Dass sich die
▪ antike Tragödie gemeinsam mit
der • Komödie zu den
dramatischen Leitgattungen entwickelten, die
Tragödie im
5. Jahrhundert gar zur "intellektuellen Leitgattung der
griechischen Kultur" (Hose
2012,
S.179) avancierte, hat verschiedene Ursachen.
Das Erfolgskonzept der Tragödie beruhte, über
den • institutionellen kultischen Rahmen
hinweg, skizzierten institutionellen Rahmen hinaus, nach Ansicht von
Hose (2012,
S.179f.) vor allem auf verschiedenen Erfolgsgaranten:
Zunächst einmal
war die Tragödie ein öffentliches Ereignis der Polis, ein
kultisch-gesellschaftlicher Event, der die weite Teile der
antiken Gesellschaft erfasste.
Tragödienaufführungen waren dazu ein (multimediales) Spektakel
mit Sprache, Gesang, Musik, Tanz und hin und wieder einer
Bühnenhandlung, das besonders gut ankam.
Die
athenischen (männlichen) Bürger waren zudem auf vielfältige Art an dem
(agonalen) Wettkampf der Dramen beteiligt.
Sie fungierte als • Choregen, die die
Finanzierung der Produktion bezahlten, waren •
Chormitglieder (Choreuten)
oder auch •
Juroren im Dramenwettbewerb. Diese vielfältigen
Partizipationsmöglichkeiten sorgten dafür, dass sich die Männer
auch über das kultische
Staatsfest mit der Politik der Polis identifizierten (vgl.
Brauneck
2012, S.19)
Die Tragödien
erzählten tief in den Mythen verwurzelte Geschichten, die den
Menschen Hilfe und Orientierung zur Erklärung von Welt und
Gesellschaft und ihren Beziehungen zu den Göttern lieferten.
Zudem wurden
die denTragödien zugrunde liegenden Mythen von den
Tragödiendichtern flexibel weiter entwickelt, ohne ihren plot grundsätzlich zu verändern.
Dadurch ließen sich ihre Geschichten den jeweils
aktuellen Problemen der griechischen Polis entsprechend
behutsam aktualisieren.
Was die Tragödie zu Beginn des 5. Jahrhunderts, als sich das
Drama allgemein von Athen und den besonderen kultischen
Festkontexten löste (vgl.
Hose 2012,
S.185) und säkularisierte, aber ebenso zu einem Erfolgsmodell
machte, ist auch darauf zurückzuführen, dass Dramen als
Lesetexte, z. B. in der schulischen Erziehung für Lese- und
Schreibübungen verwendet wurden, und darüber hinaus in Textform
eine spätere Wiederaufführung, wenngleich mit zum Teil
erheblichen Abänderungen, möglich machten. (vgl.
ebd.,
S.184)
Zudem wirkten die Bilderwelten der Tragödie auch auf die
Bildende Kunst ein, die auf Vasen, Urnen oder als Relief auf
Sarkophagen Motive
oder einzelne Szenen aus den Dramen gestaltete.
Und schließlich ging die Tragödie um die Welt, mit anderen
Worten: Wanderbühnen sorgten für regen Kulturaustausch und
trugen die Stoffe und Muster attischer Dramen zur Zeit des »Hellenismus
mit seinen Großreichen »Alexanders
des Großen (356-323 v. Chr.) und der nachfolgenden »Diadochen
(bis 30 v. Chr.) bis an die Grenzen Indiens. (vgl.
ebd.,
S.185)