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Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise

II,8 - Daja soll auf Anweisung Nathans Recha von dem bevorstehenden Zusammentreffen mit dem Tempelherrn unterrichten

II,7 II,8 →II,9


ACHTER AUFTRITT

Daja. Nathan.

NATHAN. Was gilts? nun drückts euch beiden schon das Herz,
   Noch ganz was anders zu erfahren, als
   Was Saladin mir will.
DAJA.                        Verdenkt Ihrs ihr?
   Ihr fingt so eben an, vertraulicher
   Mit ihm zu sprechen: als des Sultans Botschaft
   Uns von dem Fenster scheuchte.1
NATHAN.                                        Nun so sag
   Ihr nur, daß sie ihn jeden Augenblick
   Erwarten darf.
                                                                           1410
DAJA.               Gewiß? gewiß?
NATHAN.                                  Ich kann
   Mich doch auf dich verlassen, Daja?
2 Sei
   Auf deiner Hut
3; ich bitte dich. Es soll
   Dich nicht gereuen. Dein Gewissen4 selbst
   Soll seine Rechnung dabei finden5. Nur
   Verdirb mir nichts in meinem Plane. Nur
   Erzähl und frage mit Bescheidenheit,
   Mit Rückhalt 6 ...
DAJA.              Daß Ihr doch noch erst, so was
   Erinnern könnt!
– Ich geh; geht Ihr nur auch.
   Denn seht! ich glaube gar, da kömmt vom Sultan
   Ein zweiter Bot', Al-Hafi, Euer Derwisch7.                                      1420
   (Geht ab.)

 

Public Domain Mark
Dieses Werk (Nathan der Weise, von Gotthold Ephraim Lessing), das durch Gert Egle gekennzeichnet wurde, unterliegt keinen bekannten urheberrechtlichen Beschränkungen.

 

Worterläuterungen/Hinweise/Kommentar

1  Implizite Bühnenanweisung (→ Haupt- und Nebentext); Recha und Daja haben das Gespräch Nathans mit dem Tempelherrn vom Fenster beobachtet; Daja hat. wie Nathan in der Szene zuvor bemerkt, sogar versucht, das Gespräch zu belauschen  (II,7 V 1402f.)
2  Nathan befürchtet offenbar, dass Daja Rechas Herkunft Recha und dem Tempelherrn nicht weiter verschweigen wird; vgl. ihre Andeutung in I,1 V 40;
3  Redensart, h: sich in Acht nehmen, vorsichtig sein, Vorsicht walten lassen; Nathan spielt offensichtlich auf die Geschwätzigkeit Dajas an
4  Daja klagt schon zu Beginn des Dramas darüber, dass ihr das eigene Gewissen Probleme bereite (I,1 V 40ff. und sie nicht mehr länger schweigen wolle, wird aber mit Nathans Geschenken wieder zufriedengestellt;
5  auf seine Kosten kommen, Anspielung darauf, dass Nathan sich das Schweigen Dajas mit seinen Geschenken etwas kosten lässt
6  Zurückhaltung
7  Implizite Bühnenanweisung (→ Haupt- und Nebentext)

Textauswahl

 

 
     
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