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Franz Kafka: Der Prozess - Schuld

Überblick


Was Schuld ist, kann unterschiedlich definiert werden und hängt letzten Ende von den Instanzen (z.B. Gott, das Gewissen, gesellschaftliche Normen oder schlicht andere Menschen) ab, die menschliches Denken und Tun als schuldhaft beurteilen. In jedem Falle handelt es sich bei Schuld, "um eine Kategorie der Selbst- und Fremdbewertung menschl. Handelns, wobei das Verschulden - im Sinne einer fahrlässigen oder vorsätzl. Unterlassung, Tat oder eines Vorsatzes dazu und deren Folgen . immer ein benachteiligendes oder schädigendes Verhalten gegen Menschen bezeichnet. "(aus: Brockhaus Enzyklopädie, Bd. 19, Mannheim: Bibliographisches Institut, 1992, S.538ff.)
  • Die Ethik setzt für das Schuldigwerden "Freiheit, Verantwortlichkeit und Moralität" beim Menschen voraus (vgl. Brockhaus-Enzyklopädie, Bd. 1992, S. 538ff.), ohne die ein Verstoß gegen Gewissen und Moral gar nicht möglich sein kann. Die moralische Schuld, die jemand bei einem Verstoß dagegen auf sich lädt, entsteht dabei im Bewusstsein einer moralischen Verantwortung für das eigene Handeln, das einem die Möglichkeit lässt zwischen "Alternativen zu wählen, sich der eigenen Entscheidungen unter Berücksichtigung ihrer mögl. Tragweite bewusst zu sein, wie auch ein Bewusstsein sittlicher Werte als von der Willkür des Einzelnen unabhängige und moralische Gründe für das Handeln." (ebd.) Dabei ist das Ausmaß von Schuld, das jemand trägt, von verschiedenen Faktoren abhängig: von der Größe des Unrechts, von der jeweils vorhandenen und möglichen subjektiven Einsicht in den Unrechtscharakter und vom Grad der gegebenen Willensfreiheit.

  • In der Psychologie steht die Entstehung und Entwicklung von Schuldgefühlen im Mittelpunkt, die als Ausdruck eines psychischen Konflikts verstanden werden, im Modell der Psychoanalyse als Konflikt zwischen Es-Ansprüchen und dem Über-Ich. Allgemein können Schuldgefühle Ergebnis einer psychischen Störung sein.

  • Strafrechtlich (relevante) Schuld lädt dagegen jemand auf sich, der gegen bestehende Gesetze so verstößt, dass daraus ein Straftatbestand wird, der strafrechtlich mit einem bestimmten Strafmaß sanktioniert werden kann. Dabei muss eine solche Tat festgestellt werden.

  • Religiöse Schuld kann das Ergebnis einer Verfehlung sein, die z. B. im Christentum ein "Sünder" auf sich lädt, der gegen sich, den anderen oder Gott vergeht. Dabei steht die Annahme im Hintergrund, dass der Mensch, mit der Erbsünde existenziell belastet, von Natur aus immer wieder schuldig wird und eine letztliche Schuldfreiheit auch nicht durch eigenes Handeln und Tun, sondern nur durch göttliche Gnade erlangen kann.

 

     
     
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