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Friedrich Schiller

Personen und Begegnungen

Ausgewähltes Personenregister

 

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Toscani, Anna Elisabeth
(1761 - 1799)

Schauspielerin am Mannheimer Nationaltheater;
Schülerin der aus Lessings "Hamburgischer Dramaturgie" bekannten Schauspielerin Friederike Sophie Hensel-Seyler; kommt 1779 mit ihrem Mann an das Mannheimer Nationaltheater;
spielt bei der Uraufführung von Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" am 13.1.1782 die Rolle der Amalia;
Iffland findet in seinen Erinnerungen (1799) nur bitterböse Worte über seine ehemalige Kollegin "einer gewissen Toskani": "Als eine Schülerin der Madam Seyler, vergaß sie alles, was sie diesem Hause schuldig war, so bald und so sehr, daß sie auf einer Probe, bey einer kaltblütigen, vorsetzlichen Uebertretung der Theatergesetze, auf die ruhigste Zurechtweisung des Direktors Seyler, mit steigender Unart und so hämischer Kälte und offenbarem Hohn antwortete, daß der gekränkte, vom Gefühl des schändlichen Undanks überwältigte, lebhafte Mann, da sie eben eine boshafte Tirade ihm dicht unter die Augen sagte – sich vergaß und mit der Hand antwortete. Dem Freyherrn von Dalberg, welcher Seylern ehrte und liebte, war dieser Vorgang äußerst schmerzlich.
Auf höhern Befehl wurde eine Comitee von churfürstlichen Räthen niedergesetzt. Es wurden Zeugen verhört, Protokoll formiert und abgeurtheilt. Die Familie Seyler wurde nach den Theatergesetzen »wegen unsittlicher Aufführung« entlassen. Die Toskani zahlte »wegen Widersetzlichkeit« eine Wochengage Strafe. Der Ausspruch wurde von dem Staatsminister von Oberndorf bestätigt. Der Buchstabe des Gesetzes hatte entschieden.
Ob aber Seyler, der vier Jahre vorher mit seinem Theater von Dresden nach Manheim berufen wurde, [...]  deßhalb nicht eine andere Rücksicht verdient hätte, wenn besonders die erwiesene, von Zeugen bestätigte, offenbare, vorsetzliche, injurierende Reitzung und Widersetzlichkeit der Gegnerin mit dem Verlust einer Wochengage als ausgeglichen erachtet werden konnte – das überlasse ich der Ueberzeugung jener Comitee, welche freylich den Buchstaben des Gesetzes in Seylers Vergehen furchtbar gerächt hat.
Das Publikum, so wenig es für Seylers gestimmt war, urtheilte anders. Es belegte die Toskani mit der Gleichgültigkeit, welche sie verdiente. Von niemand beachtet, wurde sie ein Jahr darauf durch Entlassung dem Ueberdruß der Zuschauer entrissen."

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