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An die Dichtkunst

Friedrich von Hagedorn


 

  Gespielin meiner Neben-Stunden,
  Bei der ein Teil der Zeit verschwunden,
  Die mir, nicht andern, zugehört:
  O Dichtkunst, die das Leben lindert!
5 Wie manchen Gram hast Du verhindert,
  Wie manche Fröhlichkeit vermehrt!
   
  Die Kraft, der Helden Trefflichkeiten
  Mit tapfern Worten auszubreiten,
  Verdankt Homer und Maro dir
10 Die Fähigkeit, von hohen Dingen
  Den Ewigkeiten vorzusingen,
  Verliehst du ihnen und nicht mir
   
  Die Lust, von Wahn mich zu entfernen
  Und Deinem Flaccus abzulernen,
15 Wie man durch echten Witz gefällt;
  Die Lust, den Alten nachzustreben,
  Ist mir im Zorn von dir gegeben,
  Wenn nicht mein Wunsch das Ziel erhält  
   
  Zu eitel ist das Lob der Freunde:
20 Und drohen in der Nachwelt Feinde,
  Die finden unsre Größe klein
  Den itzt an Liedern reichen Zeiten
  Empfehl ich diese Kleinigkeiten:
  Sie wollen nicht unsterblich sein

 

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Interpretieren Sie das Gedicht.
  2. Arbeiten Sie dabei das Weltbild von Friedrich von Hagedorn und seiner Literaturepoche heraus.

 

  
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