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Ich bin ein Kumpel. Seit zehn Jahren sitze ich emanzipiert regelmäßig
nach Feierabend in einer Runde von Männern. Ich trinke das gleiche
Quantum Bier und Schnaps. Ich bemühe mich, genau wie sie schallend,
brüllend und wiehernd zu lachen und nicht durch weiblich-melodisches
Lachen aufzufallen. Verfalle ich doch einmal in ein Kichern, sehe ich
scheu um mich und hoffe, dass keiner es bemerkt hat. Frauen und Mädchen, die an unserem Tisch vorbeigehen, beurteile ich
ebenso fachmännisch wie alle anderen in der Runde. Ich lächle
wohlwollend, wissend und kennerisch, wenn einer der Rundenfreunde mit
einem Mädchen davongeht. Wir Zurückbleibenden zwinkern uns
verständnissinnig zu, und das Gespräch und das Gelächter gehen weiter.Wie ich Kumpel wurde? Ich liebte einen, der mit in der Runde sitzt. Ich wollte immer in seiner Nähe sein. Ich setzte mich in seinen Kreis und gedachte, ihn so zu gewinnen. Es brauchte damals anderthalb Jahre, bis sich die Männer an mich gewöhnten. Heute, so glaube ich, haben sie Gottseidank vergessen, dass ich eine Frau bin. Ich lege auch kein Make-up mehr auf, tusche nicht mehr die Wimpern, färbe nicht mehr die Haare; ich bevorzuge flache Büstenhalter. Übrigens hat der Mann, den ich liebte, zwei Jahre nach meinem Eintritt in die Runde geheiratet. Nicht mich. In der Folgezeit weilte er vorübergehend nur selten unter uns. Aber irgendwann später ist er dann endgültig heimgekehrt in unseren Kreis. Meist sitze ich neben ihm. Seine Frau begleitet ihn nie. Ich kann mich schon ganz kumpelhaft nach ihr und den Kindern erkundigen. Er sieht mich dann an wie Hans und Franz und gibt Auskunft. Wir sind ja alle nur Menschen. Seit zehn Jahren bin ich ein vollwertiges Mitglied der Runde. Letzte Woche sah ich im Waschraum im Spiegel ein seltsam fremdes Gesicht. Muss aber wohl doch meins gewesen sein. Ich bin ein Kumpel. Nur Witze erzählen kann ich noch nicht. Irgendwann reiße ich kumpelhaft den Stuhl, auf dem ich sitze, in die Höhe, zerschmettere ihn und schlage mit einem Stuhlbein meinen Kumpels die Köpfe ein. (aus: Angela Stachowa, Stunde zwischen Hund & Katz, Erzählungen, Mitteldeutscher Verlag Halle-Leipzig, 2. Aufl. 1976, S.179-180) |
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| Arbeitsanregungen: Interpretieren Sie die Geschichte.
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