Die ▪ Tragödie
ist in der ▪ griechischen Antike
als ▪
dramatische Gattung
entstanden und und ihre ▪
Formen wurden in späterer Zeit
immer wieder verändert. Vielen gilt und galt sie als die "höchste"
(dramatische)
Gattung
schlechthin.
Wie sie
entstanden ist und sich in der Antike entwickelt hat,
lässt sich in der griechischen und der römischen Antike
beobachten.
In Griechenland
ist dies die Zeit zwischen 472 v. Chr. (Jahr,
in dem die »Perser
von »Aischylos
(525-456 v. Chr.) aufgeführt werden) und dem Ende des 5.
Jahrhunderts mit den letzten Stücken von »Sophokles
(497/496-406/405 v. Chr.) und »Euripides
(480-406 v. Chr.).
In der römischen Antike
umfasst dies den Zeitraum von ca.
50 bis 70 n. Chr. mit dem so genannten Corpus Seneacum, einer
Sammlung von zehn Dramen, darunter "neun Tragödien nach
zentralen griechischen Mythen"
(Hose
2012, S.189), die »Seneca
(1-65 n. Chr.) verfasst hat. (vgl.
Hose 2012, S.174)
Als "Erfinder" der athenischen Tragödie gilt der griechische
Dichter »Thespis,
der für eine Dionysien-Feier während der 61. Olympiade (535-532
v. Chr.) erstmals ein neuartig konzipiertes Drama zur Aufführung brachte,
das sich von den bis dahin verbreiteten dramatischen Formen (z.
B. dem bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. entstandenen »Dithyrambos) abhob.
Im Gegensatz zu diesen stellte er dem bis dahin allein, mit menschlichen Masken, singenden
und tanzenden »Chor
erstmals einen Schauspieler (in der Tracht des Dionysos)
gegenüber, wodurch sich neue dramaturgische Möglichkeiten für
das Spiel ergaben.
Die Tendenz weg vom
• Chor hin zum
Schauspieler nimmt dann in der Entwicklung der Tragödie in
Griechenland im Laufe der Jahrzehnte weiter so zu, dass im späten 5.
Jahrhundert "die Lieder des Chores nur noch Zutat zum Stück
waren, die nichts Wesentliches zum Gehalt beitrugen und
austauschbar - oder auslassbar - wurden." (ebd.,
S.180)
Diese Entwicklung schlug sich auch in der abnehmenden dramaturgischen
Bedeutung der •
Orchestra, dem vor dem Zuschauerraum befindlichen
kreisrunden oder halbkreisförmigen Auftrittsbereich des Chores,
nieder. In »hellenistischer Zeit, wo auch andere
architektonische Umbauten an den griechischen Theaterbauten
stattfanden, wurde sie "allenfalls noch für musikalisch-chorische
Darbietungen oder für virtuose Auftritte von Pantomimen genutzt."(Brauneck
2012, S.26)
Dass »Thespis
die Tragödie gerade dann "erfand" oder "erfinden" konnte, als in
Athen der Tyrann
»Peisistratos (um 600–528/527 v. Chr.) herrschte, ist
indessen kein Zufall. Denn dieser machte den »Dionysoskult
zum Staatskult von Athen und führte dazu auch die »(Großen)
Dionysien ein.
Was Peisistratos und seine ihm folgenden Söhne »Hippias
und »Hipparchos
während der so genannten
Peisistratiden-Tyrannis in Athen bewogen hat, eine solche
"ambitionierte Kulturpolitik"
(ebd.,
S.174) zu betreiben, erklärt sich wohl aus ihrem Bestreben,
damit "die Loyalität breiter Bevölkerungsschichten gewinnen" zu
wollen.
So lässt sich offenbar "vermuten, dass Thespis'
Schöpfung der Tragödie in Athen im Interesse der Peisistratiden
erfolgte" (ebd.,
S.175) und ihren Zielen diente, "die über Jahrzehnte hin in
mannigfaltigen Konflikten verstrickten sozialen Gruppen und
aristokratischen Familienclans zu befrieden." (Brauneck
2012, S.15)
Es war »Kleisthenes
(570-507 v. Chr.), der gegen Ende des 6. Jahrhunderts aber
die Großen Dionysien von dieser die Tyrannis und ihre Ziele
stützenden Instrumentalisierung im Zuge seiner umfassenden
Reformpolitik (»Kleisthenische
Reformen) befreite und zu einer Manifestation machte, mit
der sich die dann demokratisch verfasste Polis selbst feierte
und nach innen und außen präsentierte. (vgl.
ebd,
S.22)
Die Tragödie als intellektuelle Leitgattung der griechischen
Kultur
Dass sich die
antike Tragödie gemeinsam mit
der • antiken Komödie zu
den dramatischen Leitgattungen entwickelten, die Tragödie im 5.
Jahrhundert gar zur "intellektuellen Leitgattung der
griechischen Kultur"
(Hose 2012,
S.179) avancierte, hat verschiedene Ursachen.
Die wichtigste
war wohl die Tatsache, dass die Tragödie athenischer Prägung,
welche die bedeutendste ihrer Zeit war, einen festen Platz im Rahmen
besonderer kultischer Feste in
»Attika, dem zur
»Polis von »Athen
gehörigen Land, eingenommen hat. Zu solchen
Festen zählten die »(Großen)
Dionysien, die »Lenäen
und die Ländlichen Dionysien.
Begonnen hat das antike griechische Theater wohl mit einem
• Chor während der ersten Dionysien um 600 v. Chr..
Hier soll ein
Chor in Korinth, dessen Mitglieder als Böcke verkleidet waren, in
einem Opferritual "die lokale Gottheit Dionysos Lysios mit einem
exzentrischen Kultruf, dem »Dithyrambos,"
(Denk/Möbius
2008, S.26) angerufen haben.
Später, etwa ab der Mitte des
6. Jahrhunderts, ist dieser Bocksgesang auch für Athen
nachgewiesen. Dort wird er von dem Tyrannen
»Peisistratos (um 600–528/527 v. Chr.), der den »Dionysoskult
zum Staatskult von Athen machte, auf den Gott
»Dionysos
Eleuthereus übertragen und in die so genannten »(Großen)
Dionysien eingebracht. (vgl.
ebd.)
Tragödien ersetzen dabei auch mehr und mehr den »Dithyrambos, der eine emotionalisierte
enthusiastisch-ekstatische Form des antiken Chorliedes
darstellte. Dabei blieben trotz der ästhetischen Überformung der
archaischen Kultelemente auch in den dramatischen Gestaltungen
des Dithyrambos und der Tragödien die den ursprünglichen Mythos
prägenden Gegensätze von zwei diametral entgegengesetzten
existenziellen Haltungen erhalten. Insbesondere
"Tanz und Gesang der Chöre ließen bei aller Überformung die
Bewegungsdynamik und musikalische Atmosphäre des kultischen
Brauchtums noch erahnen." (Brauneck
2012, S.20)
Bis heute wird die Begriff des Adjektivs "dithyrambisch" als
über alle Maße begeistert und schwärmerisch davon abgeleitet.
Im Übrigen hat die so genannte Dithyramben-Dichtung bis in
die
»empfindsame Lyrik »Friedrich
Gottlieb Klopstocks (1724-1803) (z. B. ▪
Auf meine Freunde, 1747) nachgewirkt und auch einige Hymnen
des jungen »Johann
Wolfgang von Goethe (1749-1832) (z. B. »Wandrers
Sturmlied (1771) können der Dithyramben-Dichtung zugeordnet
werden.
Gert Egle. zuletzt bearbeitet am:
14.07.2025
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