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Textauswahl: Auktoriale Erzählsituation

Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas

(Auszug)


FAChbereich Deutsch
Glossar
Literatur:▪ Autorinnen und Autoren Gattungen Erzählende Texte Überblick Lesen erzählender Texte (Inferenzbildung und Situationsmodelle) Strukturen von Erzähltexten Strukturwandel in der modernen Epik Strukturbegriffe der Erzähltextanalyse  Überblick Auswahl (Zusammenstellungen wichtiger Strukturbegriffe) Darstellungsebene und Ebene des Dargestellten WIE WIRD ERZÄHLT? (Zeitgestaltung, Perspektiven, Darbietungsformen ...) Überblick Modell der narrativen KommunikationZeitgestaltung Typologien des Erzählers Überblick Erzählsituationen (Stanzel) Überblick Tabellarische Übersicht ▪ Leitfragen zur Analyse [ Auktoriale Erzählsituation Überblick Formulierungshilfen Textauswahl ◄ ▪ Bausteine ] Personale Erzählsituation Neutrale Erzählsituation Ich-Erzählsituation Typen des Ich-Romans Textauswahl Bausteine Kriteriengeleitete Beschreibung von Erzählertypen (Dichotomien Perspektiven beim Erzählen ▪ Darstellung von Ereignissen Darstellung von Rede und mentalen VorgängenWissensvermittlung und InformationsvergabeErzählen über das Erzählen Zuverlässigkeit und Unzuverlässigkeit des ErzählensStilmerkmale der Erzählung Bausteine WAS WIRD ERZÄHLT? (Handlung, erzählte Welt, Figur, Raum) Bausteine Formen erzählender Texte Dramatische Texte Lyrische Texte Literarische Zweckformen  ▪ Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schreibformen ▪ Analyse und Interpretation von Erzähltexten in der Schule Operatoren im Fach Deutsch
 

Ein Beispiel für auktoriales Erzählen

Der Beginn der NovelleMichael Kohlhaas" von »Heinrich von Kleist (1777-1811) weist typische Merkmale derauktorialen Erzählsituation auf.

In äußerst knapper Form stellt der Erzähler dabei zu Beginn in einer Art Einführung die Titelfigur vor, deren Name, Beruf und Herkunft im ersten Satz mitgeteilt wird.

Danach wird der Handlungsort beschrieben und dann kommen die wirtschaftliche Lage und familiären Verhältnisse von Michael Kohlhaas zur Sprache.

Anschließend wird die Handlung räumlich und zeitlich situiert.

Schließlich kommen bestimmte Charaktereigenschaften von Kohlhaas zur Sprache, die mit seinem Erziehungshandeln gegenüber seinen Kindern "in der Furcht Gottes, zur Arbeitsamkeit und Treue" weitgehend nüchtern, sachlich und ohne jede Kommentierung vom Erzähler vorgetragen werden.

Man gewinnt als Leser, auch als Ergebnis der sprachlichen Gestaltung, den Eindruck, als habe sich der Erzähler hinter die Ereignisse, das Faktische, zurückgezogen.

Doch schon am Ende des ersten Satzes verlässt der Erzähler seinen sachlich-nüchternen Stil und nimmt mit einer Apposition ("einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit") eine eindeutige Wertung vor, welche die Titelfigur abwertet.

Diese eher "en passant" (so ganz nebenbei) gemachte Bemerkung, entfaltet freilich eine besondere Wirkung, denn diese fast "unmotivierte Charakterisierung des Mannes" lässt besonders dadurch aufhorchen, weil sie "in ein Paradox gehüllt ist. " (Holz 1963, S.117ff.)

"An den Ufern der Havel lebte, um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, ein Rosshändler, namens Michael Kohlhaas, Sohn eines Schulmeisters, einer der rechtschaffensten zugleich und entsetzlichsten Menschen seiner Zeit. - Dieser außerordentliche Mann würde, bis in sein dreißigstes Jahr für das Muster eines guten Staatsbürgers haben gelten können. Er besaß in einem Dorfe, das noch von ihm den Namen führt, einen Meierhof, auf welchem er sich durch sein Gewerbe ruhig ernährte; die Kinder, die ihm sein Weib schenkte, erzog er, in der Furcht Gottes, zur Arbeitsamkeit und Treue; nicht einer war unter seinen Nachbarn, der sich nicht seiner Wohltätigkeit, oder seiner Gerechtigkeit erfreut hätte; kurz, die Welt würde sein Andenken haben segnen müssen, wenn er in einer Tugend nicht ausgeschweift hätte. Das Rechtsgefühl aber machte ihn zum Räuber und Mörder.

Er ritt einst, mit einer Koppel junger Pferde, wohlgenährt alle und glänzend, ins Ausland, und überschlug eben, wie er den Gewinst, den er auf den Märkten damit zu machen hoffte, anlegen wolle: teils, nach Art guter Wirte, auf neuen Gewinst, teils aber auch auf den Genuss der Gegenwart: als er an die Elbe kam, und bei einer stattlichen Ritterburg, auf sächsischem Gebiete, einen Schlagbaum traf, den er sonst auf diesem Wege nicht gefunden hatte. Er hielt, in einem Augenblick, da eben der Regen heftig stürmte, mit den Pferden still, und rief den Schlagwärter, der auch bald darauf, mit einem grämlichen Gesicht, aus dem Fenster sah. Der Rosshändler sagte, dass er ihm öffnen solle. Was gibt's hier Neues? fragte er, da der Zöllner, nach einer geraumen Zeit, aus dem Hause trat. Landesherrliches Privilegium, antwortete dieser, indem er aufschloss: dem Junker Wenzel von Tronka verliehen. - [...]"

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 15.05.2022

       
 

 
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