teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte- So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

Schiller, Maria Stuart: Interpretationsansätze

Überblick

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren Friedrich SchillerBiographie
Werke Dramatische WerkeDie Räuber  ● Maria Stuart Überblick Didaktische und methodische Aspekte Entstehungsgeschichte Historischer Hintergrund StoffgeschichteAufbau und KompositionHandlungsverlauf Figurengestaltung Einzelne Figuren Sprachliche Form [ Interpretationsansätze Überblick] Aufführungsberichte und - kritiken Bausteine Häufig gestellte Fragen (FAQs)Links ins Internet Lyrische Werke Sonstige Werke Bausteine Links ins Internet  Quickie für Eilige: So analysiert man eine dramatische Szene W-Fragen zur systematischen Szenenanalyse Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch
 

Strukturen dramatischer Texte

 

Zunächst ist man geneigt, das Stück als ein Geschichtsdrama über die Auseinandersetzung der beiden Rivalinnen um den englischen Thron zu lesen, weil die Vielzahl der von Schiller verarbeiten historischen Bezüge diesen ▪ historischen Hintergrund immer wieder aufscheinen lassen. Doch mit dieser Lesart betritt man "dünnes Eis", denn in der literaturwissenschaftlichen Forschung ist die Frage, welche Bedeutung das Geschichtliche für das Verständnis dieses Dramas besitzt sehr umstritten.

So ist Herbert Kraft (1978, S.246-251, zit. n. Grawe 2011, S.212ff.) nicht einmal damit zufrieden "von einer Enthistorisierung des Konflikts" durch Schiller zu sprechen, sondern wirft ihm vor, die Geschichte bewusst dadurch verfälscht zu haben, dass "den politischen Auseinandersetzungen der Grund in den charakterlichen Mängeln der Repräsentanten eines Staates zugeschrieben wird" und "das Charakterdrama aus der Historie gelöst, ihm durch die Verselbständigung die geschichtliche Grundlage entzogen und die Perspektive genommen" werde.

Krafts Urteil schließt dabei bewusst an die Rezension einer Maria-Stuart-Aufführung aus dem Jahr 1832 in Düsseldorf durch den Dramatiker des ▪ Vormärz »Christian Dietrich Grabbe (1801-1836) an, der betonte: "Zwei Königinnen vergessen vor Neid und Leidenschaft Rang und Krone und werden einander scheltende Weiber, jede Rücksicht aus den Augen setzend, außer den bitteren Anzüglichkeiten." So habe es Schiller offenbar nicht darauf abgesehen, "die großen Notwendigkeits- und Weltverhältnisse, welche ▪ Elisabeth leiteten zum Hebel einer Tragödie zu machen, sondern er hat die Handlung in einen engen Kreis von kleinlicher Intrige und Eifersucht gebannt." (zit. n. Grawe 2011, S.163f.)

Kraft stellt sich auch der Auffassung entgegen, dass die Veränderung der historischen Fakten durch Schiller dadurch legitimiert werden könne, dass in dem Charakterdrama die Geschichte durch ihre Reduktion auf die Perspektiven darin agierender Figuren so gar stärker verdeutlicht und kommentiert werden könne, denn dies führe letzten Ende "zu einem Geschichtsbild, in welchem die geschichtlichen Dimensionen zur Vergangenheit ohne Fakten und zu einer Zukunft ohne Perspektive verfälscht sind." (Kraft (1978, zit. n. Grawe 2011, S.214)

Gegen eine enthistorisierend-strukturanalytische Betrachtung des Dramas (z. B. Storz 1963, S.331), die dem Stück zuschreibt, dass es "alles Geschichtliche des Sujets zur Bedeutungslosigkeit" (Guthke 1998, S.416) verblassen lasse, hat  Gert Sautermeister (1979, S.180) in seiner 1979 veröffentlichen Fassung erläutert (in der überarbeiteten Fassung von 1992/2005, S.290f.) fehlt die entsprechende Passage!), betont: "Schiller hat noch keine Vorstellung von einer rational planbaren Geschichte: die Möglichkeiten ihrer bewussten, zielstrebigen Formung mittels Politik und massenhafter Aktion schätzt er nach den Erfahrungen der Französischen Revolution gering ein. Geschichte bleibt für ihn wesentlich das Tätigkeitsfeld des heroischen Individuums, das entweder, wie im Schauspiel, sein Einzelinteresse in zufälliger Harmonie mit einem gemeinschaftlichen zur Deckung bringt, oder, wie in der Tragödie, es aufgrund konkurrierender Interessen preisgeben muss. So gesehen setzt sich in divergierenden ästhetischen Formgesetzen eine identische Zeiterfahrung durch: die des Geschichtsprozesses als eines politisch unbeherrschbaren Schicksals. Im durchgängigen Scheitern sämtlicher individueller Absichten und Zwecke in der Maria Stuart wird diese Erfahrung beredt."

Das Geschichtliche, wie es Schiller versteht, ergibt aus den Fragen, die sein Stück aufwirft: "Es fragt nach den Möglichkeiten und Aporien geschichtlichen Handelns, nach dem Verhältnis zwischen Selbstbehauptung und Ideal, nach der Möglichkeit, im Rahmen eines nach unabänderlichen Gesetzen ablaufenden Geschichtsprozesses die Würde und die Identität als Subjekt zu bewahren." (Hofmann 2003, S.160) Zugleich kann es aber einen "skeptischen Blick auf die Geschichte mit einem utopischen Anspruch verbinden, der das Bedürfnis der Menschen nach dem Ideal und der Versöhnung der Widersprüche artikuliert, ohne in unkritischer Weise eine affirmative Sicht auf den historischen Prozess zu bieten." (ebd.)

 

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 30.05.2021

 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und ZeitmanagementKreative ArbeitstechnikenTeamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche KommunikationVisualisierenPräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 
 

   
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz