Die »(Großen)
Dionysien, die zu Ehren des Gottes »Dionysos
veranstaltet und eine große Bedeutung für den Zusammenhalt des
griechischen Gemeinwesens hatten, erstreckten sich über mehrere Tage.
Hier kamen zahlreiche Theaterstücke in einem •
kultischen Rahmen zur Aufführung.
Sie
veränderten im Laufe der Zeit ihre Funktion, ohne aber
jemals ihren kultischen Ursprung vergessen zu lassen. Tragödien-
und Komödienaufführungen waren die wichtigsten und
massenwirksamsten Events dieser Großveranstaltungen.
Die vom »Archon,
einem hohen oder dem höchsten Beamten, ausgewählten
Theaterstücke wurden dabei unter
den Bedingungen eines
Wettbewerbs (gr. agón) vor vielen
tausend Zuschauern aufgeführt und am Ende zeichnete eine sorgsam
ausgewählte Jury die besten Stücke aus.
In der
Frühphase geschah dies auf der »Agora,
dem zentralen Fest-, Versammlungs-, Markt- und Kultplatz der
griechischen Polis (Stadtstaat), der nicht umsonst als
räumliche "Schnittstelle von Politik, Religion und Kunst" (Gödde
2008, S.95, zit. n.
Brauneck 2012, S.20) bezeichnet wird.
Später
inszenierte man in den großräumigen Theatern wie z. B.
dem »Dionysos
Eleuthereus unterhalb der »Akropolis
von Athen oder dem »Theater
in Epidaurus.
Diese Monumentalbauten sollten als
"Raumsymbole einer gesellschaftlichen Vision"(
Brauneck 2012, S.28) dienen.
Sie sollten einen Raum schaffen, der
dadurch den Zusammenhalt der Polis stärken sollte, dass er den Bürgern verschiedene
Partizipationsmöglichkeiten im agonalen Dramenwettstreit
zuwies: "Allen Bürgern wurde dadurch die Gemeinschaftsidee
der Polis unmittelbar erlebbar. Sie waren Publikum, aber
auch Mitgestalter des dramatischen Agons." (ebd.)
Die
Theateraufführungen fanden in der griechischen Antike draußen
statt.
Die
Freiluftaufführungen auf der »Antiken
Orchestrabühne (gr. orchestra = Tanzplatz) bot in ihrem Halbrund, das
mit einer neutralen Wand (Bühne, skene) und dem Ausblick in die
das Theater umgebende Landschaft als Hintergrund arbeitete,
Platz für viele tausend Zuschauer.
Die größten von ihnen wie die in »Epidaurus
(14.000) und »Ephesus
(24.000) fassten weit über zehntausend.
Da die Zuschauer in einem
Über-Halbrund um die Spielfläche platziert waren, gab es auch
kein illusionistisches Bühnenbild, wie wir es heute von der ▪
Guckkastenbühne her kennen. Dazu befand sich die Bühne in
einer vergleichsweise großen Entfernung zu den Zuschauern, so
dass die Sichtverhältnisse und die Akustik auf vielen Plätzen
sicherlich zu wünschen ließ.
Aus diesem Grund gab es auch kein
realistisches Spiel der ohnehin, sieht man vom Chor ab, geringen
Zahl von Schauspielern. Der Schauspielstil war entsprechend
stilisiert: Man deklamierte, sang im Chor, trug typisierende ▪
Masken und
symbolische Kostüme und, wenn Gestik überhaupt ein Rolle
spielte, dann nur in großer und weit ausholender Gebärde.
Die
Sitzordnung des Publikums spiegelte die gesellschaftlichen
Hierarchien wieder: Direkt vor der Orchestra hatten Priester und
die höchsten Beamten der Polis ihre Plätze mit thronartigen
Ehrensesseln, dahinter kamen die Ratsmitglieder und Fremde, die
sich um die Polis verdient gemacht hatten, dann die männlichen
Bürger und ganz oben, wo man von der Bühne besonders weit weg war,
durften sich Frauen, Kinder und Sklaven niederlassen. (ebd.,
S.23)
Die Organisation des Dramenwettbewerbs
Die Durchführung des Dichter- bzw. Dramenwettbewerbs, der während der
Dionysien ausgetragen wurde, vollzog sich von seiner
Vorbereitung hin bis zur Durchführung in einem komplexen
Produktionsablauf. An dem Wettbewerb nahmen Komödien teil, die
in den ersten Tagen der Dionysien aufgeführt wurden, und
Tragödien.
Neben der Auswahl geeigneter Stücke durch den bzw. einen
»Archon,
anfangs waren dies in der Regel Tetralogien, also
Produktionen, die aus drei Tragödien und einem heiteren und
befreienden »Satyrspiel mit burlesken Situationen (vgl.
Schößler 2017, S.20) bestanden, musste die Finanzierung
der Produktion gesichert werden. Dafür kamen nur die
reichsten Bürger Athens in Frage, die entweder vom Archon
ernannt oder später vom den Verwaltungsbezirken Athens
(Phylen) ausgewählt wurden. Manchmal war dies einer, meist
zwei, aber auch drei reiche Bürger der Polis, die damit zu
Choregen ernannt wurden. Das
Amt besaß einen hohen Prestigewert in der Gesellschaft und
wurde oft zum Sprungbrett für
eine aussichtsreiche politische Karriere. (vgl.
Brauneck 2012, S.21)
Die Choregen hatten eine Menge zu bezahlen, denn die
Produktionskosten für eine derartige tragische Tetralogie
waren erheblich. Sie summierten sich aus Kosten für
Ausstattung und Kostüme und aus finanziellen Zuwendungen,
welche die zwei oder
drei Schauspieler und der Flötenspieler erhielten, der den Chorgesang
begleitete. Hinzukamen noch Aufwandsentschädigungen für die
Chormitglieder (Choreuten) aus athenischen Bürgern, die
diese für ihre umfangreiche, sich oft über Monate
hinziehende Probenarbeit erhielten.
Die sich über Monate hinziehende Einstudierung der
tragischen Tetralogien mündete in einer Vorabpräsentation
der Stücke, die für die Dionysien vorgesehen waren. Während
der Dionysien wurden dann die drei ausgewählten Tetralogien
an drei aufeinander folgenden Tagen zur öffentlichen
Aufführung gebracht und von einer Jury mit sorgsam
bestimmten Mitgliedern bewertet und der Sieger des
Wettbewerbs bestimmt. (vgl.
Hose 2012, S.176f.)
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
12.07.2025
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