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Auktoriale Techniken

Überblick


Informationen, mit denen der Autor (impliziter Autor) die Zuschauer/Leser eines dramatischen Textes unmittelbar anspricht, werden nach Pfister (1977, S.251) als auktoriale Techniken der Figurencharakterisierung im Drama bezeichnet. (vgl. figurale Techniken)

 

Bei der auktorialen Charakterisierungstechnik werden zwei "Klassen" (Pfister 1977, S.251) unterschieden:

  • explizit-auktoriale Charakterisierungstechniken

  • implizit-auktoriale Charakterisierungstechniken   

Explizit-auktoriale Charakterisierungstechniken

  • Die Figuren werden im Nebentext im Hinblick auf ihr Äußeres, ihre Bekleidung, mitunter ihre Persönlichkeitsstruktur und ihre Verhaltensweisen beschrieben.

Beispiel: Gerhart Hauptmann, Der Biberpelz, II. Akt

Amtszimmer beim Amtsvorsteher von Wehrhahn: großer weißgetünchter, kalter Raum mit drei Fenstern in der Hinterwand. In der linken Wand die Eingangstür. An der rechten Wand rechts der lange Amtstisch mit Büchern, Akten usw. belegt; hinter ihm der Stuhl für den Amtsvorsteher. Am Mittelfenster Tisch und Stuhl für den Schreiber. Ein Schrank aus weichem Holz vorn rechts, dem Amtsvorsteher, wenn er auf dem Stuhle sitzt, zur Hand, enthält die Bücher. Aktenregale verkleiden die Linkswand. Sechs Stühle stehen ganz vorn, von der Linkswand an in einer Reihe. Man sieht die eventuell Daraufsitzenden von rückwärts. - Es ist ein heller Wintervormittag. Der Schreiber Glasenapp sitzt kritzelnd auf seinem Platz. Er ist eine dürftige, bebrillte Persönlichkeit. Amtvorsteher von Wehrhahn, ein Aktenfaszikel* unterm Arm, tritt schnell ein. Wehrhahn ist gegen vierzig Jahre alt und trägt ein Monokel. Er macht den Eindruck eines Landjunkers. Seine Amtstracht besteht aus einem schwarzen, zugeknöpften Gehrock und hohen, über die Beinkleider gezogenen Schaftstiefeln, Er spricht nahezu im Fistelton und befleißigt sich militärischer Kürze im Ausdruck.

  • Die Figuren erhalten vom Autor sprechende Namen, die von Anfang an ein kritisches Licht auf ein bestimmtes charakteristisches Merkmal einer Figur werfen. Hier sind aber auch zahlreiche Zwischentöne hin zu den implizit charakterisierenden Namen möglich.

Beispiele: Glasenapp, von Wehrhahn im obigen Text von Hauptmann;  Wurm, der intrigante Sekretär  in Schillers "Kabale und Liebe"

Implizit-auktoriale Charakterisierungstechniken

  • Die Figuren erhalten vom Autor realistische, d.h. mit der konventionellen Namensgebung übereinstimmende Namen (interpretative name), die aber dennoch einen charakterisierenden Bezug zur Figur haben. Allerdings ist dieser Bezug nicht vergleichbar offenkundig wie bei den explizit -sprechenden Namen.

Beispiel: Henrik Ibsen, Brand

Der Name des Pfarrers Brand bedeutet im Norwegischen "Feuer" aber auch "Schwert" und passt damit ausgezeichnet zu der eifernden Art des "Alles oder Nichts", das der Pfarrer "in seinem Kampf gegen die Kompromisse der orthodoxen Theologie und der herrschenden Kirchenpraxis" demonstriert. (Pfister 1977, S.263)

  • Es werden Korrespondenz-  und Kontrastbezüge zwischen Figuren hergestellt. Dies kann im Haupttext selbst erfolgen, indem eine Figur etwas Gemeinsames oder Unterschiedliches selbst erwähnt. Es kann aber auch dadurch erfolgen, dass Figuren z.B. nacheinander der gleichen oder ähnlichen Situationen ausgesetzt werden.
    • Bei Korrespondenzbezügen wird auf Übereinstimmendes zwischen den Figuren verwiesen.
    • Bei Kontrastbezügen wird das Unterschiedliche und Trennende zwischen den Figuren betont.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 21.04.2014

      
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