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Ibsen: Nora

Komposition des Dramas

 
 
  Henrik Ibsens Nora (Ein Puppenheim) stellt ein Drama dar, das sich nicht eindeutig einem bestimmten Formtyp zugeordnet werden kann. Es weist damit sowohl Merkmale auf, die es mit dem Idealtyp eines Drama der geschlossenen Form teilt, aber auch Merkmale, die auf ein Drama der offenen Form verweisen. (vgl. Überblick).  

Auch wenn der offene Schluss eine formale Modernität in die Komposition des Dramas bringt und damit ein wichtiges Kennzeichen eines Dramas der offenen Form akzentuiert, weisen andere Merkmale mehr oder weniger eindeutig auf ein Drama der geschlossenen Form hin. (vgl. Überblick zum Drama der geschlossenen Form)

  • Der Aufbau der dramatischen Handlung basiert auf dem funktionalen Gesamtzusammenhang der Teile des dramatischen Geschehens, d. h. einzelne Szenen können nicht einfach weggelassen, ausgetauscht oder verschoben werden, ohne das sich das Ganze gravierend verändert.
  • Es gibt einen planmäßigen Fortgang der Handlung, auch wenn er nicht frei von Überraschungsmomenten ist.
  • Das Drama nutzt die klassischen drei Einheiten (Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung), auch wenn die Krogstad-Linde-Handlung ein gewisses Eigengewicht als kontrastives Element besitzt.
  • Auch wenn die innere Entwicklung Noras als Entwicklungsprozess psychologisch wenig motiviert ist, bleibt doch ihre innere Entwicklung die eigentliche Ursache für Konflikt und die Katastrophe am Ende des Dramas.
  • Das Konstruktionsschema der analytischen Retrospektive eines Enthüllungsdramas passt in besonderer Weise zu diesem Dramentyp.

Zahlreiche dieser Kompositionsprinzipien verweisen dabei auf Grundprinzipien der ästhetischen Theorie der Literaturepoche Naturalismus, die als eine gesamteuropäische literarische Strömung von 1880 bis 1919 eine große Rolle spielte. Dabei bereiteten die  gesellschaftskritischen Dramen Henrik Ibsens die später von dem Franzosen Emile Zola (1840 - 1902) und dem Schweden Johann August Strindberg (1849-1912) entwickelte ästhetische Theorie des Naturalismus thematisch vor.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.02.2014

 
      
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