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Entstehungsgeschichte

Orte und Organisation der Aufführungen

Dramatische Texte Genres/GattungenTragödie Antike griechische Tragödie

 
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Glossar
Literatur:▪ Autorinnen und Autoren Gattungen Erzählende Texte  Dramatische TexteÜberblick Strukturen dramatischer Texte Genres/Gattungen Überblick Tragödie Überblick Formen Antike griechische Tragödie [ Entstehungsgeschichte ÜberblickDer Begriff der Tragödie und seine genealogische Bedeutung Der institutionelle kultische Kontext der griechischen TragödieOrte und Organisation der Aufführungen Gründe für den Erfolg der Tragödie als Gattung ] Rolle des Chores in der griechischen Tragödie Das griechische Theater als Maskentheater  Bürgerliches Trauerspiel Komödie Theorie des Dramas Didaktik: Das Drama im Literaturunterricht Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten Links ins Internet Textauswahl Bausteine Lyrische Texte Literarische Zweckformen Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schulische Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch ANALYSE UND INTERPRETATION EINES DRAMATISCHEN TEXTES
 

Die »(Großen) Dionysien, die zu Ehren des Gottes »Dionysos veranstaltet und eine große Bedeutung für den Zusammenhalt des griechischen Gemeinwesens hatten, erstreckten sich über mehrere Tage. Hier kamen zahlreiche Theaterstücke in einem • kultischen Rahmen zur Aufführung. Sie veränderten im Laufe der Zeit ihre Funktion, ohne aber jemals ihren kultischen Ursprung vergessen zu lassen. Tragödien- und Komödienaufführungen waren die wichtigsten und massenwirksamsten Events dieser Großveranstaltungen.

Die vom »Archon, einem hohen oder dem höchsten Beamten, ausgewählten Theaterstücke wurden dabei unter den Bedingungen eines Wettbewerbs (gr. agón) vor vielen tausend Zuschauern aufgeführt und am Ende zeichnete eine sorgsam ausgewählte Jury die besten Stücke aus.  

In der Frühphase geschah dies auf der »Agora, dem zentralen Fest-, Versammlungs-, Markt- und Kultplatz der griechischen Polis (Stadtstaat), der nicht umsonst als räumliche "Schnittstelle von Politik, Religion und Kunst" (Gödde 2008, S.95, zit. n. Brauneck 2012, S.20) bezeichnet wird.

Später inszenierte man in den großräumigen Theatern wie z. B. dem »Dionysos Eleuthereus unterhalb der »Akropolis von Athen oder dem »Theater in Epidaurus.

Diese Monumentalbauten sollten als "Raumsymbole einer gesellschaftlichen Vision"( Brauneck 2012, S.28) dienen. Sie sollten einen Raum schaffen, der dadurch den Zusammenhalt der Polis stärken sollte, dass er den Bürgern verschiedene Partizipationsmöglichkeiten im agonalen Dramenwettstreit zuwies: "Allen Bürgern wurde dadurch die Gemeinschaftsidee der Polis unmittelbar erlebbar. Sie waren Publikum, aber auch Mitgestalter des dramatischen Agons." (ebd.)

Die antike Orchestrabühne

Die Theateraufführungen fanden in der griechischen Antike draußen statt.

Die Freiluftaufführungen auf der »Antiken Orchestrabühne (gr. orchestra = Tanzplatz) bot in ihrem Halbrund, das mit einer neutralen Wand (Bühne, skene) und dem Ausblick in die das Theater umgebende Landschaft als Hintergrund arbeitete, Platz für viele tausend Zuschauer.

Die größten von ihnen wie die in »Epidaurus (14.000) und »Ephesus (24.000) fassten weit über zehntausend.

Da die Zuschauer in einem Über-Halbrund um die Spielfläche platziert waren, gab es auch kein illusionistisches Bühnenbild, wie wir es heute von der ▪ Guckkastenbühne her kennen. Dazu befand sich die Bühne in einer vergleichsweise großen Entfernung zu den Zuschauern, so dass die Sichtverhältnisse und die Akustik auf vielen Plätzen sicherlich zu wünschen ließ.

Aus diesem Grund gab es auch kein realistisches Spiel der ohnehin, sieht man vom Chor ab, geringen Zahl von Schauspielern. Der Schauspielstil war entsprechend stilisiert: Man deklamierte, sang im Chor, trug typisierende ▪ Masken und symbolische Kostüme und, wenn Gestik überhaupt ein Rolle spielte, dann nur in großer und weit ausholender Gebärde.

Die Sitzordnung des Publikums spiegelte die gesellschaftlichen Hierarchien wieder: Direkt vor der Orchestra hatten Priester und die höchsten Beamten der Polis ihre Plätze mit thronartigen Ehrensesseln, dahinter kamen die Ratsmitglieder und Fremde, die sich um die Polis verdient gemacht hatten, dann die männlichen Bürger und ganz oben, wo man von der Bühne besonders weit weg war, durften sich Frauen, Kinder und Sklaven niederlassen. (ebd., S.23)

Die Organisation des Dramenwettbewerbs

Die Durchführung des Dichter- bzw. Dramenwettbewerbs, der während der Dionysien ausgetragen wurde, vollzog sich von seiner Vorbereitung hin bis zur Durchführung in einem komplexen Produktionsablauf. An dem Wettbewerb nahmen Komödien teil, die in den ersten Tagen der Dionysien aufgeführt wurden, und Tragödien.

Neben der Auswahl geeigneter Stücke durch den bzw. einen »Archon, anfangs waren dies in der Regel Tetralogien, also Produktionen, die aus drei Tragödien und einem heiteren und befreienden »Satyrspiel mit burlesken Situationen (vgl. Schößler 2017, S.20) bestanden, musste die Finanzierung der Produktion gesichert werden. Dafür kamen nur die reichsten Bürger Athens in Frage, die entweder vom Archon ernannt oder später vom den Verwaltungsbezirken Athens (Phylen) ausgewählt wurden. Manchmal war dies einer, meist zwei, aber auch drei reiche Bürger der Polis, die damit zu Choregen ernannt wurden. Das Amt besaß einen hohen Prestigewert in der Gesellschaft und wurde oft zum Sprungbrett für eine aussichtsreiche politische Karriere. (vgl. Brauneck 2012, S.21)

Die Choregen hatten eine Menge zu bezahlen, denn die Produktionskosten für eine derartige tragische Tetralogie waren erheblich. Sie summierten sich aus Kosten für Ausstattung und Kostüme und aus finanziellen Zuwendungen, welche die zwei oder drei Schauspieler und der Flötenspieler erhielten, der den Chorgesang begleitete. Hinzukamen noch Aufwandsentschädigungen für die Chormitglieder (Choreuten) aus athenischen Bürgern, die diese für ihre umfangreiche, sich oft über Monate hinziehende Probenarbeit erhielten.

Die sich über Monate hinziehende Einstudierung der tragischen Tetralogien mündete in einer Vorabpräsentation der Stücke, die für die Dionysien vorgesehen waren. Während der Dionysien wurden dann die drei ausgewählten Tetralogien an drei aufeinander folgenden Tagen zur öffentlichen Aufführung gebracht und von einer Jury mit sorgsam bestimmten Mitgliedern bewertet und der Sieger des Wettbewerbs bestimmt.  (vgl. Hose 2012, S.176f.)

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 12.07.2025

 
 

 
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