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Allgemeine Expositionsanalyse

Überblick


Bei der  allgemeinen Expositionsanalyse eines Dramas der geschlossenen Form richtet man seine Aufmerksamkeit auf sämtliche relevanten Aspekte der Exposition. Dabei darf man sein Augenmerk allerdings nicht nur auf den gesprochenen Haupttext richten, sondern muss die Plurimedialität des dramatischen Textes berücksichtigen, um allen Schichten und Dimensionen des dramatischen Textes gerecht werden zu können. Denn gerade der Nebentext in Form von Bühnenanweisungen i. e. S. kann eine Vielzahl von expositorischen Informationen enthalten, die dem Zuschauer im Bühnenbild, in Requisite und Kostüm codiert, wichtige Informationen über story und plot des dramatischen Geschehens vermitteln können.

1. Die Analyse der Gegenstandsbereiche

Bei der allgemeinen Expositionsanalyse empfiehlt es sich, die relevanten expositorischen Informationen nach den verschiedenen Gegenstandsbereichen zu erfassen.

Herauszuarbeiten sind daher die Informationen

  • über die Vorgeschichte
  • über die Hauptpersonen
  • über die zeitliche Situierung der Handlung
  • über die Lokalisierung der Handlung

Dabei sollten Ansätze einer systematischen Gliederung gewählt werden, mit deren Hilfe sich die Informationen zu den einzelnen Gegenstandsbereichen ordnen lassen. So kann z. B. das Kriterium der Verwandtschaftsverhältnisse bei der Exposition der Figuren oder deren soziale Stellung herangezogen werden.

2. Die Analyse des Zeitbezugs der expositorischen Informationen

Die expositorischen Informationen müssen desweiteren unter dem Blickwinkel ihres Zeitbezugs erfasst werden. Dabei werden die Informationen ermittelt, die Aufschluss über die Vorgeschichte, die Gegenwart und die Zukunft des dramatischen Geschehens geben. Dabei sind die folgenden Zeitbezüge zu beachten:

  • präteritaler Zeitbezug (Vorgeschichte)

  • präsentischer Zeitbezug (aktuelle Bühnenhandlung)

  • futurischer Zeitbezug (Zukunft des dramatischen Geschehens)

Auch dabei müssen Haupt- und Nebentext beachtet werden.

3. Monologische oder dialogische Vermittlung der expositorischen Informationen

Untersucht werden muss bei der allgemeinen Expositionsanalyse auch die Frage, ob die expositorische Informationsvergabe in Form eines Monologs oder eines Dialogs erfolgt.

  • Bei der monologischen Form der Vermittlung ist zu klären, ob die Information durch eine spielinterne oder spielexterne Figur erfolgt.
  • Bei der dialogischen Form ist herauszuarbeiten, ob es sich um einen dialogisierten Monolog oder um einen echt dialoghaften Dialog handelt.

4. Eröffnungsdreischritt

Einen weiteren Aspekt der allgemeinen Expositionsanalyse stellt die Untersuchung des so genannten Eröffnungsdreischritts von dramatischem Auftakt, eigentlicher Exposition und "erregendem Moment" dar.

5. Die Beurteilung der Exposition

In einem letzten Schritt ist zu fragen, ob die Exposition gelungen ist. Hier muss z. B. geklärt werden, ob der Zuschauer alle nötigen Informationen so rechtzeitig erhält, dass er den Handlungsverlauf verstehen kann. Wenig gelungen sind dann natürlich solche Expositionen, die zu einem vergleichsweise späten Zeitpunkt, sofern nicht vom Autor beabsichtigt, wichtige Informationen "nachreichen" müssen. Im Drama der geschlossenen Form übernimmt im Allgemeinen der 1. Akt die Rolle der Exposition. Dabei ist entscheidend, inwieweit es dem Autor gelingt, die expositorische Informationsvergabe so in die dramatische Handlung einzubauen, dass der Zuschauer bei seiner Rezeption der dramatischen Handlung (plot) diese substantiell wichtigen Informationen quasi en passant erhält.

6. Beispiele

 

     
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