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Die Vergötterung

Friedrich von Hagedorn (1728)


 

  An Phyllis.
   
  Holde Phyllis, die Göttinnen
  (Traue mir die Wahrheit zu)
  Waren anfangs Schäferinnen
  Oder Mädchen, so wie du.
5 Eine, die mit blauen Augen
  Mehr als Männerwitz verband,
  Konnte zur Minerva taugen
  Und erwarb den Götterstand.
   
  Dichterinnen hießen Musen
10 Und entzückten Herz und Ohr.
  Reifer Schönen volle Busen
  Bildete die Ceres vor.
  Die durch Jugend uns ergötzte
  Schien, mit Recht, des Tempels wert,
15 Den man ihr, als Heben, setzte,
  Die der stärkste Held verehrt.
   
  Eine ward, in spröder Blässe
  Und in strenger Häuslichkeit,
  Hüterin der Feueresse
20 Und die Vesta jener Zeit.
  Die durch Reiz und Unglücksfälle
  Sich den Raub der Grobheit sah,
  Ward in ihres Ehstands Hölle
  Kläglich zur Proserpina.
   
25 Majestätische Gebärden,
  Hoheit, die sich nie vergaß,
  Ließen die zur Juno werden,
  Die so großen Geist besaß.
  Krone, Zepter, Wolken, Pfauen
30 Mussten ihren Mut erhöhn;
  Zum Exempel aller Frauen,
  Die das Regiment verstehn.
   
  Ihr so wohlgepaarten Beide:
  Schönheit und Empfindlichkeit!
35 Und auch du, o süße Freude!
  Mund, der lächelnd Lust gebeut;
  Rosen aufgeblühter Wangen;
  Schlaue Blicke; lockigt Haar!
  Ihr nur stellet dem Verlangen
40 Venus oder Phyllis dar.
   
  Phyllis! ja, in jenen Zeiten,
  In der alten Götterwelt,
  Wären deinen Trefflichkeiten
  Gleichfalls Opfer angestellt:
45 Gleichfalls würden deinen Wagen
  Tauben oder Schwäne ziehn,
  Dich die Liebesgötter tragen
  Und mit mir nach Paphos fliehn.

 

 
   Arbeitsanregungen:
  1. Interpretieren Sie das Gedicht.
  2. Arbeiten Sie dabei das Weltbild von Friedrich von Hagedorn und seiner Literaturepoche heraus.
  3. Klären Sie im Rahmen einer Internet-Recherche die unklaren Begriffe.
     
  
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