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Aspekte der Szenenanalyse - I,2

Wechselnde Deutungsperspektiven und ihre Bedeutung für die Rezeption


FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren Friedrich SchillerBiographie
Werke Dramatische WerkeDie Räuber ● Maria Stuart Überblick Didaktische und methodische Aspekte  Entstehungsgeschichte Historischer Hintergrund StoffgeschichteAufbau und Komposition HandlungsverlaufÜberblick Akte und Szenen Inhaltsüberblick Akt- und Szenenschema ● Erster AktAspekte der Aktanalyse Szenenüberblick I,1 I,2 - Maria im Gespräch mit Paulet, den sie um die Überbringung eines Briefes an Elisabeth bittet Text I,2 [ Aspekte der Szenenanalyse Wechselnde Deutungsperspektiven und ihre Bedeutung für die Rezeption ]Bausteine ] I,3 I,4 I,5 I,6 I,7 I,8 Bausteine  2. Akt 3. Akt 4. Akt 5. Akt Szenenbilder/Illustrationen Figurengestaltung Einzelne Figuren Sprachliche Form Interpretationsansätze Aufführungsberichte und - kritiken Bausteine Häufig gestellte Fragen (FAQs) Links ins Internet Lyrische Werke Sonstige Werke Bausteine Links ins Internet  Quickie für Eilige: So analysiert man eine dramatische Szene W-Fragen zur systematischen Szenenanalyse Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten

Strukturen dramatischer Texte
Exposition im Drama der geschlossenen Form
Allgemeine Expositionsanalyse
Aspektorientierte Expositionsanalyse
Perspektiven und Perspektivenstrukturen im dramatischen Text
Parallelisierung, Kontrastierung und Symmetrierung von Szenen, Personen, Wechselreden und Positionen

Analyse einer dramatischen Szene

In der ▪ zweiten Szene des ▪ 1. Aktes von ▪ Friedrich Schillers Drama ▪ Maria Stuart, tritt ▪ Maria zum ersten Mal auf. Sie setzt sich mit ihrem Wächter ▪ Amias Paulet über ihre Haftbedingungen und den Fortgang des gegen sie angestrengten Prozesses auseinander und bittet ihn zugleich, einen Brief ▪ Elisabeth persönlich zu übergeben. In diesem Brief, über dessen Inhalt Maria ihren Wächter informiert, bittet sie Elisabeth ▪ um eine persönliche Unterredung (V 168f.).

Die Szene erfüllt wichtige Aufgaben im Rahmen der Exposition des Dramas. Dabei geht es um die unmittelbare Vorgeschichte, darunter die Tatsache, dass man sie über den Ausgang des schon vor ▪ vier Wochen gegen sie angestrengten Prozesses (V 216) im Unklaren lässt. Die Informationen, die der Zuschauer dadurch über das Geschehen erhält, erfolgen dabei weitgehend handlungsintern und in Form eines mehr oder weniger echten Dialogs zwischen Maria und Paulet.


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Die expositionelle Informationsvergabe bezieht sich dabei auf die Vorgeschichte, die Gegenwart und und die Zukunft des dramatischen Geschehens. Sie verweisen neben ihres der analytischen Struktur des Gesamtdramas geschuldeten dominanten ▪ Zukunftsbezugs auf einzelne Momente der Vorgeschichte (präteritaler Expositionsbezug) und geben dem Zuschauer zahlreiche Informationen über die Dramengegenwart (präsentischer Expositionsbezug) und ihre Deutung durch die Akteure.

Während die Exposition in der vorausgehenden ersten Szene des Dramas allerdings aus der sogenannten "Domestikenperspektive", der Perspektive Bediensteter, und zwar der Nebenfiguren, der Amme Marias, Hanna Kennedy, und ihres Wächters, Amias Paulet, erfolgt, ist es nun die Hauptfigur Maria Stuart selbst, die mit ihren Äußerungen dem Zuschauer einen ersten Einblick über ihre Sicht der Dinge gibt.


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Charakteristisch für die strukturbildende "Unruhe" des Stückes, das immer wieder "mit einer anderen Deutung des gleichen Zusammenhangs oder mit einer überraschenden Wendung, die alles zuvor Dargestellte in Frage stellt" (Vonhoff 2005, S.160), ist auch Schillers Gestaltung der ▪ Perspektivenstruktur seines Dramas. Sie hat neben den verschiedenen Handlungsumschwüngen, welche die Handlung immer wieder für eine Zeitlang in andere Richtung voranzureiben scheinen, einen großen Anteil daran hat, dass das ziemlich handlungsarme Stück immer wieder "dramatisiert" wird und dem Zuschauer einiges abverlangt.

Die Polyperspektivität miteinander "konkurrierender" Figurenperspektiven, die Schillers Drama mit seinen vielfältigen Kontrast- und Korrespondenzbeziehungen auszeichnen, dienen dabei nicht nur der Spannungserzeugung, sondern verlangen "vom Zuschauer eine stetige Aufmerksamkeit und die fortgesetzte Bereitschaft zur Revision seines Urteils." (Vonhoff 2005, S.160) Um sich in dieser "perspektivische(n) Abschattung"  (Pfister 1977, S.90) des jeweiligen Blickwinkels zurechtzufinden, bietet Schiller über die formalästhetischen Prinzipien der ▪ Komposition seines Dramas wie z. B. ▪ Parallelisierung, Kontrastierung und Symmetrierung von Szenen, Personen, Wechselreden und Positionen Strukturen an, mit deren Hilfe sich der Zuschauer in den miteinander "konkurrierenden" Figurenperspektiven und den "Extremen und Polaritäten", den "dramatischen Umschlägen und gehäuften Effekte" (Sautermeister 1992/2005, S.288) orientieren kann. Ob und inwieweit sich auf diesem Weg in dieser ▪ geschlossenen, zum Teil auch ▪ offen wirkenden Perspektivenstruktur, die ▪ auktorial intendierte Rezeptionsperspektive zweifelsfrei ermitteln lässt, ist Gegenstand der literaturwissenschaftlichen Forschung.

Um sich nicht in den in der vorigen Szene I,1 dargebotenen ▪ dramatischen Figurenperspektiven zu verfangen, muss sich der Zuschauer rasch von Domestikenperspektive ▪ Hanna Kennedys und ▪ Amias Paulets lösen (Hanna spricht in I,1 von der "Jammervolle(n)", V 25 und "Unglücksselige(n)" V,86 und Paulet hingegen von der "unheilbrütend Listige(n)", V, 132 und der "ränkevollen Königin", V.141). So kann er mit dem erstmaligen Auftreten ▪ Maria Stuarts durchaus erkennen, dass Hanna eigentlich "ungebührlich parteiisch, fast schwärmerisch" (Vonhoff 2005, S.161) in ihrem Urteil ist und Paulet, sich nicht wie zu Beginn beim Aufbrechen von Marias Pult, als brutal oder skrupellos herausstellt, sondern als durchaus verständig, in einer Weise, dass er auch von Maria als "Sachwalter" akzeptiert wird. (vgl. ebd.) Und: "Anders als Paulet mutmaßte, betritt Maria Stuart die Bühne mit disziplinierter Schwermut. Todesahnungen überschatten ihre Hoffnung auf eine Unterredung mit Englands Königin Elisabeth und auf ein gerechtes Urteil des englischen Parlaments." (Sautermeister 1992/2005, S.286)

Schiller zeigt sich gerade in der dramaturgisch gezielt eingesetzten strukturbildenden "Unruhe" in dem sonst weitgehend handlungsarmen Stück (Vonhoff 2005, S.161) als Meister der "Strategie des Überraschens, Überrumpelns und der dramatischen Täuschung" (Sautermeister 1992/2005, S.286), die er immer wieder als Mittel auktorialer Rezeptionslenkung zur Spannungserzeugung verwendet.

Dies zeigt sich an verschiedenen weiteren Stellen des Dramas. Im konkreten Fall des unmittelbaren Handlungskontexts von Szene I,2 geschieht dies unter anderem dadurch, dass die geplante Rettungsaktion Mortimers die Situation "postwendend (dramatisiert)" (ebd.)

"Mortimer, der anscheinend rohe Neffe des Gefängniswärters, enthüllt sich als Ästhet, diensteifriger Bote und Parteigänger Marias: das Urteil des Parlaments laute auf Tod und Hinrichtung, wovor er sie zu retten gedenken. Die Furcht des Theaterpublikums vor der Katastrophe und die Hoffnung auf das Gelingen des Rettungsplans halten einander die Waage. Dieses unschlichtbare Spannungsverhältnis lebenszerstörender und lebenserhaltender Kräfte beutet Schiller sorgfältig aus." (ebd.)

Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten

Strukturen dramatischer Texte
Exposition im Drama der geschlossenen Form
Allgemeine Expositionsanalyse
Aspektorientierte Expositionsanalyse
Perspektiven und Perspektivenstrukturen im dramatischen Text
Parallelisierung, Kontrastierung und Symmetrierung von Szenen, Personen, Wechselreden und Positionen

Analyse einer dramatischen Szene

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.05.2021

 
 

 
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