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Entstehungsgeschichte

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Dramatische Texte Genres/GattungenTragödie Antike griechische Tragödie

 
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Literatur:▪ Autorinnen und Autoren Gattungen Erzählende Texte  Dramatische TexteÜberblick Strukturen dramatischer Texte Genres/Gattungen Überblick Tragödie Überblick Formen Antike griechische Tragödie [ EntstehungsgeschichteÜberblick Der Begriff der Tragödie und seine genealogische Bedeutung Der institutionelle kultische Kontext der griechischen TragödieOrte und Organisation der Aufführungen Gründe für den Erfolg der Tragödie als Gattung ] Rolle des Chores in der griechischen Tragödie Das griechische Theater als Maskentheater  Bürgerliches Trauerspiel Komödie Theorie des Dramas Didaktik: Das Drama im Literaturunterricht Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten Links ins Internet Textauswahl Bausteine Lyrische Texte Literarische Zweckformen Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schulische Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch ANALYSE UND INTERPRETATION EINES DRAMATISCHEN TEXTES
 

Die ▪ Tragödie ist in der ▪ griechischen Antike als ▪ dramatische Gattung entstanden und und ihre ▪ Formen wurden in späterer Zeit immer wieder verändert. Vielen gilt und galt sie als die "höchste" (dramatische) Gattung schlechthin.

Wie sie entstanden ist und sich in der Antike entwickelt hat, lässt sich in der griechischen und der römischen Antike beobachten.

In Griechenland ist dies die Zeit zwischen 472 v. Chr. (Jahr, in dem die »Perser von »Aischylos (525-456 v. Chr.) aufgeführt werden) und dem Ende des 5. Jahrhunderts mit den letzten Stücken von »Sophokles (497/496-406/405 v. Chr.) und »Euripides (480-406 v. Chr.).

In der römischen Antike umfasst dies den Zeitraum von ca. 50 bis 70 n. Chr. mit dem so genannten Corpus Seneacum, einer Sammlung von zehn Dramen, darunter "neun Tragödien nach zentralen griechischen Mythen"  (Hose 2012, S.189), die »Seneca (1-65 n. Chr.) verfasst hat. (vgl. Hose 2012, S.174)

Als "Erfinder" der athenischen Tragödie gilt der griechische Dichter »Thespis, der für eine Dionysien-Feier während der 61. Olympiade (535-532 v. Chr.) erstmals ein neuartig konzipiertes Drama zur Aufführung brachte, das sich von den bis dahin verbreiteten dramatischen Formen (z. B. dem bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. entstandenen »Dithyrambos) abhob.

Im Gegensatz zu diesen stellte er dem bis dahin allein, mit menschlichen Masken, singenden und tanzenden »Chor erstmals einen Schauspieler (in der Tracht des Dionysos) gegenüber, wodurch sich neue dramaturgische Möglichkeiten für das Spiel ergaben.

Die Tendenz weg vom • Chor hin zum Schauspieler nimmt dann in der Entwicklung der Tragödie in Griechenland im Laufe der Jahrzehnte weiter so zu, dass im späten 5. Jahrhundert "die Lieder des Chores nur noch Zutat zum Stück waren, die nichts Wesentliches zum Gehalt beitrugen und austauschbar - oder auslassbar - wurden." (ebd., S.180)

Diese Entwicklung schlug sich auch in der abnehmenden dramaturgischen Bedeutung der • Orchestra, dem vor dem Zuschauerraum befindlichen kreisrunden oder halbkreisförmigen Auftrittsbereich des Chores, nieder. In »hellenistischer Zeit, wo auch andere architektonische Umbauten an den griechischen Theaterbauten stattfanden, wurde sie "allenfalls noch für musikalisch-chorische Darbietungen oder für virtuose Auftritte von Pantomimen genutzt."(Brauneck 2012, S.26)

Dass »Thespis die Tragödie gerade dann "erfand" oder "erfinden" konnte, als in Athen der Tyrann »Peisistratos (um 600–528/527 v. Chr.) herrschte, ist indessen kein Zufall. Denn dieser machte den »Dionysoskult zum Staatskult von Athen und führte dazu auch die »(Großen) Dionysien ein.

Was Peisistratos und seine ihm folgenden Söhne »Hippias und »Hipparchos während der so genannten Peisistratiden-Tyrannis in Athen bewogen hat, eine solche "ambitionierte Kulturpolitik" (ebd., S.174) zu betreiben, erklärt sich wohl aus ihrem Bestreben, damit "die Loyalität breiter Bevölkerungsschichten gewinnen" zu wollen.

So lässt sich offenbar "vermuten, dass Thespis' Schöpfung der Tragödie in Athen im Interesse der Peisistratiden erfolgte" (ebd., S.175) und ihren Zielen diente, "die über Jahrzehnte hin in mannigfaltigen Konflikten verstrickten sozialen Gruppen und aristokratischen Familienclans zu befrieden." (Brauneck 2012, S.15)

Es war »Kleisthenes (570-507 v. Chr.), der gegen Ende des 6. Jahrhunderts aber die Großen Dionysien von dieser die Tyrannis und ihre Ziele stützenden Instrumentalisierung im Zuge seiner umfassenden Reformpolitik (»Kleisthenische Reformen) befreite und zu einer Manifestation machte, mit der sich die dann demokratisch verfasste Polis selbst feierte und nach innen und außen präsentierte. (vgl. ebd, S.22)

Die Tragödie als intellektuelle Leitgattung der griechischen Kultur

Dass sich die antike Tragödie gemeinsam mit der • antiken Komödie zu den dramatischen Leitgattungen entwickelten, die Tragödie im 5. Jahrhundert gar zur "intellektuellen Leitgattung der griechischen Kultur" (Hose 2012, S.179) avancierte, hat verschiedene Ursachen.

Die wichtigste war wohl die Tatsache, dass die Tragödie athenischer Prägung, welche die bedeutendste ihrer Zeit war, einen festen Platz im Rahmen besonderer kultischer Feste in »Attika, dem zur »Polis von »Athen gehörigen Land, eingenommen hat. Zu solchen Festen zählten die »(Großen) Dionysien, die »Lenäen und die Ländlichen Dionysien.

Begonnen hat das antike griechische Theater wohl mit einem • Chor während der ersten Dionysien um 600 v. Chr.. Hier soll ein Chor in Korinth, dessen Mitglieder als Böcke verkleidet waren, in einem Opferritual "die lokale Gottheit Dionysos Lysios mit einem exzentrischen Kultruf, dem »Dithyrambos," (Denk/Möbius 2008, S.26) angerufen haben.

Später, etwa ab der Mitte des 6. Jahrhunderts, ist dieser Bocksgesang auch für Athen nachgewiesen. Dort wird er von dem Tyrannen »Peisistratos (um 600–528/527 v. Chr.), der den »Dionysoskult zum Staatskult von Athen machte, auf den Gott »Dionysos Eleuthereus übertragen und in die so genannten »(Großen) Dionysien eingebracht. (vgl. ebd.)

Tragödien ersetzen dabei auch mehr und mehr den »Dithyrambos, der eine emotionalisierte enthusiastisch-ekstatische Form des antiken Chorliedes darstellte. Dabei blieben trotz der ästhetischen Überformung der archaischen Kultelemente auch in den dramatischen Gestaltungen des Dithyrambos und der Tragödien die den ursprünglichen Mythos prägenden Gegensätze von zwei diametral entgegengesetzten existenziellen Haltungen erhalten. Insbesondere "Tanz und Gesang der Chöre ließen bei aller Überformung die Bewegungsdynamik und musikalische Atmosphäre des kultischen Brauchtums noch erahnen." (Brauneck 2012, S.20)

Bis heute wird die Begriff des Adjektivs "dithyrambisch" als über alle Maße begeistert und schwärmerisch davon abgeleitet. Im Übrigen hat die so genannte Dithyramben-Dichtung bis in die »empfindsame Lyrik »Friedrich Gottlieb Klopstocks (1724-1803) (z. B. ▪ Auf meine Freunde, 1747) nachgewirkt und auch einige Hymnen des jungen »Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) (z. B.  »Wandrers Sturmlied (1771) können der Dithyramben-Dichtung zugeordnet werden.

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 14.07.2025

 
 

 
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