicht so "wie sie sich in der Phantasie oder der Einbildung eines persönlichen, d. h. von subjektiven Momenten bestimmten Erzählers einstellt, sondern Wirklichkeit wird dargestellt, d. h. szenisch vorgeführt oder im Bewusstsein einer Romanfigur gespiegelt." (Stanzel 1964/1979, S. 50) Der personale Erzähler wird daher auch als Perspektiv-bzw. Reflektorfigur bezeichnet.

Scheinbar erzählerloses Erzählen

Die personale Erzählperspektive wirkt oft quasi erzählerlos und findet sich oft bei Texten mit einem sehr hohen Anteil szenischer Darstellung). (vgl. Bleissem u. a. 1996, S.74) Im Ausschlussverfahren lässt sich oft feststellen, ob es sich um eine solche Perspektive handelt: Wenn keine Ich-Erzählsituation und auch keine auktoriale Erzählsituation vorliegt, dann handelt es sich um eine personale Erzählsituation.

Der Eindruck dieses scheinbar erzählerlosen Erzählens entsteht dadurch, dass es keine erkennbare ▪ auktoriale Erzählerpersönlichkeit gibt, die aus der ▪ Außenperspektive die Geschichte arrangiert und organisiert, in das Innere aller Figuren sehen (Innensicht) und sich im Modus des Telling nicht nur mit seinem summarischen Erzählerbericht i. e. S., sondern auch mit Erzählerkommentaren in das Geschehen einmischt, das er im Übrigen durch Vorausdeutungen und Rückwendungen nach Belieben arrangieren kann.

Erzählerstandort: Mitten im erzählten Geschehen

Der personale Erzähler steht mitten im erzählten Geschehen und erzählt, was er von diesem point of view (Erzählerstandort) aus, wahrnimmt, denkt und fühlt. ( ▪ Innenperspektive)

Typisch für personales Erzählen ist, dass sich das Geschehen im Bewusstsein einer Figur (mitunter auch mehrerer Figuren =  personale Multiperspektive) spiegelt, der Erzähler also die Wahrnehmungsperspektive (perzeptive Perspektive) einer Figur im Hier und Jetzt einnimmt.

Damit eignet sich die personale Erzählsituation besonders dafür, "Verhältnisse vorzuführen, die noch nicht durchschaut und begriffen sind, die vorerst nur (unmittelbar) registriert und reflektiert werden, vom Leser im fingierten Medium eines Bewusstseins mitvollzogen werden. Weil die erzählerische Aufbereitung fehlt, ist der Rezipient in eine Position gedrängt, die der des Reflektors gleicht: Auch er muss sich auf das Registrierte und Reflektierte erst einen Reim machen - und dann auch noch einen auf die Deutungsversuche der Reflektorfigur." (Bode 2005, S.187)

Personales Erzählen im Modus des Showing

Das Geschehen wird also im Modus des Showing erzählt. Dabei kann das Geschehen in personaler Außensicht, aber auch in personaler Innensicht, (also mit Hilfe der Gedanken der Figur) dargeboten werden.

  • In der personalen Außensicht tauchen dabei z. B. längere Dialogpartien auf, bei der in szenischer  Darstellung in direkter Rede wiedergegeben wird, was Figuren sagen.

  • Nimmt der personale Erzähler dagegen die personale Innensicht ein, bleibt sein Wahrnehmungsfeld auf seine eigene, subjektiv-psychologische Perspektive beschränkt.

  • Wird eine Geschichte in einer personalen Multiperspektive erzählt, bleibt sie immer auf die Optik des jeweils darbietenden personalen Erzählers beschränkt, die sich niemals mit der einer anderen Perspektivfigur vermengen kann.

  • Kennzeichend für die personale Innensicht sind Darbietungsformen wie die erlebte Rede, der innere Monolog oder auch der Bewusstseinsstrom (stream of consciousness).

Die innere Handlung der Perspektivfigur(en) hat besonderes Gewicht

Bei der personalen Erzählperspektive hat aus diesen Gründen sehr häufig die innere Handlung (Gefühle, Gedanken, Erinnerungen) der Perspektivfigur (Reflektorfigur) besonderes Gewicht. Ihre Gefühle, Gedanken, Erinnerungen usw. machen damit stets einen großen Teil der erzählten Handlung aus.

Zugleich entfaltet dies einen suggestiven "Sog", in den sich der Leser bzw. die Leserin eines solches Textes hineinziehen lassen kann, der nur "durch die Brille" der Perspektivfigur und ihrer Gefühle und Gedanken Zugang zur erzählten Wirklichkeit erhält. (vgl. Stanzel 1964/1979, S. 51, vgl. Bleissem u. a. 1996, S.73)
Dies führt geradezu zwangsläufig zu einer Identifizierung mit der Figur, "steckt man doch quasi im Bewusstsein der Reflektorfigur." (Bode 2005, S.187) Das allerdings müsse, so fährt Bode (ebd.) fort, nicht unbedingt zur Folge haben, dass man sich auch haltungs- und wertungsmäßig mit der Reflektorfigur 'identifizieren' können müsse, zumal sich niemand gerne mit jemandem identifiziere, den er kritisch sehe oder sogar ablehne.

Erzählsituationen können sich auch innerhalb eines Textes ändern

Ein literarischer Text muss keineswegs das Erzählte nur aus einer Erzählersituation darbieten, auch wenn viele Texte das tun. In der modernen Literatur werden die  Erzählperspektiven aber auch häufig innerhalb ein und desselben Textes geändert. Daher lassen sich bestimmte Erzählperspektiven oft auch nicht unbedingt zur Charakterisierung eines gesamten Werkes oder auch nur eines größeren Abschnitts heranziehen, "sondern lediglich zur Klassifizierung kleinerer Erzähleinheiten" (Vogt 1990, S. 52)

Dies gilt im Falle der personalen Erzählsituation in besonderer Weise, weil sie, wenn der personale Erzähler sich einmal für kürzere oder längere Zeit vollkommen zurückzieht, in ▪ neutrales Erzählen übergehen kann, also auch zwischen beiden fluktuieren kann. Nichtzuletzt aus diesem Grunde sieht Stanzel in dieser Art des Erzählens eine Variante der personalen Erzählsituation.

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.10.2019

 
 

 
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