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Ibsen, Henrik: Nora (Ein Puppenheim)

Überblick

 
 
  »Nora«, das Schauspiel in drei Akten, ist das erfolgreichste Stück des norwegischen Dramatikers Henrik Ibsen. Neben unzähligen Aufführungen in den Theatern der Welt gehört es auch zu den Stücken, die in vielen Literaturverfilmungen einem Millionenpublikum präsentiert wurden. Einzelne Kritiker haben alllerdings wenig Verständnis dafür, wenn das Drama heutzutage zur Aufführung kommt, weil sie ihm attestieren, es sei lediglich "eine Reminiszens an eine bürgerliche Welt von vorgestern", die "nicht auf die gesellschaftliche Klangebene zu transportieren" sei, "die heute gilt" (Martin Timm über eine Aufführung am Hamburger Thalia-Theater 2003, www.culureglobe.org, 08.04.2004). Dessen ungeachtet

Die ersten Aufzeichnungen zum Stück gehen auf das Jahr 1878 zurück, in dem Ibsen mit seiner Familie in Rom lebte. Während die ursprüngliche Konzeption des Stückes noch auf die Gestaltung einer Tragödie hinauslief, die mit der Selbsttötung Noras am Ende eine ihr gemäße Katastrophe gefunden hätte, kappt Ibsen in der Endfassung diesen tragischen Schluss und lässt Nora "einfach" gehen. Am 3. August 1879 schließt Ibsen seine Arbeiten an dem Drama ab.

»Nora« wird am 21. Dezember 1879 in Kopenhagen uraufgeführt. Das Tarantella-Kostüm, das Betty Hennings als Nora getragen hat, ist noch heute im Kopenhagener Theatermuseum zu sehen.

Balance zwischen Sozialgeschichte und Seelengeschichte

Henrik Ibsens Spätwerk, zu dem auch »Nora« gehört, zeichnet sich durch eine bis dahin nicht gekannte "Balance zwischen Sozialgeschichte und Seelengeschichte, gesellschaftlichem und psychologischem Realismus" aus. (Paul 1977, S. 512) Aus dieser kunstvoll praktizierten Balance, die "das Hintergründige im Vordergründigen sichtbar" macht, resultierte nicht zuletzt der Erfolg Ibsens in den siebziger und achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, in denen er dem Publikum seiner Gesellschaftsstücke "im Schockerlebnis neue Identifizierungsmöglichkeiten anbot und damit auch Erkenntnisprozesse einleitete." (ebd.)

"Mit der Forderung nach persönlicher Moral, die über der verlogenen Gesellschaftsmoral steht, formulierte Ibsen in diesem analytischen Drama eine allgemeingültige Maxime der Emanzipation." (Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, Dortmund:1989,  Bd. 4, S.2152)

Schon Mitte des 20. Jahrhunderts notiert Erwin Laaths in seiner »Geschichte der Weltliteratur«, dass zu diesem Zeitpunkt das "Oberflächenthema der Emanzipation" nicht mehr sonderlich interessieren könne, "aber die Unzulänglichkeit des durchschnittlichen Menschen, für den die Liebe eine rettende Tat wagt über sein Verstehen, über seinen beschränkten Instinkt hinaus: das ist durchaus ein tragischer, 'ewig'-menschlicher Konflikt." (Laaths 1953, S. 648)

»Nora« ist dabei mit seiner "Ausweitung ins Psychologisch-Individuelle und zugleich Symbolisch-Allgemeingültige" kein rein naturalistischer Ästhetik verpflichtetes Stück. Das Drama selbst stellt nicht nur ein "Paradestück der Frauenrechtlerinnen" und Nora als Figur eine "Sufragette vom Dienst" dar. Denn wie Fritz Paul (1977) betont, findet sich hinter der Emanzipationsthematik "eine weitere, ungemein komplizierte sensitive Schicht, die das Lebensproblem Noras kennzeichnet [...] letztlich das existentielle Problem fast aller Menschen in Ibsens späten Stücken: Ihr Schauplatz, der bürgerliche Plüschsalon wird unvermutet so zur psychologischen Weltbühne, zur Arena für subtile Seelendramen." (Paul 1977, S. 512)

 
     
     
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