Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise

Analytische Dramenstruktur


Der Aufbau des Handlungsverlaufs in Lessings Nathan der Weise ist, vom Aufbauschema her betrachtet, eine Mischung aus analytischem (Enthüllungs-)Drama und synthetischem (Ziel-)Drama. Da es sich zugleich als Drama der geschlossenen Form auch mit dem Kompositionsmodell von Freytag darstellen lässt, lassen sich unter dramentektonischem Aspekt wenigstens zwei Höhepunkte benennen.
  • Der Höhepunkt der story des analytischen Dramas ist dann erreicht, wenn die Familienverhältnisse vollkommen enthüllt und allen Beteiligten klar sind und es zur Wiederherstellung der (muslimischen) Familie Saladins, Sittahs und ihrem Neffen (Tempelherr) und ihrer Nichte (Recha) in der Schlussszene des Dramas (V,8 ) kommt.

  • Der Höhepunkt/Wendepunkt (Peripetie) des dramatischen Geschehens ist im pyramidalen Modell von Freytag mit der Ringparabel (III,7) erreicht, die mit dem von ihr bewirkten Ausgleich von Macht (Saladin) und Weisheit (Nathan) erst den glücklichen Fortgang der Handlung ermöglicht,

Während die Geschichte um Recha und Nathan, die Geschichte des von Nathan angenommenen Christenmädchens, die schon weit in die Vorgeschichte zurückreicht, nach und nach im Drama enthüllt wird, entstehen die "Konflikte" zwischen Nathan und Saladin, zwischen dem Patriarchen und Tempelherrn, sowie die Liebe von Recha und dem Tempelherrn erst im Zuge der dramatischen Bühnenhandlung und werden im Laufe der Handlung gelöst. Für Gerhard Kaiser (1976b, S.133ff.) zeigt sich in Lessings Drama eben nicht die "übliche Grundfigur" eines Dramas, nämlich der Zusammenstoß konträrer Willensrichtungen, sondern die wichtigsten Handlungen des Stücks bestünden im "Erkennen und Erkennenlassen von Zusammenhängen und Zusammengehörigkeiten", die letzten Endes für die analytische Struktur des Dramas und das Fehlen eines dramatischen Konflikts im herkömmlichen Sinne verantwortlich seien.
Zur analytischen Struktur der Dramenhandlung im "Nathan" gehören vier verschiedene Vorgeschichten, die mit den zeitlich näherliegenden beginnend, in chronologisch umgekehrter Reihenfolge aufgedeckt werden. (vgl. Koebner 1987, S.144ff.) Alle Vorgeschichten greifen in irgendeiner Weise ineinander.

  1. Die Geschichte von Saladins jüngerem Bruder Assad, der wahrscheinlich zum Christentum konvertiert und als Wolf von Filnek eine neue Identität annimmt. Er heiratet eine adelige Christin aus dem Haus der von Stauffen und wird mit ihr Vater zweier Kinder, einem Sohn (Leu von Filnek), der im Drama als Tempelherr agiert, und einer Tochter, die unter ihrem Taufnamen Blanda von Filnek nach dem Tod der Eltern, von einem Reitknecht, dem späteren Kosterbruder Bonafides, zu dem mit Assad (Wolf von Filnek) befreundeten Nathan gebracht wird. Assad, der eine Zeitlang in Europa und dann wieder in Palästina lebt, schützt Nathan vor antisemitischen Angriffen von Christen, ist aber dann, wahrscheinlich als christlicher Ritter, bei kriegerischen Auseinandersetzungen bei Gazza (Gaza) oder Askalon umgekommen. Nathan, der mit Assad (Wolf von Filnek) befreundet gewesen ist, nennt Blanda, die er, nachdem seine Familie bei einem von Christen verübten Judenpogrom in Gath ermordet worden ist, an Kindes Statt aufnimmt, Recha.
  2. Nach dem Tod der Eltern wird der verwaiste Sohn vom Bruder seiner verstorbenen Mutter in Deutschland erzogen. Dort nimmt er als Tempelritter den Namen seines Adoptivvaters an und nennt sich fortan Curd von Stauffen. In dieser Zeit wird Recha vom späteren Klosterbruder zu Nathan gebracht.
  3. Nathans Familie, seine Frau und seine sieben Söhne, werden bei einem Judenpogrom in der Stadt Gath, das von den Christen verübt wird, ermordet. Nathan, der seine Familie dorthin gebracht hat, weil er sie dort sicher wähnte, muss erfahren, dass seine Lieben im eigenen Haus verbrannt sind. Nach einer mehrtätigen Phase der Wut und Verzweiflung an Gott wird ihm von einem Reitknecht (der spätere Klosterbruder) ein christliches Mädchen (Blanda von Filnek/Recha) übergeben, für das er fortan wie ein leiblicher Vater liebevoll sorgt. Als das dramatische Geschehen auf der Bühne einsetzt, sind diese Ereignisse 18 Jahre her.
  4. Zwanzig Jahre nach diesen Vorkommnissen regiert Sultan Saladin in Jerusalem mit harter Hand und lässt etliche christliche Ritter, Tempelritter, hinrichten. Lediglich bei einem einzigen macht er eine Ausnahme, weil er in dessen Gesichtszügen eine gewisse Ähnlichkeit mit seinem verschollenen jüngeren Bruder Assad vermutet. Der unvermutet Verschonte wird, während er unbehelligt durch Jerusalem geht, Zeuge eines Brandes im Hause Nathans, der sich zu diesem Zeitpunkt auf einer Geschäftsreise befindet. Gerade noch kann er Recha aus den Flammen retten, will aber, nachdem er erfahren hat, dass sie eine Jüdin ist, nichts mehr von dieser und seiner Rettungstat wissen. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, arbeitet er als Führer auf dem Sinai, von dem er einige Wochen nach dem Brand bei Beginn der Dramenhandlung wieder nach Jerusalem zurückkehrt.

Die folgenden Textstellen klären im Lauf der Dramenhandlung über die tatsächlichen Verwandtschaftsbeziehungen unter den wichtigsten Figuren des Dramas auf, die schließlich im Schlusstableau der letzten Szene im Motiv der wieder gefundenen Familie als Sinnbild der gesamten Weltfamilie gipfelt.

I,1

Daja macht Nathan gegenüber eine Bemerkung, die die Grundlage seiner Beziehung zu Recha in Frage stellt.

"Eure? Eure Recha? […] Nennt ihr alles,/Was Ihr besitzt, mit ebensoviel Rechte/Das Eure?"
Auf Nathans Antwort hin bringt Daja ihren Gewissenskonflikt ins Spiel, dem sie auch angesichts der ihr von Nathan entgegengebrachten Güte kaum Herr werden könne. "O, wie teuer lasst/Ihr Eure Güte, Nathan, mich bezahlen! […] Mein Gewissen … […] Mein Gewissen, sag ich …"
Nathan verteilt Geschenke an Daja und fordert sie im Gegenzug dazu auf zu schweigen "Nimm du so gerne, als ich dir geb‘: - und schweig! […] Nun so schweig!“
Daja erklärt sich zum Schweigen dazu bereit, weist aber darauf hin, dass Nathan vor Gott (nicht aber der Welt!) Schuld auf sich geladen habe. "Ich schweige./Was Sträfliches vor Gott hierbei geschieht,/Und ich nicht hindern kann, nicht ändern kann, -/Nicht kann – komm‘ über Euch!"
I,2 Daja erwähnt im Gespräch mit Nathan und Recha, dass Saladin den Tempelherrn wegen einer sentimentalen Erinnerung an einen seiner Brüder, der vor langer Zeit verstorben sei, nach der Gefangennahme verschont habe. "doch sagt man/Zugleich, dass Saladin den Tempelherrn/Begnadigt, weil er seiner Brüder einem,/Den er besonders lieb gehabt, so ähnlich sehe./Doch da es viele zwanzig Jahre her,/Dass dieser Bruder nicht mehr lebt, - er hieß,/Ich weiß nicht wie; - er blieb, ich weiß nicht wo: -"
Nathan sieht darin eine Bestätigung seiner Auffassung, dass es sich bei dem Retter Rechas nicht um einen Engel handeln könne. "Warum hätte Saladin,/Der sein Geschwister insgesamt so liebt,/In jüngern Jahren einen Bruder nicht/Noch ganz besonders lieben können? - Pflegen/Sich zwei Gesichter nicht zu ähneln?“
I,5 Der Tempelherr teilt dem Klosterbruder die näheren Umstände seiner Verschonung vor der Todesstrafe mit und schildert dabei die von ihm beobachtete sentimentale Rührung Saladins. "Man hebt mich auf; ich bin entfesselt; will/Ihm danken; seh‘ sein Aug‘ in Tränen: stumm/Ist er, bin ich; er geht, ich bleibe."
Als der Tempelherr am Ende die vom Klosterbruder an ihn herangetragenen Aufträge des Patriarchen, einschließlich eines Mordauftrags an Saladin, zurückweist, tut er dies mit dem Hinweis auf seine äußerliche Ähnlichkeit mit dessen Bruder, der auch eine gewisse seelische Ähnlichkeit entsprechen müsse. "Ah, Saladin! - /Wie? die Natur hätt‘ auch nur e i n e n Zug/Von mir in deines Bruders Form gebildet:/Und dem entspräche nichts in meiner Seele?/Was dem entspräche, könnt‘ ich unterdrücken,/Um einem Patriarchen zu gefallen? -/Natur, so leugst du nicht! So widerspricht/Sich Gott in seinen Werken nicht!"
I,6 Daja gibt dem Tempelherrn (ad spectatores) zu verstehen, dass es sich bei Nathan und Recha um Menschen handeln könne, die nur eine "Maske“ tragen. "Wer weiß!/Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen."
II,1 Im Gespräch mit Sittah erwähnt Saladin sein dynastisches Friedenskonzept, das die Heirat Sittahs mit dem Bruder von König Richard Löwenherz (Prinz Johann) und die Heirat seines Bruders Melek mit der Schwester von Richard Löwenherz vorgesehen hatte. "Ich hätte gern den Stillestand aufs neue/Verlängert, hätte meiner Sittah gern/Gern einen guten Mann zugleich verschafft,/Und das muss Richards Bruder sein: er ist ja Richards Bruder. [...] Wenn unserm Bruder Melek/Dann Richards Schwester wär' zu Teile worden:/Ha! welch ein Haus zusammen! Ha, der ersten/Der besten Häuser in der Welt das beste! -"
Zugleich sagt Saladin, dass die Christen für derartige Heiraten den Wechsel von Sittah und Melek vom Islam zum Christentum verlangten. "Du meinst: warum/Sie sonst verlangen würden, dass auch ihr,/Auch du und Melek, Christen hießet, eh'/Als Ehgemahl ihr Christen lieben wolltet?"
Nach Ansicht Saladins hintertreiben jedoch die Tempelherren die dynastische Lösung, denn sie weigerten sich, das von Ihnen besetzte Akka zu räumen, das Saladin als Mitgift für die Schwester Richards verlangt. "Die Tempelherren,/Die Christen nicht, sind schuld; [...] Sie wollen Akka,/Das Richards Schwester unserem Bruder Melek/Zum Brautschatz bringen müsste, schlechterdings/Nicht fahren lassen."
II,5 In einem kurzen Monolog, den Nathan spricht, als er den Tempelherrn erstmals zu Gesicht bekommt, wird er auf eine Ähnlichkeit der äußeren Erscheinung aufmerksam. "Wo sah ich doch dergleichen?"
II,7 Der Tempelherr gibt gegenüber Nathan seinen (vermeintlichen) Namen , Curd von Stauffen, bekannt. "Mein Name war – ist Curd von Stauffen. – Curd“
Nathan ist überrascht und fragt nach und vermutet, dass es wohl noch andere Geschlechter gleichen Namens gebe. "Von Stauffen? – Stauffen? – Stauffen?“
"Von Stauffen? – Des Geschlechts/Sind wohl noch mehrere …“
Der Tempelherr bestätigt dies und erklärt, dass schon mehrere Angehörige des Geschlechts im Heiligen Land ihr Leben gelassen hätten. "O ja! hier waren,/Hier faulen des Geschlechts schon mehrere.“
Der Tempelherr erklärt, dass darunter auch sein Oheim sei, er korrigiert sich (als Hinweis darauf, dass er über seine eigene Herkunft nicht genau Bescheid weiß, auch sein Vater). "Mein Oheim selbst – mein Vater will ich sagen, -"
Nathan mustert den Tempelherrn genau (implizite Regieanweisung). "Doch warum schärft sich Euer Blick auf mich/Je mehr und mehr?“ (Tempelherr zu Nathan)
Nathan weicht aus. "O nichts! O nichts! Wie kann ich Euch zu sehr ermüden?“
Nachdem der Tempelherr abgegangen ist, spricht Nathan in einem kurzen Monolog aus, dass ihn der Tempelherr an Wolf von Filneck erinnert. „Nicht allein/Wolfs Wuchs, Wolfs Gang: auch seine Stimme. So/Vollkommen so, warf Wolf sogar den Kopf;/Trug Wolf sogar das Schwert im Arm; strich Wolf/Sogar die Augenbrauen mit der Hand,/Gleichsam das Feuer seines Blicks zu bergen. -/Wie solche tiefgeprägte Bilder doch/Zu Zeiten in uns schlafen können,/bis ein Wort, ein Laut sie weckt! – Von Stauffen! -/Ganz recht; Filnek und Stauffen!-/Ich will das bald genauer wissen; bald.“
II,8

-     Ehe Nathan sich zu Saladin begibt, bittet er Daja darum, weiterhin zu schweigen, und bietet ihr weitere Belohnungen dafür an, damit sie ihr Gewissen (vgl. I,1) beruhigen könne.

"Ich kann/mich doch auf dich verlassen, Daja?/ […] ich bitte dich. Es soll/Dich nicht gereuen. Dein Gewissen selbst/Soll seine Rechnung dabei finden."
III.1

-     Daja drückt gegenüber Recha ihren geheimen Wunsch aus, dass Recha durch eine Verbindung mit dem Tempelherrn nach Europa, in den ihr eigentlich zukommenden Glaubens- und Kulturkreis zurückfinden könne.

"Mein Wunsch, dich in Europa, dich in Händen/zu wissen, welche deiner würdig sind.“
Mit einer weiteren Andeutung macht Daja darauf aufmerksam, dass Recha von Geburt an Christin gewesen sei. "Und wenn es nun dein Retter selber wäre,/Durch den sein Gott, für den er kämpft, dich in/Das Land, dich zu dem Volke führen wollte,/Für welche du geboren wurdest?“
Als Recha Daja daraufhin tadelt, bringt Daja ihr gegenüber zum Ausdruck, dass sie zum Schweigen verpflichtet sei. "Posse! Posse!/Wenn ich nur reden dürfte!“
III,7

-     Saladin will den Tempelherrn empfangen, der ihm Nathans Kredit bringen soll, und erinnert sich im Beisein Nathans an die Ähnlichkeit des Tempelherrn mit seinem Bruder.

"Das hätte traun mein Bruder auch getan/Dem er so ähnelt! […]/[…] Ich habe meiner Schwester/Von diesem Bruder, den sie nicht/Gekannt, so viel erzählet, dass ich sie/Sein Ebenbild doch auch muss sehen lassen!"
III,8 In seinem Monolog, in dem sich der Tempelherr seine Liebe zu Recha, dem vermeintlichen Judenmädchen, eingesteht, macht er sich Gedanken über sein Keuschheitsgelübde als Tempelherr. Da ihm durch die Gnade Saladins ein quasi neues Leben geschenkt worden sei, seien dieses und auch andere, ihm vom Ritterorden „eingeplauderte“ Werte und Normen hinfällig geworden. Den Quasi-Neubeginn seines Lebens bringt ihm seinen (vermeintlichen) Vater in Erinnerung, der hier in Palästina gefallen sei. In Zukunft hier zu leben, unter dem "väterlichen Himmel“, werde dabei erheblich leichter sein, wenn er ein neues Leben anfange. Ohne genauer in Einzelheiten zu kommen, gibt er zu verstehen, dass sein Vater wohl ähnlich gehandelt hat. "Der Kopf, den Saladin mir schenkte, wär‘/Mein alter? – Ist ein neuer, der von allem/Nichts weiß, was jenem eingeplaudert ward,/Was jenen band. – Und ein bessrer; für/Den väterlichen Himmel mehr gemacht./Das spür ich ja. Denn erst mit ihm beginn‘/Ich so zu denken, wie mein Vater hier/Gedacht muss haben; wenn man Märchen nicht/Von ihm mir vorgelogen. – Märchen? – doch ganz glaubliche; die glaublicher mir nie,/Als itzt geschienen, da ich nur Gefahr/Zu straucheln laufe, wo er fiel. – Er fiel?/Ich will mit Männern lieber fallen, als/Mit Kindern stehn. – Sein Beispiel bürget mir/Für seinen Beifall."
III,9 Nathan hält sich angesichts des Heiratsantrags durch den Tempelherrn mit seiner Zustimmung zurück und will erst einmal die Herkunft des Tempelherrn geklärt wissen. "Eh‘ ich einmal weiß,/Was für ei Stauffen Euer Vater denn/Gewesen ist! […] Denn seht! Ich habe selbst/Wohl einen Stauffen ehedem gekannt,/Der Conrad hieß."
Der Tempelherr bestätigt, dass er ebenfalls mit Vornamen Conrad, Rufname Curd, heiße. "Ich heiße selber ja nach meinem Vater: Curd ist Conrad."
Da Nathan aber weiß, dass der Conrad von Stauffen, von dem er spreche, selbst Mitglied des Templerordens gewesen und gebunden an dessen Keuschheitsgelübde gewesen sei, komme er nicht als Vater des Tempelherrn in Frage. "Nun – so war mein Conrad doch/Nicht Euer Vater. Denn mein Conrad war/Was Ihr; war Tempelherr; war nie vermählt."
Den Einwand, dass das Unverheiratetsein schließlich keine Gewähr gegen eine Vaterschaft sei, will Nathan nicht gelten lassen.  
III,10 Daja enthüllt dem Tempelherrn das gehütete Geheimnis, weil sie will, dass der Tempelherr Recha heiratet und nach Europa, mit Daja in der Begleitung, zurückkehrt: "Nun; so wisst denn: Recha/Ist keine Jüdin; ist – eine Christin. […] Sie ist ein Christenkind, von Christeneltern/Geboren; ist getauft…“
Als der Tempelherr aus dem Munde Dajas hören will, dass Nathan nicht der leibliche Vater Rechas sei, bestätigt sie dies frei heraus. "Nicht/ Ihr Vater! […] Die Wahrheit, die so oft/Mich blut’ge Tränen weinen machen. – Nein,/Er ist ihr Vater nicht…“
Zugleich bestätigt Daja dem Tempelherrn, dass Recha niemals die Wahrheit erfahren habe.  
IV,2 In seinem Gespräch mit dem Patriarchen bringt der Tempelherr den Fall Nathan/Recha anonym, d. h. ohne die Namen zu nennen, zur Sprache, und erwartet Rat, wie er sich in dieser Frage verhalten soll. Dabei äußert er verschiedene Vermutungen darüber, wie Nathan zu dem Christenmädchen Recha gekommen sein könne. „Dies Mädchen sei des Juden Tochter nicht;/Er hab‘ es in der Kindheit aufgelesen,/Gekauft, gestohlen. – was Ihr wollt; man wisse,/Das Mädchen sei ein Christenkind, und sei/Getauft; der Jude hab‘ es nur als Jüdin/Erzogen; […] sagt/Ehrwürd‘ger Vater, was wär’hierbei wohl/Zu tun?“
IV,3 Saladin zeigt Sittah ein kleines Gemälde, auf dem ihr beider, nach einem Ausritt verschollener Bruder Assad dargestellt ist. Zugleich verweist er auf den Tod der Schwester Lilla, die aus Kummer darüber, dass er Assad am Tage seines Verschwindens allein habe ausreiten lassen, gestorben sei. "Ah wackrer lieber Junge, dass ich dich/So früh verlor! [...]/Lass mir das Bild. Auch kenn' ich's schon: Er gab/Es deiner ältern Schwester, seiner Lilla,/Die eines morgens ihn ganz und gar/Nicht aus den Armen lassen wollt'. Es war /Der letzte, den er ausritt. - Ah, ich ließ/Ihn reiten, und allein! - Ah, Lilla starb/ vor Gram, und hat mir's nie vergeben, dass/Ich so allein ihn reiten lassen. - Er blieb weg!"
Saladin will das Bild Assads mit dem Tempelherrn vergleichen, den er in seinem Palast erwartet. "Ich muss das Bild doch mit/Dem jungen Tempelherrn vergleichen; muss/Doch sehn, wie viel mich meine Phantasie/getäuscht."
IV,4 Als der Tempelherr zu Saladin kommt, sieht Saladin sich in seiner Wahrnehmung bestätigt, dass dieser seinem Bruder Assad gleiche. Zugleich erwähnt er, dass Assad ihm ein bestimmtes (Liebes-)Abenteuer vorenthalten habe. "Ich habe mich mit dir in nichts/Betrogen, braver junger Mann! Du bist/Mit Seel' und Leib mein Assad. Sieh! Ich könnte/Dich fragen: wo du denn die ganze Zeit/Gesteckt? in welcher Höhle du geschlafen?/[...]/[...] Sieh! Ich könnte dich/Erinnern wollen, was wir dort und dort/Zusammen ausgeführt. Ich könnte mit/Dir zanken, dass du e i n Geheimnis doch/Vor mir gehabt! e i n Abenteuer mir/Doch unterschlagen"
Der Tempelherr, der wegen der Hinhaltetaktik Nathans bezüglich seines Heiratsantrags in Rage ist, teilt Saladin mit, dass der Jude Nathan nicht der leibliche Vater der Christin Recha sei und diese als Jüdin erzogen habe. „Wenn gleichwohl dieser Ausbund aller Menschen/So ein gemeiner Jude wäre, dass/Er Christenkinder zu bekommen suche,/Um sie als Juden aufzuziehn […] Dies Mädchen selbst ist seine Tochter . nicht;/Ist ein verzettelt Christenkind.“
IV,5 Als der Tempelherr gegangen ist, sprechen Saladin und Sittah über die Ähnlichkeiten zwischen Assad und dem Tempelherrn. Beide sind davon völlig beeindruckt und gehen fast von einer Ebenbildlichkeit der beiden aus. "Gelt, Sittah? Muss mein Assad nicht ein braver,/Ein schöner Mann gewesen sein?
Sittah: "Wenn er so war, und nicht zu diesem Bilde/Der Tempelherr vielmehr gesessen."
Indem Sittah Saladin vorhält, er hätte sich nach den Eltern des Tempelherrn erkundigen sollen, bringt sie ihn erstmals auf den Gedanken, dass der Tempelherr wirklich von Assad abstammen könnte. "Wie hast du doch vergessen können, dich/Nach seinen Eltern zu erkundigen?"
Saladin signalisiert mit seiner Frage, ob er sich nach der Mutter des Tempelherrn erkundigen hätte erkundigen sollen, dass er verstanden hat, worauf seine Schwester Sittah hinaus will. "Ob seine Mutter hier zu Lande nie/Gewesen sei?"
Saladin hält die Tatsache, dass Assad tatsächlich der Vater des Tempelherrn ist, angesichts der seinerzeit bekannten, aber nicht unbedingt gern gesehenen Vorlieben Assads für christliche Damen, für gut möglich und zeigt sich letzten Endes davon überzeugt. "O, möglicher wär' nichts! Denn Assad war/Bei hübschen Christendamen so willkommen,/Auf hübsche Christendamen so erpicht,/Dass einmal gar die Rede ging. - Nun, nun;/Man spricht nicht gern davon. - Genug: ich hab'/Ihn wieder! - will mit all seinen Fehlern,/Mit all seinen Launen seines weichen Herzens/Ihn wieder haben!"
IV,6 Daja droht Nathan, dass sie die Sünde, die Nathan begangen habe, nicht länger verschweigen könne, wenn er Recha dem Tempelherrn nicht zur Frau gebe. "So hat doch einmal Eure Sünde, die /Ich länger nicht verschweigen kann, ein Ende."
Nathan weiß noch nicht recht, wie er den Tempelherrn weiter hinhalten soll, ohne ihm reinen Wein bezüglich seines Verdachts einzuschenken. "(Wüsst‘ ich nur/Dem Tempelherrn erst beizukommen, ohne/Die Ursach’ meiner Neugier ihm zu sagen!/Denn wenn ich sie ihm sag‘, und der Verdacht/Ist ohne Grund: so hab‘ ich ganz umsonst/Den Vater auf das Spiel gesetzt.)“
IV,7 Der Klosterbruder, vom Patriarchen beauftragt, einen Juden zu finden, der ein Christenkind als seine Tochter erziehe, berichtet Nathan, dass er es gewesen sei, der ihm als Reitknecht im Auftrag seines Herrn, Wolf von Filnek, vor 18 Jahren in Darun ein wenige Wochen altes Mädchen gebracht habe. "Hat Euch ein Reitknecht nicht vor achtzehn Jahren/Ein Töchterchen gebracht von wenig Wochen? […] Der Herr, von welchem ich Euch’s brachte/War – ist mir recht – ein Herr von Filnek. – Wolf/Von Filnek.“
Der Grund dafür, so fährt der Klosterbruder fort, sei der damals erst kurz zurückliegende Tod der Mutter des Babys gewesen und die Tatsache, dass sein Vater in den Krieg nach Gazza habe ziehen müssen und sich aus diesem Grund nicht um das Kind habe kümmern können. Bei Askalon sei Wolf von Filnek dann bald umgekommen. "Weil die Mutter kurz/Vorher gestorben war; und sich der Vater/Nach - mein‘ ich – Gazza plötzlich werfen musste,/Wohin das Würmchen ihm nicht folgen konnte: /So sandt‘ er’s Euch. Und traf ich Euch damit/Nicht in Darun? […]/Er blieb bald drauf bei Askalon […]“
Nachdem der Klosterbruder Nathans Vertrauen gewonnen hat, erzählt ihm Nathan von den tragischen Umständen des Massakers in Gath vor achtzehn Jahren, bei dem seine Frau und seine sieben Söhne von Christen umgebracht worden seien, und das unmittelbar, bevor ihm Recha anvertraut worden sei. "Ihr traft mich mit dem Kinde zu Darun,/Ihr wisst wohl aber nicht, dass wenig Tage/Zuvor, in Gath die Christen alle Juden/Mit Weib und Kind ermordet hatten; wisst/Wohl nicht, dass unter diesen meine Frau/Mit sieben hoffnungsvollen Söhnen sich/Befunden, die in meines Bruders Hause,/Zu dem sie sich geflüchtet, insgesamt/Verbrennen müssen. […] Als/Ihr kamt, hatt‘ ich drei Tag‘ und Nächt‘ in Asch‘/Und Staub vor Gott gelegen und geweint. -/[…] Der Christenheit den unversöhnlichsten/Hass zugeschworen – […]Doch nun kam die Vernunft allmählich wieder. […]/Indem stiegt Ihr/Vom Pferd und überreichtet mir das Kind,/In Euern Mantel eingehüllt. – /[…] ich nahm das Kind, trug’s auf mein Lager, küsst‘ es, warf/Mich auf die Knie und schluchzte: Gott! Auf sieben/Doch nun schon e i n e s wieder!“
Nathan schildert daraufhin, wie das Mädchen ihm ans Herz gewachsen sei, und dass er nicht gewillt sei, Recha aufzugeben, es sei denn ein echter Blutsverwandter erhebe Anspruch darauf. „Nur muss der erste beste mir sie nicht/Entreißen wollen! […] Wer/Auf sie nicht größre Rechte hat als ich/Muss frühere zum mind’sten haben - /[…] Die ihm Natur und Blut erteilen.“
Nathan will daraufhin vom Klosterbruder wissen, ob er Anverwandte Rechas kenne. Drum nennt mir nur geschwind/Den Mann, der ihr als Bruder oder Ohm, /Als Vetter oder sonst als Sipp‘ verwandt:/[…] Ich hoff‘, Ihr wisst von diesem Euern Herrn/Und dem Geschlechte dessen, mehr als ich.“
Als der Klosterbruder zunächst eine ausweichende Antwort gibt, will Nathan wissen, ob die Mutter des Kindes eine Stauffin gewesen sei, deren Bruder namens Conrad von Stauffen Tempelherr gewesen sei. "Wisst/Ihr denn nicht wenigstens, was für Geschlechts/Die Mutter war? – War sie nicht eine Stauffin?/[…] Hieß nicht ihr Bruder/Conrad von Stauffen? – und war Tempelherr?“
Der Klosterbruder stimmt dem zögerlich zu, berichtet aber dann von einem Brevier, das er dem toten Wolf von Filnek vor seiner Bestattung abgenommen habe, in dem, wie man ihm, dem Analphabeten, gesagt habe, die Verwandtschaftsverhältnisse von jenem selbst niedergeschrieben worden seien. "Da fällt mir ein,/Dass ich vom sel’gen Herrn ein Büchelein/Noch hab‘. Ich zogs ihm aus dem Busen, als/Wir ihn bei Askalon verscharrten./[…] In diesem Büchelchen stehn vorn und hinten,/Wie ich mir sagen lassen, mit des Herrn/Selbeigner Hand die Angehörigen/Von ihm und ihr geschrieben.“
IV,8 Daja will Recha, die von Sittah in den Palast gerufen worden ist, auf dem Weg dorthin die Wahrheit über ihre Herkunft sagen, zumal sie fürchtet, Saladin selbst könnte Recha für sich beanspruchen wollen. "Ist drum: wenn ich/Den zweiten Schritt nicht auch noch wage; nicht/Auch ihr noch selbst entdecke, wer sie ist! -/Getrost! Lass mich den ersten Augenblick,/Den ich allein sie habe, dazu brauchen!/Und der wird sein – vielleicht nun eben, wenn/Ich sie begleite. So ein erster Wink/Kann unterwegs wenigstens nicht schaden.“
V,4 Nathan erhält vom Klosterbruder das Brevier Wolfs von Filnek und ist erleichtert über das, was darin steht. "Gott! Wie leicht/Mir wird, dass ich nun weiter auf der Welt/Nichts zu verbergen habe!“
V,5 Der Tempelherr entschuldigt sich bei Nathan, dass er dem Patriarchen die Angelegenheit, ohne Namen zu nennen, hinterbracht habe. „Ich tat nicht recht! – Ihr seid wohl gar nicht schuldig. -/[…] Verzeiht mir, Nathan.“
Angesichts der eingetretenen Lage, die mögliche Aufdeckung durch den Patriarchen, unterbreitet der Tempelherr Nathan den Vorschlag, Recha einfach weiterhin im Unklaren zu lassen und sie ihm zur Frau zu geben. "Gesetzt; er wüsst‘ auch Euern Namen: was/Nun mehr, was mehr? – Er kann Euch ja das Mädchen/Nur nehmen, wenn sie niemands ist, als Euer./Er kann sie doch aus E u e r m Haus nur/Ins Kloster schleppen. – Also – gebt sie mir!/Gebt sie nur mir; und lasst ihn kommen. Ha!/Er soll’s wohl bleiben lassen, mit mein Weib/Zu nehmen.[…]/Sie sei/Nun Eure Tochter, oder sei es nicht!/Sei Christin, oder Jüdin, oder keines!/[…] Sei, wie’s sei!“
Das weitere Drängen des Tempelherrn, dass nur er sie für Nathan retten könne, wehrt Nathan mit dem Hinweis ab, dass dies nun nicht mehr möglich sei, da ein Anverwandter, ein Bruder, gefunden sei, der nun die Verantwortung für Recha übernehmen müsse. "Es ist damit zu spät. […] Dass wir nun wissen, wem/Sie anverwandt; nun wissen, wessen Händen/Sie sicher ausgeliefert werden kann. […] Besonders hat ein Bruder sich gefunden/Bei dem Ihr um sie werben müsst.“
Da der Tempelherr fürchtet, dass der vermeintliche Bruder einen ungünstigen Einfluss auf Recha nehmen und ihrer beider Liebe im Wege stehen könne, will er Recha seine Liebe gestehen und sie auffordern, mit ihm durchzubrennen, wenn es nicht anders geht. "sie soll – sie muss/ in beiden Fällen, was ihr Schicksal droht,/Von mir zuerst erfahren. […] Zu ihr!/Zu sehn, ob diese Mädchenseele Manns genug/Wohl ist den einzigen Entschluss zu fassen,/Der ihrer würdig wäre! […] Nach Euch und ihrem Bruder weiter nicht/Zu fragen- […] Und mir zu folgen; - wenn/Sie drüber eines Muselmannes Frau/ auch werden müsste.“
V,6 Recha erbittet sich, nachdem sie offensichtlich von Daja auf dem Weg in den Palast über ihre Herkunft informiert worden ist, Hilfe dabei, keinen anderen Vater aufgezwungen zu bekommen. "Wir nahten, auf dem Weg hierher, uns einem/Verfallnen Christentempel. Plötzlich stand/Sie still; schien mit sich selbst zu kämpfen; […] mit Blicken/Des wahren Mitleids mich beschwor, mich meiner/Doch zu erbarmen! – Wenigstens, ihr zu/Vergeben, wenn sie mir entdecken müsse,/Was ihre Kirch‘ auf mich für Anspruch habe. […] Ich sei/Aus christlichem Geblüte; sei getauft;/Sei Nathans Tochter nicht; er nicht mein Vater! –[…] Sittah! Sittah!/Sieh mich aufs neu‘ zu deinen Füßen…“
V,7 Recha teilt Saladin mit, Daja habe ihr Wissen, dass Recha eine Christin sei, angeblich von ihrer Amme. "Denn Daja will von meiner Amm‘/Es haben. […] /Die es sterbend/Ihr zu vertrauen sich verbunden fühlte.“
V,8 Als Recha von Saladin und Sittah aufgefordert wird, dem Tempelherrn ihre Liebe zu bekennen, besteht Nathan darauf, den Bruder Rechas zu Wort kommen zu lassen, was alle Anwesenden überrascht. "Halt Saladin! Halt Sittah!/[…] Hier hat noch einer mitzusprechen …/[…] Ihr Bruder!“
Dann klärt Nathan den Tempelherrn über seinen richtigen Namen Leu von Filnek auf. „Ihr seid kein Stauffen!/[…] Heißt Curd von Stauffen nicht!/[…] Heißt Leu von Filnek.“
Danach erläutert Nathan dem Tempelherrn und den anderen Anwesenden, dass der Tempelherr von seinem Onkel Curd von Stauffen nach der Rückkehr seiner Eltern nach Palästina aufgezogen worden sei. "Denn Eure Mutter – die war eine Stauffin./Ihr Bruder, Euer Ohm, der Euch erzogen,/Dem Eure Eltern Euch in Deutschland ließen,/Als von dem rauen Himmel dort vertrieben,/Sie wieder hier zu Lande kamen: - der/Hieß Curd von Stauffen; mag an Kindesstatt/Vielleicht Euch angenommen haben!"
Auf Nathans Frage, wie lange der Tempelherr selbst schon in Palästina weile und ob der Onkel des Tempelherrn, Curd von Stauffen noch lebe, erhält er von dem Tempelherrn zur Antwort, dass sein Onkel tot sei und er selbst erst mit der letzten Verstärkung des Ordens ins Land gekommen sei. "Er selbst ist tot. Ich kam erst mit der letzten/Verstärkung unsers Ordens.“
Auf die Frage des Tempelherrn hin, was das Ganze denn mit Recha zu tun habe, beginnt Nathan die Anwesenden über seinen Freund, den leiblichen Vater des Tempelherrn, Wolf von Filnek, und dessen Geschichte zu unterrichten. Dieser sei, obwohl er selbst kein Deutscher gewesen sei, mit einer Deutschen verheiratet gewesen und seiner Frau für eine Zeit lang nach Deutschland gefolgt. "Euer Vater … […) Er war mein Freund./[…] Nannte/Sich Wolf von Filnek; aber war kein Deutscher …/[…]War einer Deutschen nur/Vermählt; war Eurer Mutter nur nach Deutschland/Auf kurze Zeit gefolgt …"
Als der Tempelherr ungeduldig weiter wissen will, was das mit Recha zu tun habe, teilt ihm Nathan mit, dass der Tempelherr der Bruder Rechas sei. Tempelherr:“ […] Aber Rechas Bruder? Rechas Bruder …/“ Nathan:“Seid Ihr!“
Dann nennt Nathan auch Recha ihren wirklichen Namen; nämlich Blanda von Filnek.  
Saladin nimmt Nathan dann beiseite und will Genaueres von ihm über den Vater von Recha und dem Tempelherrn wissen. Er fragt nach seiner Herkunft und als Nathan ausschließt, dass Wolf von Filnek Franke oder ein anderer Europäer gewesen sei und zugleich berichtet, dass er am liebsten Persisch geredet habe, ist Saladin überzeugt, dass dieser Wolf von Filnek sein verschollener Bruder Assad gewesen ist. "Aus Deutschland sei ihr Vater nicht/Gewesen; ein geborner Deutscher nicht./Was war er denn? Wo war er sonst denn her? […] Und war auch sonst kein Frank? Kein Abendländer?/ […] Persisch? Persisch?/ Was will ich mehr? – Er ist’s! Er war es!/ […] Mein Bruder! Ganz gewiss! Mein Assad! Ganz/Gewiss!“
Als ihm Nathan schließlich das Brevier überreicht, das der Klosterbruder ihm übergeben hat, erkennt Saladin die Handschrift seines Bruders in den Aufzeichnungen über die Familienverhältnisse wieder. "Ah! Seine Hand! Auch die erkenn‘ ich wieder!“
Nathan überlässt Saladin danach die Entscheidung, ob er Recha und dem Tempelherrn die Identität Wolfs von Filnek preisgeben wolle. "Noch wissen sie von nichts! Noch steht’s bei dir/Allein, was sie davon erfahren sollen!“
Aber ohne jeden Anflug von Zweifel macht Saladin kund, dass er die beiden als die Kinder seines Bruders Assad anerkenne. "Ich meines Bruders Kinder nicht erkennen?/[…] Sie sind’s! Sie sind es, Sittah, sind’s! Sie sind’s!/Sind beide meines … deines Bruders Kinder.“
Der Tempelherr sieht in der Tatsache, dass er zur Familie Saladins gehört, die Erfüllung eines Schicksals, das ihm schon in seinen Kindheitsträumen vor Augen gestanden habe. "Ich deines Bluts! – So waren jene Träume,/Womit man meine Kindheit wiegte doch - /Doch mehr als Träume!“

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.09.2014

      
  Center-Map ] Gesamttext ] Überblick ] Nathan heute ] Entstehungsgeschichte ] Hist. Hintergrund ] Aufbau ] Handlungsverlauf ] Motive ] Figurenkonstellation ] Figurenkonzeption ] Figuren ] Blankvers ] Rezeptionsgeschichte ] Textauswahl ] Portfolio ] Klausuren ] Bausteine ] Links ins WWW ]  
  


          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de