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Ibsen: Nora

Handlungsüberblick

Dritter Akt

 
 
  III,1
Christine Linde verhindert nach ihrer Verlobung mit Krogstad die Zurückforderung des Briefes an Helmer
Li, Kr
  • Kurz vor Mitternacht des nächstfolgenden Tages, also etwa 30 Stunden später, kommt Krogstad zu Christine Linde, den diese mit ihrem Zettel vor seiner Wohnung tags zuvor zu Helmers Wohnung bestellt hat. Helmer und Nora sind währenddessen noch auf dem Kostümball bei Kommerzienrat Stenborg, der im gleichen Haus wohnt.
  • Christine Linde und Krogstad sprechen zunächst über die Gründe für den Abbruch ihrer früheren Beziehung durch Christine Linde. Während Krogstad ihr vorhält, sie habe ihm um einer besseren Partie willen seinerzeit herzlos den Laufpass gegeben und ihn vor den Kopf gestoßen, verweist Christine Linde auf ihre Pflichten gegenüber einer kranken Mutter und ihren Brüdern, die sie zur Heirat mit einem vermögenderen Mann gedrängt hätten.
  • Krogstad kommt es vor, dass Christine Linde ihm mit ihrer Anstellung bei der Aktienbank Helmers ein zweites Mal den Boden unter den Füßen wegziehen wolle, was Christine Linde aber entschieden verneint. Als Krogstad sich selbst als einen schiffbrüchigen Mann auf einem Wrack zu bezeichnen, nimmt Christine Linde dieses Stichwort auf und schildert, wie sie selbst ebenfalls Schiffbruch erlitten habe.
  • Christine Linde macht dem zunächst sehr skeptischen Krogstad das Angebot, ein neues, gemeinsames Leben mit ihm zu beginnen. Krogstad vergewissert sich, ob sie sich der Tragweite ihres Vorschlags angesichts seiner Verfehlungen in der Vergangenheit bewusst sei, und als sie dies bestätigt, ergreift er voller Freude und Dankbarkeit ihre Hand. Auf diese neue Zukunft vertrauend glaubt er fest daran, seinen guten Ruf wiederherstellen zu können.
     Aus diesem Grund will er auch die geplante Erpressung Helmers wieder rückgängig machen. Als er gegenüber Christine Linde anspricht, er wolle den Brief, der noch immer im Briefkasten liegt, von Helmer zurückverlangen, wird er von Christine Linde, die das ja ursprünglich für Nora erreichen wollte, davon abgehalten.
  • Christine Linde vertritt die Meinung, dass Helmer endlich die ganze Wahrheit erfahren müsse, und schickt ihn fort. Kurz vor der Rückkehr Helmers und Noras sieht sie sich mit ihrer persönlichen Lebensplanung am Ziel ihrer Wünsche: Mit Krogstad und seinen Kindern habe sie endlich eine echte Lebensaufgabe gefunden.

III,2
Christine Linde verlangt von Nora, Helmer alles zu sagen.
No, He, Li

  • Nora und Helmer kommen nach dem Tanz der Tarantella vom Kostümball zurück. Sichtlich angetrunken zieht er die sich sträubende Nora hinter sich her ins Wohnzimmer, wo sie zur Überraschung der Beiden auf Christine Linde treffen.
  • Helmer berichtet von der Tarantella Noras auf dem Kostümball und dem großen Beifall, den sie dafür erhalten habe. Als ob die Vorstellung seine eigene Leistung gewesen wäre, sonnt er sich in geradezu arroganter Weise im Erfolg Noras.
  •  Als Helmer einen Moment aus dem Zimmer ist, um Kerzen zu holen, teilt Christine Linde Nora mit, dass von Krogstad persönlich keine Gefahr mehr drohe, der Brief aber noch immer im Briefkasten liege. Sie fordert Nora auf, Helmer die ganze Wahrheit zu sagen. Nora antwortet darauf, sie wisse nun, was zu tun sei.

III,3
Nora fühlt sich von Helmer sexuell bedrängt
No, He, Li

  • Als Helmer zurückkommt, verwickelt er Christine Linde, deren Anwesenheit ihm offenkundig lästig ist, besserwisserisch und nörgelnd in ein Gespräch über Stricken und Sticken, so dass sich diese daraufhin, sehr zu Erleichterung Helmers, verabschiedet.
  • Helmer, der durch die Tarantella Noras und seine Phantasien dazu offenkundig sexuell angeregt, wenn nicht erregt ist, bedrängt Nora mit kitschigen Worten, wird aber von Nora zurückgewiesen. Helmer sieht sich dadurch in seinem Stolz verletzt und pocht darauf, ihr Mann zu sein. Ehe der Konflikt weiter eskalieren kann, klopft Doktor Rank von außen an der Tür und fragt, ob er hereinkommen dürfe.

III,4
Doktor Rank nimmt in Erwartung seines drohenden Todes Abschied von Nora
No, He, Ra

  • Doktor Rank, Helmer und Nora plaudern zunächst über den Verlauf des Abends auf dem Kostümball.
  • Nora, die den wahren Grund des Besuchs von Doktor Rank ahnt, will von ihm, in einer Weise die Helmer nicht verstehen kann, erfahren, was die letzten Untersuchungen hinsichtlich seiner Krankheit ergeben haben. Als sie ihn fragt, in welchem Kostüm er auf dem nächsten Ball erscheinen werde, erhält sie zur Antwort, er werde dort unsichtbar sein. Nora weiß daher, wie es um ihn steht.
  • Helmer kann mangels der ihm auf Wunsch Ranks vorenthaltenen Informationen den tieferen Sinn des Gesprächs nicht deuten und führt dessen seltsame Äußerungen nach dem Abgang Ranks auf dessen erhöhten Alkoholgenuss zurück.

III,5
Nora rechnet mit Helmer ab und geht für immer fort
No, He

  • Nachdem Doktor Rank gegangen ist, will Helmer noch den übervollen Briefkasten leeren. Er stellt dabei fest, dass jemand mit einer abgebrochenen Haarnadel Noras am Schloss des Briefkastens manipuliert hat, wird aber zunächst mit Noras Erklärung, dass es die Kinder gewesen seien, zufrieden gestellt.
  • Mit der Post und zwei Visitenkarten Ranks kommt Helmer vom Briefkasten zurück. Nora erkennt das mit Rank verabredete schwarze Kreuz über dessen Namen und hat damit endgültig Gewissheit, dass der Hausfreund sich zum Sterben für immer verabschiedet hat.
  • Als Nora Helmer von der Bedeutung des Zeichens unterrichtet, zeigt er sich abgeklärt und ohne tiefere Betroffenheit. Er würdigt mit ein paar wenigen Worten die Bedeutung seiner Beziehung zu Rank, geht aber dann doch wieder zur Tagesordnung über: Er will mit seiner Frau die Nacht verbringen. Aus diesem Grunde lässt er sich wohl in einer fragwürdigen Anknüpfung an das Schicksal Ranks zu einer ganz im Zeichen seiner Werbung stehenden Äußerung hinreißen. Er wünsche sich, so erklärt er selbstgefällig, dass Nora einmal so ernsthaft in Gefahr gerate, dass er sein Leben für sie einsetzen könne.
  • Nora sieht in dieser Äußerung Helmers offenkundig die Ankündigung des erträumten „Wunderbaren“, nämlich die Bereitschaft Helmers im Fall der Fälle zum Schutz Noras alles auf sich zu nehmen. Daher will sie ihn beim Wort nehmen und fordert ihn auf, noch im nächsten Augenblick die Briefe zu lesen.
  • Helmer, der alles andere als Briefe zu lesen im Sinn hat und dies auch kundtut, wird daraufhin von Nora darauf hingewiesen, dass sich dies mit dem bevorstehenden Tod seines Freunde Rank wohl nicht gut vereinbaren lasse. So lenkt Helmer ein und Helmer zieht sich mit den Briefen, die er noch lesen will, in sein Zimmer zurück.
  • Nora weiß, dass ihr nur wenig Zeit bleibt zu verschwinden. Sie packt hastig ein paar Sachen und ist entschlossen ins Wasser zu gehen, um Selbstmord zu begehen.
  • In dem Moment, als sie hinausstürzen will, steht Helmer mit dem Brief Krogstads vor ihr, hält sie fest und fordert eine Erklärung.
  • Nora, die noch immer an das Wunderbare glaubt, will sich mit den Worten losreißen, Helmer solle sie nicht retten, und auch die erste, schon sehr harte Reaktion Helmers, der ihr Liebesbekenntnis als alberne Ausflüchte abwertet, hält sie zunächst nicht davon ab, an das Eintreffen des erwarteten Wunderbaren zu glauben.
  • Erst die inquisitorisch wirkenden Fragen Helmers danach öffnen Nora allmählich die Augen, die nun auch äußerlich erstarrt und nahezu wortlos die Tiraden Helmers über sich ergehen lässt.
  • Helmer, der sich der erpresserischen Tragweite von Krogstads Brief voll bewusst ist, bezeichnet seine Frau voller Abscheu als Heuchlerin, Lügnerin und Verbrecherin, die dem Beispiel ihres Vaters folgend weder Religion, Moral, noch Pflichtgefühl kenne. Zugleich macht er sie dafür verantwortlich, ihm seine Zukunft verdorben zu haben.
  • Als Nora mit einer kurzen Bemerkung ihre Selbsttötungsabsicht andeutet, wischt Helmer dies mit dem Hinweis vom Tisch, das ihm sogar dies mehr schaden als nützen würde. Für ihn gibt es nur den Ausweg, die Sache um jeden Preis zu vertuschen. Dazu soll die Ehe von Nora und ihm nach außen aufrechterhalten werden, Nora aber die Erziehung der Kinder untersagt bleiben.
  • Plötzlich erscheint das Hausmädchen Helene mit einem an Nora adressierten Brief, den Helmer selbstherrlich sofort an sich nimmt und öffnet. Der Brief enthält den Schuldschein, den Krogstad an Nora zurückgesendet hat. Helmer, fast außer sich vor Erleichterung, sieht zunächst sich, und erst in zweiter Hinsicht, auch Nora gerettet.
  • Er zerreißt den Brief und den Schuldschein Krogstads und will das Ganze wie einen bösen Traum behandeln. Zugleich erklärt er Nora, die diese Wendung der Dinge kommentarlos zur Kenntnis genommen hat, mehrfach, dass er ihr vergeben habe. Zugleich deutet er ihr Verhalten als weibliche Hilflosigkeit um, die sie um so anziehender für ihn mache.
  • Nora, die Helmer ganz nüchtern und ohne die geringste Regung für seine Verzeihung dankt, zieht sich für einen Moment zurück, um das Tarantella-Kostüm abzulegen. Währenddessen redet ihr Nora durch die geöffnete Tür zu, dass alles schon bald vergessen sei. Zugleich unterstreicht er aber noch einmal die großherzige Geste der Verzeihung, die er zu seiner erneuten Inbesitznahme Noras und zugleich ihrer erneuten Menschwerdung hochstilisiert.
  • Nora kommt in ihren Alltagskleidern aus dem Zimmer zurück und bedeutet Helmer, mit ihm reden zu müssen. Wenig später macht sie klar, dass es sich um eine Abrechnung handelt. Sie wirft Helmer vor, er und ihr Vater hätten ihr Unrecht zugefügt. Sie sei von ihrem Vater wie ein Puppenkind und von ihm wie eine Puppenfrau behandelt worden. Weil sie beide damit zu verantworten hätten, dass nichts aus ihr geworden sei, hätten sie eine große Sünde gegen sie begangen.
  • Helmer, der Nora Vorwürfe zunächst damit quittiert, ihr nun seinerseits Unvernunft und Undankbarkeit vorzuhalten, ist vordergründig bereit, das eine oder andere einzuräumen, meint aber, die Probleme durch Stärkung seiner patriarchalischen Autorität als Erzieher Noras beseitigen zu können. Doch Nora hält dem ihren Anspruch auf Selbstbestimmung entgegen, die in ihrer Ankündigung gipfelt, Helmer jetzt für immer zu verlassen. Sie will zunächst bei Christine Linde übernachten, später in ihren Heimatort zurückkehren.
  • Helmer will sich dies nicht bieten lassen, beschimpft sie als wahnsinnig und wertet sie mehrfach ab und verbietet ihr in herrischer Gebärde, ihn und die Familie zu verlassen. Schließlich erkennt aber jedoch, dass er seine angemaßte patriarchalische Autorität über Nora verloren hat. Aus diesem Grunde beginnt er Nora mit verschiedenen Einwänden unter Druck zu setzen, die an Noras soziales und moralisches Gewissen appellieren. Doch seinen Hinweis auf das mögliche Gerede anderer wehrt Nora ebenso ab, wie seine Ermahnung über ihre angeblichen heiligen Pflichten, die Nora aber den Pflichten gegen sich selbst hintansetzt.
  • Nora erhebt dagegen entschieden den Anspruch, ein vollwertiger Mensch werden zu können, der sich selbst in einer eigenständigen Auseinandersetzung mit der Gesellschaft und der Welt im Ganzen als sittlich autonomer Mensch erst einmal entwickeln kann. Gerade diesen Anspruch aber kann Helmer nicht verstehen und erklärt sich ihn, indem er Nora ein weiteres Mal herabsetzt, als Ausdruck einer Krankheit, als wahnsinnige Äußerung im Fieber.
  • Erst als er bereit ist, zur Kenntnis zu nehmen, dass Nora ihre Entscheidung ihn und die Kinder zu verlassen, reiflich überlegt hat, findet er Zugang zu einer auch für ihn letzten Erklärung, nämlich dass Nora ihn nicht mehr liebe. Nora bestätigt dies und begründet es damit, dass ihr seine Weigerung, sich bedingungslos vor sie zu stellen, die Augen geöffnet hätten.
  •  Nora berichtet daraufhin von ihrem Plan sich selbst zu töten, um Helmer das „Wunderbare“ zu ersparen. Helmer lässt in seiner Antwort keinen Zweifel daran, dass Noras Hoffnung auf das Eintreffen des Wunderbaren ebenso sinnlos, wie der Gestus eines solchen Opfertodes gewesen wäre, denn der Verlust der eigenen Ehre sei für ihn nicht durch bedingungslose Liebe aufzuwiegen. Noras Einwand, dass Frauen dagegen stets an der bedingungslosen Liebe festhielten, nimmt Helmer zum Anlass Nora als unverständiges Kind abzukanzeln.
  • Nora ist vom Verhalten Helmers und seinen Äußerungen tief enttäuscht, erkennt aber auch ihren Anteil daran, dass sie selbst acht Jahre lang mit Helmer zusammengelebt habe. Voller Erbitterung richtet sie ihre Wut darüber auch gegen sich selbst, als sie ausruft, sie könne sich selbst in Stücke reißen.
  • Doch Helmer gibt sich noch nicht geschlagen. Er ändert seine Taktik, räumt ein, dass sich ein Abgrund zwischen ihm und Nora aufgetan habe und bekundet seine Bereitschaft, sich zu ändern, um diesen wieder zu überbrücken. Doch Nora lehnt auch dies ab.
  • Nora, die ihre eigene Freiheit einfordert, ist bereit auch Helmer volle Freiheit zu gewähren. Sie verzichtet für die Zukunft auf jede Unterstützung durch Helmer, veranlasst die gegenseitige Rückgabe des Eheringes und gibt dem fassungslosen Helmer zu verstehen, dass sie ihn vom Augenblick an als einen Fremden betrachte. Als Helmer wissen will, ob er ihr gegenüber jemals wieder etwas anderes als ein Fremder sein könne, gibt sie ihm zur Antwort, dass dann das Wunderbarste geschehen müsse. Auf seine flehentliche Nachfrage, ihm zu erklären, was dies bedeute, erklärt sie ihm diese Steigerung des Wunderbaren zum Superlativ. Nur wenn sich beide so veränderten, dass ihr Zusammenleben eine Ehe sein könne, sei dies denkbar, doch glaube sie nicht daran.
  •  Nora verlässt den Raum und Helmer sinkt völlig verzweifelt auf einem Stuhl in sich zusammen. Für einen Bruchteil eines Augenblicks keimt Hoffnung in ihm auf, als ihm wie im Nachhall der Worte Noras ihr Begriff des Wunderbarsten noch einmal wie als eine Frage über die Lippen kommt. Doch dann fällt unten die Haustüre hinter Nora dröhnend ins Schloss.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.02.2014

 
      
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